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Gentz ; Sayn-Wittgenstein, Wilhelm Ludwig Georg Fürst zu
An Wilhelm Ludwig Georg Fürst zu Sayn-Wittgenstein, Verona, 29. Oktober 1822, GStA PK, Berlin-Dahlem. BPH, Rep. 192, Nachlass Wittgenstein: VII, B 1-2, Bl. 1-2v 1822

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id529
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Sayn-Wittgenstein, Wilhelm Ludwig Georg Fürst zu
LocationVerona
Date29. Oktober 1822
Handwritten recordGStA PK, Berlin-Dahlem. BPH, Rep. 192, Nachlass Wittgenstein: VII, B 1-2, Bl. 1-2v
Size/Extent of item2 Bl., F: 229mm x 188mm; 4 eighd. beschr. Seiten
IncipitEw. Durchlaucht ermangle ich nicht den Brief des Herrn
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Wilhelm Ludwig Georg Fürst zu Sayn-Wittgenstein Verona, 29. Oktober 1822 Ew. Durchlaucht ermangle ich nicht den Brief des Herrn von Rochow gehorsamst zurück zu senden. Mit wahrem Vergnügen sehe ich, wie die neuern Vorgänge und Maßregeln in Berlin auf die Gutdenkenden wirken; die feindliche Partey wird dasselbe tückische Stillschweigen beobachten, welches man nach der Publication der Königlichen Cabinets-Ordre wegen der Staatsdiener, in ihren Blättern bemerkte. Da sie an den Beschlüssen einer Regierung wie die Preußische, ihre Wut nicht offen auslaßen können, so sprechen sie lieber gar nicht davon, und mögten sie mit einem dichten Schleyer bedecken, damit ihre Betrognen nicht inne werden, welchen Schlag ihre frevelhaften Hoffnungen durch den Sieg des bessern Prinzips in Berlin erlitten haben. Hülsemann ist ein junger Professor zu Göttingen, der vor ein Paar Jahren dem (jetzt hier // anwesenden) Grafen Woronzoff in Frankfurt Privat-Vorlesungen gehalten hat. In Wien haben wir ihn durch eine kleine Schrift, die er am Schlusse eines Lehr-Cursus über das Staatsrecht, drucken ließ, und an den Grafen Buol sendete, kennen gelernt. Wir stehen aber in keiner Verbindung mit ihm; und von dem jungen Prinzen von Leiningen habe ich so viel Gutes gehört, daß ich recht sehr wünsche, er möge sich an diesen Prinzen anschließen. Hülsemann ist kein glänzender, aber ein wohl-organisirter Kopf, welcher der guten Sache höchst nützlich werden kan. Er bedarf, wie mir scheint, noch einiger Leitung; der schiefe und phantastische Titel seiner kleinen Schrift beweiset, einen gewissen Mangel an Takt und Beurteilungskraft. Jetzt erlauben mir Ew. Durchlaucht noch einige Worte über einen Gegenstand von größrer Wichtigkeit zu sagen. Ich habe die dem Herrn Fürsten von Metternich mitgetheilten Aktenstücke mit dem höchsten Interesse gelesen. S o l c h e Ständische Verfassungen können die Freunde der Ordnung und des Monarchischen Prinzips sich gefallen laßen. Auch // ist in diesem Plane alles so weise und zweckmäßig geordnet, daß der wahre, wesentliche Nutzen, den Institutionen dieser Art stiften k ö n n e n, vollkommen gesichert wird; nur die falschen und überspannten Erwartungen werden und müßen dabey zu kurz kommen. Ich kan Ew. Durchlaucht kaum ausdrücken, wie sehr ich <von> dieser Arbeit entzückt bin. Die Ausschweifungen des Zeitalters haben uns so weit gebracht, daß es heute besondrer Geistes-Stärke bedarf, zum Einfachen zurück zu kehren, und auf die Stimme der gediegnen praktischen Vernunft zu hören. Diese allein aber hat bey dem großen Geschäft, das eine für Preußen so glückliche und ruhmvolle Wendung genommen, den Vorsitz geführt. Wenn ich bedenke, welchen bangen Sorgen über Preußens - folglich Deutschlands - folglich Europas - Zukunft, ich mich in den Jahren 1817, 1818 und 1819, auch wohl noch in einem spätern Zeitpunkt, oft überließ, so erscheint mir das jetzige Resultat wie ein wirkliches Wunder. Gott hat über denen, die es herbey führten, und deren unsterbliches Verdienst die // Nachwelt besser würdigen wird, als die Zeitgenossen, Seine Hand gehalten. Wie gut könnte es heute um Deutschland stehen, wenn wir zur rechten Zeit entschlossen genug gewesen wären, die unsinnigen Constitutionen der Süddeutschen Staaten, auf Tod und Leben - von den Cabinetten aus - am Bundestage - durch offne Erklärungen, ja selbst, im äußersten Fall, mit bewaffneter Hand zu hintertreiben ! Ich hoffe, und zwar mehr als jemals, seitdem die Sache in Preußen so herrlich entschieden ist, daß wir jene Constitutionen noch werden fallen sehen; wie schwer aber werden wir bis dahin die vergangnen Fehler noch zu büßen haben ! Genehmigen Ew. Durchlaucht die Versicherung meiner unbegränzten Ehrfurcht. Gentz. Verona den 29 Oktober. 1822. H: GStA PK, Berlin-Dahlem. BPH, Rep 192, Nachlaß Wittgenstein: VII, B 1-2, Bl. 1-2v. 2 Bl., F: 229mm x 188mm; 4 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.