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Gentz ; Dietrichstein, Franz Joseph Fürst von
An Franz Joseph Fürst von Dietrichstein, Wien, 8. Juni 1818, Mährisches Landesarchiv, Brünn. FA Dietrichstein, G 140, Karton 580, Inv.-Nr. 2446/52, Bl. 133-134v 1818

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id5247
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Dietrichstein, Franz Joseph Fürst von
AusstellungsortWien
Datum8. Juni 1818
Handschriftl. ÜberlieferungMährisches Landesarchiv, Brünn. FA Dietrichstein, G 140, Karton 580, Inv.-Nr. 2446/52, Bl. 133-134v
Format/Umfang3 ½ eighd. beschr. Seiten
IncipitIch habe gestern bei Metternich
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Franz Joseph Fürst von Dietrichstein Wien, 8. Juni 1818 Ich habe gestern bei Metternich [xxx] im Garten gegessen. Die Frau ist in Baden, und er oft so allein, daß es wirklich Pflicht war, ihm etwas Gesellschaft zu leisten. Bey dem Spanischen Diner bin ich nicht; ich werde mir aber Mühe geben, Sie Morgen zu sehen; heute und immer bin ich übrigens des Abends sicher zu treffen. Was ich Ihnen im ersten Augenblick, unvorbereitet, flüchtig, über die letzten Finanz-Maßregeln schrieb, ist nicht von der Art, daß ich es Andern vorlege, oder gar damit in eine Bataille gehen mögte, wo andre vielleicht armés de pied en cap erscheinen. Ich bitte daher recht sehr, von keinem jener Billets irgend einen Gebrauch zu machen. Was meine Arbeit über die Preßfreiheit betrift, so würde ich dem // Freunde derselben bemerklich machen, daß ich allerdings eher g e g e n als f ü r die Censur-Freiheit schreiben wollte, mithin wenigstens in keine Inconsequenz verfiel, indem ich sie v o r h e r e r d r o s s e l t e. Ich halte das System der gerichtlichen Prozeduren gegen die Presse, für hundertmal drückender, demüthigender, und schmählicher, als die Censur; darum wähle ich die letztre, da [es] u n b e d i n g t e Preßfreyheit einmal nicht Statt finden kan. Ich weiß wohl, daß meine Meynung heute nicht viel Anhänger finden wird, und [xxx] habe auch nicht den Anspruch, das Publicum zu bekehren. Da aber Tausende und Tausende täglich wider die Censur zu Felde ziehen, warum soll dann nicht Einer sie in Schutz nehmen ? Das Bayersche Preßgesetz ist nichts Neues; es ist das alte, seit 10 oder 12 Jahren existirende Edikt, an einigen // wenigen Stellen geändert. Ich glaube nicht, daß die Freunde der Censurfreiheit sich viel Glück dazu wünschen werden, da Zeitungen und Periodische Schriften nicht censurfrey [sind], alle Bücher aber unter Polizey-Aufsicht gestellt sind. Metternich ist, wie ich aus einer neuerlichen Aeußerung bemerkte, kein Verehrer von Thugut. Er protestirt unter andern dagegen, daß Sie ihn "den w ü r d i g e n N a c h f o l g e r" dieses Ministers" genannt haben. Er meynt, es gäbe keinen größern Contrast, als zwischen Thugut und ihm. Ich besitze in der That viel zu wenig data, um Thugut beurteilen zu können; und es wäre mir in jeder Rücksicht sehr lieb, wenn Sie etwas über ihn schreiben wollten, das auch mir zur Belehrung dienen könnte. Das Buch der Madame Stael schließt f ü r m i c h mit dem zweyten Bande. Der dritte, in einem andern Zeitpunkte und // wie es scheint, unter ungünstigen Umständen ausgearbeitete, steht in meinen Augen tief unter den beyden ersten. Dies bemerke ich nur, um meine Lobrede, von der ich übrigens kein Wort zurück nehme, gehörig zu qualifiziren. Gentz Den 8ten Juny 18. H: Mährisches Landesarchiv, Brünn. FA Dietrichstein, G 140, Karton 580, Inv.-Nr. 2446/52, Bl. 133-134v. x Bl., F: ; 3 ½ eighd. beschr. Seiten. Empfangsvermerk von Dietrichstein: 8 Juni 18. D: bisher ungedruckt. Vgl. Tgb. II, 233 (Eintr. v. Sonntag, 7. Juni 1818).