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Gentz ; Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
An Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha, Wien, 22. Juni 1820, Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?] 1820

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id5163
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
LocationWien
Date22. Juni 1820
Handwritten recordUngarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?]
Size/Extent of item8 eighd. beschr. Seiten
IncipitIch habe eine große und lange
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha Wien, 22. Juni 1820 Wien den 22ten Juny 1820. Ich habe eine große und lange Schuld abzutragen, Mein Theuerster Fürst! Vom Ankläger bin ich nun der Anklagenswerthe geworden - wenn Sie anders Ihrer Seits [es] noch an unsre, immer unglückliche Correspondenz denken. Aber bis zu Anfang dieses Monats war ich in einer Lage, die mir nicht eine freye Viertelstunde übrig ließ. Seitdem habe ich, weil ich wenig in die Stadt kam, einige Couriers versäumt. Jetzt will ich mich wenigstens mit meinem Gewissen ins Reine setzen, und für alle mir bisher, wenn auch mehr in Thaten als in Worten [mir] erwiesne Gnade meinen nahmentlichen und herzlichen Dank abstatten. Der Ordnung halber führe ich hier an, was ich, außer Ihrem mir sehr werthen Schreiben vom 25 April, in der letzten Zeit von Ihnen erhalten habe, und erlaube mir dabey einige - bescheidne oder unbescheidne - Bemerkungen. Zuerst also das gewisse Rouleau, und eine sehr hübsche Schottische Dose, die mir großes Vergnügen gemacht hat. Dann durch den Prinzen von Hessen - die sehr wohl conservirten Blumen-Zwiebeln, bey denen jedoch zu bemerken ist, daß sie, zu meinem großen Leidwesen, weder unmittelbar mit Nahmen versehen, noch von irgend einem Verzeichniß begleitet waren, so daß ich bis auf diesen Augenblick nicht // weiß, auch vor künftigem Jahre schwerlich erfahren werde, was Sie mir eigentlich geschickt haben ! - Später erhielt ich zwey Dutzend Bleystifte, von welchen besonders die Schwarzen so vortreflich sind, und meinen Wünschen so ganz entsprechen, daß ich Sie dringend bitten muß, mir von derselben Sorte, aber genau von derselben, d. h. eben so weich und schwarz (wenn auch dicker, nur nicht dünner) gelegentlich noch einen kleinen Vorrath zu bewilligen. Endlich habe ich einen Stoß Velin-Papier erhalten, welches zwar noch glänzender als das von mir zur Probe gegebne, aber dennoch nicht so gründlich gut als dieses ist, indem es, in einem gewissen Grade den Fehler, den ich fast allem Englischen Velin-Papier vorwerfe - nehmlich daß es von Zeit zu Zeit die Dinte versagt - ebenfalls an sich trägt. Vie1lleicht laßen Sie mir künftig einmal ein Paar andre Proben zukommen, und fügen denselben etwa ein oder das andre Päckchen Siegellack bey. Die Bücher-Pakete, die Bollmann mir zugedacht hatte, scheinen weniger glücklich gewesen zu seyn. Nur ein einziges, mit ein Paar Journalen, ist an mich gelangt. Andre, besonders eins, welches das neuste Werk von Malthus enthalten sollte, hat er mir zwar angekündigt; sie müßen aber irgendwo liegen geblieben // seyn. In Paris hat man mir neuerlich so viel guten Willen gezeigt, daß ich es kaum auf die dortige Gesandschaft schieben darf. Diese Sache, die mir sehr am Herzen liegt, nehme ich mir die Freiheit, Ihnen von Neuem bestens zu empfehlen. Was die öffentlichen Angelegenheiten betrift, so habe ich Ihnen, Gott sey gedankt, von Deutschland vor der Hand wenig oder nichts zu sagen. Wir haben unsre hiesigen Aufgaben, durch Sechsmonatliche anhaltende Arbeit, ich glaube nicht unglücklich gelöset. Wir haben seit einem Jahre in der Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe, und in der Befestigung des Bestehenden große Fortschritte gemacht. Wenn wir auf diesem Wege bleiben - woran bey der jetzt zwischen sämmtlichen Deutschen Höfen (den einzigen Würtembergschen allenfalls ausgenommen, der aber allein durchaus nicht zu fürchten ist) herrschenden, vorher nie erhörten Eintracht, sich kaum zweifeln läßt - so wird Deutschland noch manches Jahr ohne Erschütterung [laben] leben und blühen; und die Stürme der Zeit, die denn doch nicht ewig dauern können, werden vielleicht ganz an uns vorüber gehen. Spanien hat das Aergste, was uns von daher treffen konnte, nun bereits verübt. Das Beyspiel einer mit Erfolg gekrönten Militairischen Rebellion war unstreitig höchst gefahrvoll. Da es indessen keine Nachahmer gefunden hat, so wird die Stimme der Lobredner dieses Unwesens wohl verfallen. Alles was nun wieder in Spanien geschehen kan, // betrachte ich zum Voraus als profit tout clair für die gute Sache. Eine so unsinnig angefangne Revolution kan kaum anders als mit blutigen Katastrophen enden. Diese aber werden den vernünftigen Menschen der andern Länder zur neuen heilsamen Warnung, den Unruhestiftern doch zu einiger Scham, und einigem Schrecken dienen. Und, da es mir an und für sich ganz gleichgültig ist, ob die eine Hälfte der Spanier der andern die Hälse bricht, das Land durch seine sequestrirte Lage die übrigen nie unmittelbar berühren kan, und selbst der große Kampf desselben mit den Colonien von nun an ein bloßes historisches Schauspiel wird, indem [xxx] <in> ächt politischer Rücksicht [ziemlich gleichgültig ist] <nicht viel daran liegt,> ob die Cis-Atlantischen oder die Trans-Atlantischen Rebellen siegen, - so können wir, meiner Meynung nach, der ganzen Sache mit ziemlicher Ruhe zusehen. Verderblich hätte sie uns nur werden können, wenn wir toll genug gewesen wären, der Sturmglocke Gehör zu geben, die der Kayser Alexander - und Capodistrias ! (Quis tulerit Gracchos de seditione loquentes !) bey dieser Gelegenheit zu läuten für gut fanden. Wir sind aber, wie Sie längst wißen, in der Hauptsache den Ansichten des Brittischen Cabinets völlig beygetreten, und ich, für meinen Theil, habe das voluminöse Memorandum von Lord Castlereagh vom 5ten May, mit großem Interesse, und vieler Belehrung gelesen, welches ich Seiner Herrlichkeit gelegentlich zu sagen bitte. // Viel näher geht uns freylich Frankreich an, ob wir uns gleich auch hier durchaus auf die Rolle von Zuschauern beschränken müßen. Dies Land hat jetzt große Proben bestanden; wenn die Debatte über das Wahlgesetz vorüber gehen, ohne eine allgemeine Explosion zu bewirken, so haben wir für die Ruhe der Zukunft eine mächtige Garantie. Denn größre Spannung, wildern Kampf, ausgelaßnere Wut der Leidenschaften wird nichts so bald wieder erregen. Die Minister, besonders Pasquier und De Serre, haben sich in dieser Crisis bewundernswürdig gehalten. Die größte aller Gefahren ist beseitiget; denn was sind alle einzelne Excesse gegen die Aussicht, welche sich in der Deputirten-Kammer eröfnete, wenn das Gesetz vom 5 Februar 1817 nicht geworfen würde, wenn die Regierung nicht Kraft oder Muth genug besessen hätte, jene (wie Manuel sie nennt) "m a j o r i t é n a t i o n a l e, qui étoit sur le point de se former" zu hintertreiben ! Das Repräsentativ-System ist an und für sich, [bey] unter allen Umständen, und bey j e d e m Volke - um wie viel mehr also in einem solchen wie das Französische ! - eine unversiegbare Quelle von Unruhe und Gährung; aber es kömmt in Frankreich zu keinem Umsturz mehr; das ist mein Glaube. Was ich am meisten fürchte, ist die Schwäche, oder um es richtiger auszudrücken, die Zweydeutigkeit der Gesinnungen des Königes. Wenn je ein Ministerium verdient // hat, daß Er es auf Händen trage, so ist es doch wohl das jetzige. Gleichwohl scheint es, daß er Richelieu mit Kälte behandelt, daß er (trotz des sträflichen Benehmens des Herrn St. Aulaire und andrer F r e u n d e von De Cazes bey den Wahl-Debatten) sich immer wieder zu den alten Favoriten neigt, und daß man schlechterdings nicht auf ihn bauen kan. Wie dem auch sey, Frankreich scheint mir weit weniger bedroht, als England. In Frankreich liegt die Krankheit mehr auf der Oberfläche, in England durchwühlt sie die Eingeweide des Staates. In Frankreich kömmt zuletzt alles auf persönliche Stellungen, persönliche Manipulation, und Geschicklichkeit in der Leitung an; hingegen leidet England an fundamentalen Uebeln, die keine menschliche Kunst auf die Länge bezwingen kan. Ich versichre Sie, daß mich seit einiger Zeit ein Schauer überfällt, wenn ich an England denke. Sie wißen mehr davon als ich; es wäre also thörigt, von mir, Sie über diesen Gegenstand, worüber ich vielmehr von Ihnen, Mein Fürst, Berichtigung meiner Ansichten erwarte, unterhalten zu wollen. - Die unselige Ankunft der Königin wird natürlich die Lage der Dinge noch verschlimmern, und ich erwarte mit wahrer Bangigkeit // die weitre Entwicklung dieser neuen Landplage. Ich beneide Hardenberg den Spaß nicht, derselben persönlich beyzuwohnen.Bey dem allen hat es mich gefreut, vom Prinzen von Hessen zu hören, daß der König Sich nicht allein meiner erinnert, sondern recht angelegentlich und umständlich von mir gesprochen hat. Gott möge Ihm eine glückliche Regierung geben, und alle meinen Ahndungen zu Schanden werden laßen ! Der Fürst Metternich ist, wie Sie wißen, gleich nach dem Schluß der Wiener Conferenzen nach Böhmen gereiset, und seit dem 12ten in Königswart, wird auch vor den ersten Tagen des July nicht zurück kehren. Es erwartet ihn ein neuer Schlag, und der grausamste von allen - Marie ist ohne Rettung verloren. - Da in Wien jetzt alles öde und todt ist, so sitze ich in Weinhaus, und freue mich des Gedeihens meiner kleinen Anlagen. Ich habe mir an die Stelle eines häßlichen Berges, ein elegantes Zelt gebaut, welches selbst die Bewunderung Ihres Herrn Vaters, selbst die des Meisters Moreau erweckt hat. Zu Ende July werde ich auf 3 oder 4 Wochen nach Gastein gehen, um das Bad zu gebrauchen. Sonst werde ich mich nicht viel bewegen. Wenn Sie den Prinzen Leopold sehen, Theuerster Fürst, könnten Sie etwas Großes für mich // thun. Prinz Philipp hat mir erzählt, seine Treibhäuser und Pflanzen-Sammlungen überträfen alles, was man selbst in England in dieser Art aufzuweisen hätte. Der Prinz Leopold ist immer mein großer Gönner gewesen. Haben Sie die Gnade, Ihm zu sagen, bloß die Bescheidenheit hielte mich ab, Ihn abermals zu behelligen; wenn Er aber je auf den Gedanken kommen sollte, mir ein Paar gute Brocken von Seinem reichen Tische zufließen zu laßen, so würde Er mir großes Vergnügen bereiten. Vielleicht bewegt Ihn dies, mich früher oder später mit einer kleinen Sendung zu überraschen. Noch muß ich Ihnen melden, daß die letzten Depeschen von Ihnen, die mir zu Gesicht gekommen sind (ich glaube sie waren vom 10ten May) wieder ganz den Charakter Ihrer besten frühern Arbeiten an sich tragen, und daß der Fürst sowohl als ich, sie mit großem Interesse gelesen, und einen Wechsel-Gesang zu Ihrem Lobe angestimmt haben. Ich bitte ferner um Ihr huldreiches Andenken; [xxx] jedes, auch nur zufällige Merkmal desselben wird mir zur Freude gereichen; und meiner zärtlichsten Dankbarkeit, so wie meiner treuen Ergebenheit, sind Sie gewiß ! Ich empfehle mich zu Gnaden. Gentz. H: Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. P 136: FA Esterhazy,x Bl., F: ; 8 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.