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Gentz ; Prokesch-Osten, Anton von
An Anton von Prokesch-Osten, Wien, 8. September 1831, HHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 65-68v 1831

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id653
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Prokesch-Osten, Anton von
LocationWien
Date8. September 1831
Handwritten recordHHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 65-68v
Size/Extent of item8 eighd. beschr. Seiten
Places of printProkesch-Osten, Briefwechsel mit Gentz und Metternich, II, 50-52 (tlw.)
IncipitDer letzte Brief, den ich
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Anton von Prokesch-Osten Wien, 8. September 1831 Wien den 8ten September 1831. Der letzte Brief, den ich von Ihnen erhielt, Mein Theurer Freund, war der vom 18ten v. M. den Sie mir im Augenblick Ihrer Abreise nach Neapel schrieben. Ich vermuthe, daß Sie in den ersten Tagen dieses Monats wieder in Rom gewesen seyn werden. Durch den heutigen Courier werden Sie erfahren, daß Sie Sich noch eine Zeitlang in Ferrara niederlaßen sollen. Im ersten Moment wirkte diese Nachricht sehr unangenehm auf mich; ich hatte sicher darauf gerechnet, Sie in einigen Wochen zu sehen, und die Verlängerung Ihrer Abwesenheit ist mir nichts weniger als gleichgültig. Indessen überzeugte ich mich bald, daß // die Sache für Sie nur vortheilhaft seyn konnte, und in jeder Rücksicht gut gemeynt war. Ich fuhr vorgestern nachdem ich eben diese Neuigkeit vernommen hatte, mit dem Fürsten von Schönbrunn in die Stadt, und hatte auf dem Wege mit ihm ein langes und befriedigendes Gespräch über Sie. Er trug mir wiederholt auf, Ihnen zu schreiben; Sie mögten Sich gänzlich auf ihn verlaßen, Ihr Schicksal mit Vertrauen in seine Hände legen. Seine Aeußerungen über Ihre Eigenschaften und Ihren Werth waren wohlwollend und ehrenvoll; sie mußten so seyn, weil sie m i r genügten. Bereits früher hatte ich Ihren Wunsch, Ihren Rang in der Armee wieder zu erhalten, aufs neue zur Sprache gebracht. // Der Fürst hatte mich dieserhalb an Clam gewiesen, mir ausdrücklich gesagt, ich sollte die Sache mit ihm gründlich und d r i n g e n d besprechen. Das war geschehen, und Clam hatte mir - sogar mit weit mehr Bereitwilligkeit als ich von ihm erwartete [hatte] - Auskunft gegeben, nicht nur mündlich, sondern selbst schriftliche Anleitung gegeben, in welcher Art der Fürst Ihrem gerechten Wunsch bey dem Hof-Krieges-Raths-Präsidenten geltend machen sollte. In unsrer vorgestrigen Unterredung versicherte nun der Fürst, daß er diesen Schritt unverzüglich thun würde; ich habe sogar Grund zu glauben, daß er m i r überlaßen wird, das Schreiben an G. aufzusetzen. In Hinsicht auf Ihre Geschäfts-Verhältnisse verlieren // Sie nichts dabey, daß Ihr Aufenthalt in Italien sich verlängert, Ihre Meynung, daß der Krieg vor der Thür sey, hat durchaus keinen Grund; und ich war in der That verwundert, wie Sie, nach allem, was ich Ihnen über diesen Punkt mitgetheilt hatte, jene Meynung noch am 18ten August so bestimmt und zuversichtlich aussprechen konnten. Was uns im Jahr 32 bevorsteht, wage ich freylich nicht zu weissagen; gewiß ist aber, daß es im Jahr 31 nicht zum Kriege kömmt. Ich wollte, wir dürften dasselbe von der Cholera sagen. Dieser Feind sitzt uns aber auf den Fersen, wo nicht noch näher. Nach Aussagen der Aerzte, und trotz tausendfältiger Discussionen über halbe und ganze, falsche und // ächte, gemeine und Orientalische [xxx] Brechruhr, C h o l é r i n e (wie man sehr zierlich in Frankreich spricht) und Pest, hatten wir die Krankheit <bereits> seit einigen Wochen unbezweifelbar in Wien. - Sie hat [xxx] jedoch bisher einen (vergleichungsweise) so gelinden Charakter gehabt, und sich so sehr auf die ärmere, unreinliche Classe oder solche, welche durch grobe Excesse die Disposition dazu selbst veranlaßten, beschränkt, daß man anfängt zu glauben, wir würden sie überstehen, sans nous en . Bis jetzt ist daher auch zu keiner Einschließung von Schönbrunn geschritten worden. Der Kayser scheint dieser Maßregel abgeneigt zu seyn; und sie wird nur im äußersten Nothfall Statt finden. Nichts desto weniger stehen wir von einem Tage zum andern unter dem Schwert des // Damokles; und jeden Morgen, wenn ich von Schönbrunn zurück kehre, und weder dort, noch auf der Staats-Kanzley besonders alarmirende Neuigkeiten vernommen habe, sage ich mir, zwischen Furcht und Hoffnung: F ü r h e u t e ist die F r e i h e i t noch gerettet ! In Berlin glaubt man ebenfalls der Cholera schon im Rachen zu stecken; wenigstens sagt man es in öffentlichen Bekanntmachungen, wo j e d e r Todesfall, von welcher Krankheit er auch herrühren möge, dem großen Schiboleth zugeschrieben wird. Es versteht sich von selbst daß bey diesen Umständen die Reise meiner Freundin nach Berlin auf unbestimmte Zeit // vertagt worden ist; welches mir zur nicht geringen Beruhigung gereicht, und, in der Voraussetzung, daß ich nicht eingesperrt werde, mir die jetzigen bösen Tage versüßt. In der Wiener Zeitschrift ist eine Reihe von Briefen abgedruckt, die Sie auf Ihrer Reise nach Griechenland im Jahr 1824 geschrieben haben. Ich lese sie mit unendlichem Wohlgefallen; Ihre Ortsbeschreibungen, Ihre Reminiscenzen aus den Alten, Ihre gelegentliche Bemerkungen, Ihre Belesenheit, Ihre blühende Imagination, alles zieht mich an. Ich habe auch die Fürstin Metternich aufgefordert, diese Briefe zu lesen. Merkwürdig // ist nur, daß ich (bis jetzt wenigstens) von Ihren d a m a l i g e n Ansichten der Griechischen Revoluzion keine Spur darin fand. Vermuthlich haben Sie, oder Ihre Correspondenten, solche Stellen nicht Preis geben wollen.Gott erhalte Sie lieber Prokesch ! Sobald ich Sie auf einem festen Punkte weiß, schreibe ich Ihnen wieder. Laßen Sie unsre Correspondenz ja nicht ausgehen, damit ich nicht für die vereitelte Hoffnung unsers Wiedersehens ganz ohne Entschädigung bleibe. Ihr treuer Gentz H: HHStA, Wien. Nachlaß Prokesch-Osten, Karton 27, , Bl. 65-68v. x Bl., F: ; 8 eighd. beschr. Seiten. D: Prokesch-Ostxen: Briefwechsel mit Gentz und Metternich, II, 50-52 (tlw.).