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Gentz ; Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
An Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha, Wien, 16. Dezember 1829, Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?] 1829

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id65
Issuer of letter
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Gentz
Addressee of letter
Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
LocationWien
Date16. Dezember 1829
Handwritten recordUngarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?]
Size/Extent of item12 eighd. beschr. Seiten
IncipitDie wenigen Zeilen, Mein Theuerster Fürst
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha Wien, 16. Dezember 1829 Wien den 16 December 1829. Die wenigen Zeilen, Mein Theuerster Fürst, womit Sie mich durch den Courier Schüller beglückt haben, waren mir unbeschreiblich werth und willkommen. Ich hatte zwar nicht den geringsten Grund, an der Fortdauer Ihrer gütigen Gesinungen für mich zu zweifeln; daß Sie Sich aber, unaufgefordert, mit so viel Thätigkeit und Eifer meines Gesuchs annahmen, hat mich wahrhaft gerührt. Lassen Sie nun das unter so günstigen Auspizien angefangne nicht unvollendet. Ich befinde mich wirklich in einer nicht geringen Bedrängniß; und, wenn es Ihrer Geschicklichkeit, Ihrer Beredsamkeit, und Ihrem persönlichen Credit bey den dortigen Ministern gelänge, etwas für mich zu erwirken, so würden Sie mir einen unvergeßlichen Dienst leisten. Es heißt aber hier: bis dat, qui cito dat - - - und die andre Hälfte des Verses, die ich nicht hinzu fügen will, könnte sich leicht auch an mir bestätigen. Sie müßen wissen, Mein Fürst , // daß diese Verhandlung bereits ein Jahr dauert; sie wurde durch Lord Stanhope, der mich selbst dazu aufgefordert hatte, wohlwollend, aber ich glaube nicht sehr geschickt eingeleitet. So lange Er noch Hoffnung hatte, sie durchzuführen, konnte ich, ohne ihn zu kränken, keinen andern Weg einschlagen. In dem Augenblick, wo Nugent Wien verließ, entschloß ich mich glücklicher Weise, ihn von der Sache in Kenntniß zu setzen, und ich kan ihm für seine freundschaftliche Bereitwilligkeit nicht genugsam danken. Doch auch damals noch hielten mich Rücksichten der Bescheidenheit und Delicatesse (gewiß nicht Mangel an Vertrauen) ab, Sie Mein Fürst, mit meinen Bedürfnissen und Wünschen zu belästigen. Seitdem mir aber Nugent gemeldet hat, mit welcher zuvorkommenden Güte Sie den ersten Wink den er Ihnen darüber gab, aufnahmen, habe ich nun alle Hoffnung des Gelingens auf S i e gebaut, und weiß, daß ich nicht auf // Sand gebaut haben werde. Ich schreibe nicht mehr an Nugent, weil ich vermuthe, daß er bey Ankunft des gegenwärtigen Couriers nicht mehr in London seyn wird. Sollte ich mich hierin geirrt haben, so bitte ich Sie gehorsamst, ihm zu sagen, daß dies allein der Grund meines Stillschweigens war. In jedem Falle erwarte ich von Ihrer freundschaftlichen Huld einen b a l d i g e n guten Bescheid, und vielleicht bin ich so glücklich, daß dieser bereits meiner heutigen Zuschrift begegne.Ihre interessanten Berichte vom 27ten v. M. denen auch der Fürst volle und wohlverdiente Gerechtigkeit angedeihen ließ, habe ich mit vieler Aufmerksamkeit gelesen, und will Ihnen, in möglichst kurzen Worten anzeigen, was ich von dem dermaligen Stande der Orientalischen Frage denke. Die Correspondenzen und Debatten über die Wahl eines Prinzen für Griechenland, flößen mir nicht allein den tiefsten Wiederwillen ein, sondern ich würde sie wirklich für fabelhaft, für eine mauvaise plaisanterie gehalten haben, // wenn nicht so viele traurige Antécédens mich bereits gelehrt hätten, daß man in dieser Sache immer auf das Verkehrteste und Ungereimteste gefaßt seyn muß. Ich betrachte sie als den Culminations-Punkt, als die Krone der beyspiellosen Geschichte der Tripel-Allianz. Wenn Griechenland einmal ein unabhängiger Staat seyn sollte, was war natürlicher, was aller gesunden Politik angemessner, als, diesem Staat einen einheimischen, mit großer diktatorischer Macht bekleideten, mit sehr geringen Einkünften abzuspeisenden Chef zu geben, der unter dem Titel eines Präsidenten, eines Fürsten, eines Herzogs, an der Regierung dieses halb-barbarischen, blutarmen, aber sehr unruhigen Volkes, sein Heil versucht hätte. Capodistrias würde sich, mit allen seinen Fehlern, und mit allen seinen Feinden (denn er hat deren allerdings viele) nach meiner wohl-überlegten Meynung, zu dieser Stelle am meisten geeignet haben. Er hat sich in England verhaßt, und // verdächtig gemacht; man würde in ihm - und vielleicht <nicht> mit Unrecht - einen gefährlichen Nachbar für die Jonischen Inseln gesehen haben. Wohlan ! Englands Protestation gegen ihn war ein vollgültiges Motiv, ihn auszuschließen. Also - pereat Capodistrias ! Er ist aber nicht der einzige Grieche seiner Art. Ich kenne deren wenigstens zwey, die ungleich fähiger, geachteter, und zuverläßiger waren als er: Maurocordato und Tricupi. Der erste, sogar aus fürstlichem Geblüt, ist ein Mann von so ausgezeichneten Eigenschaften, daß ich ihm die Regierung eines viel größern Staates als Griechenland anvertrauen würde. Ich kenne ihn genau; er ist ein entschiedner Freund Englands, und ein eben so entschiedner Gegner Rußlands. Selbst in dem thörigten System derer, welche in dem heutigen Präsidenten Griechenlands einen künftigen Byzantinischen König oder Kayser suchen, würde er [selbst] zu d i e s e r Stelle sich hundertmal besser qualifiziren, als die sämmtlichen in Vorschlag gebrachten Deutschen Prinzen. Welch eine crasse Unkenntniß // der Menschen, der Nazionen, der Localitäten, der innern und äußern Verhältnisse der Länder gehörte dazu, um sich einzubilden, daß ein Deutscher Prinz die Griechen regieren könnte ! In England, wo man besser unterrichtet seyn s o l l t e, blieb man doch wenigstens noch in gewissen vernünftig-s c h e i n e n d e n Schranken. Man schlug unsern Prinzen Philipp vor, der wenigstens ein M a n n, ein militärischer Mann, und als ein Protestant e t w a s m i n d e r gehaßt wäre, als jeder Katholik, ob ich es gleich für unmöglich halte, daß irgend ein Fürst in Griechenland geduldet werden könnte, der nicht die Landes-Religion annähme. - Man scheint sich jetzt für den Prinzen Leopold bestimmen zu wollen, der das einzige für sich hat, daß er reich genug ist, um weder einer Griechischen noch fremden Geld-Dotation zu bedürfen, sonst aber keine der Eigenschaften besitzt, die ein so gewagtes Unternehmen fordert, // und, wenn es wahr ist, daß er eine Prinzessin von Orleans heyrathen will, am Ende England wohl nicht viel mehr angehören mögte, als Frankreich. - Ganz unverzeihlich, und wahrhaft sinnlos sind hingegen die von Paris ausgegangnen Vorschläge. Ein Französischer Minister, der unwissend und bornirt genug war, einen Prinzen von Bayern, ja zuletzt gar (credite posteri !) den Prinzen Johann von Sachsen zum Könige von Griechenland promoviren zu wollen, ist wahrlich nicht der Mann, der einen Kampf mit den höllischen Geistern, die jetzt wieder den Französischen Thron bedrohen, aufnehmen kan. Par cette seule proposition le Prince de Polignac m'a donné la mesure de ses moyens et de ses forces. Von meinem Freunde Laval (denn in gesellschaftlicher Hinsicht stand ich wirklich sehr gut mit ihm) befremdet <mich> nichts, als daß wohlgedachter Polignac sich einfallen laßen konnte, ihn nach London zu schicken !! Das Beste ist, daß alle diese unglaubliche Verhandlungen getrieben wurden, bevor noch das Wort: Unabhängigkeit Griechenlands // gegen die Pforte ausgesprochen worden war. Ich zweifle freylich nicht, daß sie sich in diese Forderung, obschon sie mit dem Traktat von London und a l l e n spätern Protokollen im grellsten Widerspruch steht, ergeben wird, wie in so vieles Andre. Aber, wenn sie denn doch N e i n ! dazu sagte, wenn sie die größre Ausdehnung Griechenlands dem Verlust des letzten Ueberrestes ihrer alten Oberherrschaft vorzöge, oder, wenn sie für diesen Verlust, was gar nicht unbillig wäre, eine Entschädigung verlangte - was dann ? Neue Coerzitiv-Mittel ? Neue Spoliationen ? In jedem Falle hätte der Wohlstand, um nicht mehr zu sagen, erfordert, diesen Punkt mit der Pforte ins Reine zu bringen, ehe man über das Schicksal des Orients den Allmanach von Gotha zu Rathe zog. Ihnen, Mein Fürst, darf ich alle diese Bemerkungen mittheilen. Nichts desto weniger finde ich Ihr cui bono ? vollkommen gegründet; und wenn es nach meinen Wünschen gegangen wäre, würde Lord Cowley's Bericht // unterblieben seyn. Vorwürfe über vergangne Dinge statuire ich nur in dem einzigen Falle, wo man von denen, die große Fehler begingen, hinterher noch angegriffen wird, wie es uns oft mit dem Französischen Cabinet, nie aber mit dem heutigen Englischen begegnet ist. Sie kennen indessen die polemische Tendenz und den kritischen Geist unsers Fürsten; er protestirt gegen alle Recriminationen, und kan sie doch sich selbst nicht versagen. Lord Cowley der fast alle unsre Ansichten theilt, und vieles was in London geschieht, redlich beseufzt, hat sich berufen geglaubt, jedes schlagende Wort des Fürsten treu zu überliefern, und so ist jener Bericht entstanden, der seinem Ministerium u n m ö g l i c h gefallen konnte. Ich schließe aus Ihrer chiffrirten Depesche vom 4ten d. M. daß man uns eine ausführliche Antwort auf diesen Bericht zugedacht hat, und will sie mir gern gefallen laßen, wenn man, wie Sie sehr richtig conjecturiren, sich in Parlamentarischer Rücksicht dazu bewogen findet. Ueberdies hat es immer einen gewissen Reitz für mich, zu sehen, wie ehrliche und achtungswerthe Männer sich gebehrden, um eine äußerst schlechte Sache zu verteidigen. // Die Allgemeine Zeitung giebt uns seit einigen Tagen Auszüge aus einem, wie es scheint, sehr merkwürdigen Aufsatze im Foreign Quarterly review über den diplomatischen Gang der Tripel-Allianz. Es ist zu bedauern, daß wir diesen Aufsatz im Original noch nicht kennen. Cowley glaubt, daß er von Stratford Canning herrühre, und ich halte das nicht für unmöglich. Ich hoffe, Sie werden uns hierüber bald Aufschluß geben. Uebrigens werden Sie mit unsern neusten Depeschen, sowohl mit denen vom 24ten v. M. als mit den heutigen zufrieden seyn. Die Kritik des heillosen Gedankens einer Militär-Occupation Griechenlands, abgerechnet - ist alles in diesen Depeschen friedlich, schonend, und mit den Wünschen des dortigen Cabinets übereinstimmend. Ueber die Frage der Unabhängigkeit Griechenlands wäre i c h vielleicht weniger positiv gewesen. Es verhält sich damit sonderbar genug. Im Jahr 1825, zur Zeit der Petersburger Conferenzen, kam die erste Idee, die Erklärung der f a k t i s c h e n Unabhängigkeit als Coerzitiv-Mittel gegen die Pforte zu gebrauchen, v o n m i r. Das vielbesprochene Memoire vom 15 März 1828 war durch und durch m e i n W e r k. // Sie haben aber, mit gewohntem Scharfsinn, gegen Lord Aberdeen geltend gemacht, daß diese verschiednen Anträge von unsrer Seite immer nur die Absicht hatten, d a s g r ö ß r e U e b e l, den Russisch-Türkischen Krieg abzuwenden. Seitdem jenes größre Uebel, allen unsern Bemühungen zum Trotz, eingetroffen ist, steht die Frage, nach m e i n e n Begriffen ganz anders; und ich bekenne Ihnen, daß mir die Argumente wodurch man h e u t e zu beweisen sucht, daß die [Unabhängigkeit] volle Emanzipation der Griechen vorteilhafter sey, als die Aufrechthaltung der Türkischen Süzeränität, [mir] sehr problematisch erscheinen. Ich wollte über diesen Gegenstand eine Deduction schreiben, die selbst Lord Aberdeen nicht so leicht widerlegen sollte. Inzwischen ist das stärkste Argument f ü r seine These, eins, welches er gar nicht ausgesprochen hat; das nehmlich, daß d i e G r i e c h e n sich eine h a l b e Emanzipation nicht mehr gefallen laßen, [würden] und daß Niemand Lust haben würde, sie ihnen mit Gewalt aufzudringen. Wenn ich Sie mit diesem langen Briefe ermüdet haben sollte, Theuerster Fürst, // so schreiben Sie es dem Vergnügen zu, welches ich empfinde, mich nach so langer Trenung wieder einmal mit Ihnen unterhalten zu können. Der Himmel lohne Ihnen alles was Sie für mich gethan haben, und noch thun werden, und erhalte mir Ihre Freundschaft ! Was unsre Correspondenz betrift, so erkläre ich Ihnen hiemit, daß es einzig darauf ankömmt, ob Ihnen (ernstlich und ohne Complimente) daran gelegen ist, Briefe von m i r zu erhalten; sobald ich dies mit Zuversicht weiß, werde ich Ihnen, wenn irgend ein interessanter Stoff vorhanden ist, schreiben, ohne Antwort von Ihnen zu begehren, oder auch mit einem Empfangs-Schein von zwey oder drey Zeilen zufrieden seyn, und nichts desto weniger lebenslang verharren Ihr treu-ergebner Diener Gentz. H: Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, x Bl., F: ; 12 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.