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Gentz ; Stanhope, Philip Henry Earl of
An Philip Henry Earl of Stanhope, Wien, 18. April 1829, The Centre for Kentish Studies, Maidstone (England). Stanhope Papers, U 1590 Ref. C 189, 1-2 1829

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id651
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Stanhope, Philip Henry Earl of
LocationWien
Date18. April 1829
Handwritten recordThe Centre for Kentish Studies, Maidstone (England). Stanhope Papers, U 1590 Ref. C 189, 1-2
Size/Extent of item4 Bl., F: 228mm x 184mm; 7 eighd. beschr. Seiten
IncipitDie freundschaftlichen, mir über alle Maßen
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Philip Henry Earl of Stanhope Wien, 18. April 1829 Wien den 18ten April 1829. Mein Edler und Sehr verehrter Graf ! Die freundschaftlichen, mir über alle Maßen schmeichelnden Aeußerungen, die Ihr trefliches Schreiben vom 29ten v. M. enthält, verdienen eine Erwiederung die sich nicht in wenigen Zeilen abfertigen läßt. Die Beschränktheit meiner Zeit, und der Umstand, daß Sie vielleicht in Kurzem England verlaßen, mögen mich entschuldigen, wenn ich, anstatt dessen, was ich ungleich lieber thäte, meinen heutigen Brief bloß meinem erbärmlichen Privat-Interesse widme. Die Nachricht die Sie mir von Ihrer bevorstehenden Reise geben, und die mehr als Sie Sich vorstellen können, mein Herz erfreut, eröfnet mir zugleich die Aussicht, Ihnen über so Vieles was Sie und mich bewegt und beschäftiget, besser und vollständiger als es je in Briefen geschehen kan, meine Seele aufzuschließen. Sie werden mir also gewiß verzeihen, wenn ich Sie diesmal nur von dem traurigen Gegenstande meiner materiellen Bedürfnisse unterhalte. Da Sie mir Selbst das großmüthige Anerbieten machen, über diesen Gegenstand ein vertrauliches Gespräch mit HErrn Arbuthnot zu versuchen, so muß ich Ihnen sagen, daß gerade dies schon seit geraumer Zeit mein geheimer Wunsch // war. Ich habe zwar HErrn Arbuthnot durch eine lange Reihe von Jahren nicht gesehen, darf aber mit voller Zuversicht auf seine wohlwollenden Gesinungen rechnen, wovon Er mir in frühern Zeiten zahlreiche und sprechende Beweise gegeben hat. An Seinem guten Willen für mich hege ich nicht den geringsten Zweifel; und da Er, wie ich glaube, das Vertrauen des Herzoges in ausgezeichnetem Grade besitzt, so ist wohl Niemand mehr dazu geeignet, in einer Sache, womit ich den großen Mann nicht gern unmittelbar belästigen mögte, mein Fürsprecher zu seyn. Sie wissen, durch welches ganz unverschuldete Verhängniß ich plötzlich von einem jährlichen Einkommen von 18 bis 20000 Gulden, auf ¼ desselben zurück geworfen worden bin. Sie kennen auch die unendliche Schwierigkeit, für einen solchen Schlag in meinem Alter, auf dem äußerst ungünstigen Boden von Wien Ersatz zu finden. Nach allen Diensten, die ich in diesem Staate geleistet habe, und bey aller Gunst die ich von Seiten des Fürsten Metternich genieße, vermag doch selbst dieser Minister nur höchstens so viel, daß man mich nicht gerade wird Hungers sterben laßen. - Es ist freylich einem Fremden schwer, an so etwas zu glauben; Sie aber kennen mich genug, um mich keiner muthwilligen Unwahrheit fähig zu halten. // Ich werde mich indessen in dies harte Schicksal zu finden wissen; und bin bereit, wenn sich nicht [bis] im Laufe dieses Jahres irgend eine neue Ressource für mich eröfnet, den Ueberrest meiner Tage, von der Welt und den Geschäften entfernt, mit dem Wenigen was mir bleiben wird, zu verleben. Das Böseste in meiner Lage aber ist, daß der Schlag der mich betroffen hat, so p l ö t z l i c h erfolgte, und daß ich seit dem Monat April 1828 auf einmal aller Mittel <beraubt ward> meinen kleinen Hausstand, der sich doch nicht in 24 Stunden auflösen läßt, zu unterhalten. Durch diesen Umstand besonders bin ich in eine augenblickliche große Verlegenheit gesetzt und habe eine bedeutende Schulden-Last contrahirt, die ich nicht zu tilgen vermag. In dieser Noth nehme ich meine Zuflucht zu der Großmuth des Brittischen Ministeriums. Was mich zu dem kühnen Schritt ermuthiget, ist Ihnen, Mein Edler Graf, und auch dem Herrn Arbuthnot nicht unbekannt. Es ist peinlich und drückend, sich selbst zu rühmen. Sie aber, und Herrn Arbuthnot werden mir das Zeugniß nicht versagen, daß wohl selten ein F r e m d e r, dem Interesse Englands mannichfaltiger gedient hat, als ich. Seit länger als 30 Jahren habe ich als S c h r i f t s t e l l e r und als S t a a t s m a n n keine Gelegenheit versäumt, um für England im Auslande zu sprechen, zu schreiben, zu arbeiten, zu kämpfen. Ich bin der Freund, und ich darf wohl sagen, der // treue Diener und Gehülfe mehr als eines Englischen Ministers gewesen. Wenn ich in Einzelheiten eingehen wollte, könnte ich durch eine Menge unverwerflicher Zeugnisse darthun, daß ich in jedem Zeitpunkt meines öffentlichen Lebens, von gleicher Anhänglichkeit, von gleichem Eifer für die Sache Ihres Vaterlandes beseelt war. Ich habe nahmentlich mehr als einmal die Ehre und das Glück gehabt, unter den Augen des Herzogs von Wellington zu arbeiten. Von den A c h t C o n g r e s s e n, bey welchen ich die Feder geführt (eine Auszeichnung die wohl wenigen Geschäfts-Männern zu Theil geworden ist !) wurden V i e r in Gegenwart des Herzoges gehalten. Er hat mich vielfältig Seiner besondern Aufmerksamkeit, und Seines hohen Beyfalls gewürdiget. Er war, wo ich nicht sehr irre, Zeuge der Sitzung eines dieser Congresse, worin ein noch lebender, und ein seitdem verstorbner Cabinets-Minister den Antrag machte, mir in der Qualität eines Sécrétaire General de l'Europe eine lebenslängliche D o t a t i o n auszusetzen; ein Antrag, der wenn er gehörig unterstützt worden wäre, per unanimia durchgegangen seyn würde, den ich aus // tadelhafter Bescheidenheit nicht gehörig verfolgte, und den Andre, denen es zunächst oblag, für mich zu sorgen, aus Egoismus und Leichtsinn unbenutzt ließen. Dies sind einige der Titel, unter welchen ich meine jetzige Bitte wage. Eine Gratification von 1500 Pfund Sterling würde mir aus allen Verlegenheiten helfen. Könnte sie mir nicht auf einmal gereicht werden, so könnte es vielleicht in 3 Terminen geschehen; nur müßten diese, wenn mir geholfen seyn sollte, nicht sehr weit hinaus gerückt seyn; und 500 Pfund müßten spätstens im Monat July erfolgen. Sie schrieben mir einst von einer P e n s i o n. Ich erkenne Ihre überschwengliche Güte, bitte Sie aber recht inständigst, diese Idee aufzugeben. Meine Gründe behalte ich mir vor. E i n e r davon ist, daß ich auf jede Unterstützung Verzicht leiste, wenn irgend eine Art von Publizität, oder gar von Palamentarischer, dabey erforderlich seyn sollte. Wenn Herr Arbuthnot es für möglich hält, mir auf diese Weise beyzustehen, so möge Er mich durch S i e, Mein Verehrter Graf, instruiren laßen, ob ich unmittelbar an den Herzog, oder (was mir freylich viel leichter fallen würde) an Ihn, mein Gesuch richten soll. In beyden Fällen setze ich voraus, daß Sie Herrn Arbuthnot von dem ganzen Inhalt des gegenwärtigen Briefes // in Kenntniß gesetzt, und die Sache so eingeleitet und vorbereitet hätten, daß ich mich auf Sie berufen dürfte, und nicht genötiget wäre, alle die peinlichen D e t a i l s, womit ich S i e ermüdet habe, noch einmal vollständig zu recapituliren. Es ist viel, sehr viel, was ich Ihnen zumuthe. Es handelt sich aber hier um eine große Erleichterung, um eine große Wohlthat für mich; und ich kenne Ihr edles Gemüth genugsam, um zu wissen, daß selbst das mühsamste Geschäft Ihnen nicht unwillkommen seyn würde, wenn es Ihnen die Aussicht gewährte, mir einen wesentlichen Dienst zu leisten, und mich zu ewiger Dankbarkeit zu verpflichten. Lord Cowley weiß von diesen Schritten nichts. Ich stehe mit Ihm in den freundschaftlichsten Verhältnissen, und leiste ihm täglich Dienste, die er zu schätzen weiß. Auch hat er mir, was ich Ihnen nicht verbergen will, einige Mahle, in Augenblicken großer Verlegenheit, so weit s e i n e Kräfte reichen, beygestanden. Ich will ihn aber von dem jetzigen Versuch nicht eher unterrichten, als bis ich die Gewißheit // habe, daß ich ihn unternehmen darf, und daß er nicht ganz fruchtlos ablaufen wird. Sie werden die Gnade haben, mich von dem Erfolg Ihres Gespräches mit Arbuthnot sobald als möglich zu benachrichtigen, zugleich auch, mir zu melden, w a n n und w i e Sie Deutschland zu besuchen gedenken. Es ist mir äußerst daran gelegen, dies genau zu wissen, weil ich bey jedem m e i n e r etwanigen Plane große Rücksicht darauf nehmen werde. Mit meiner Gesundheit steht es wirklich wundervoll gut. Seit zehn Jahren habe ich mich nicht so wohl befunden, als in dem vergangnen Winter; den ich doch unter schweren Geschäften, noch schwerern Sorgen, und so manchen Herzens-Bekümmernissen durchbrachte. Ich verehre dies als einen besondern Segen Gottes, und fühle dadurch, so trübe auch die Zukunft vor mir liegt, mein Vertrauen auf Ihn nicht wenig gestärkt. Er erhalte auch Sie, Mein Theurer Graf, noch lange Jahre, zum Glück Ihrer Familie und Ihres Landes, zur Freude aller Guten, zum Trost und zur Stütze Ihres treuen Dieners Gentz H: The Centre for Kentish Studies, Maidstone (England). Stanhope Papers, U 1590 Ref. C 189, 1-2. 4 Bl., F: 228mm x 184mm; 7 eighd. beschr. Seiten. Adresse auf Kuvert (80mm x 121mm): To / The Right Honorable The / Earl of Stanhope / L o n d o n. Auf der Rückseite des Kuverts: Siegel. D: bisher ungedruckt.