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Gentz ; Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
An Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha, Wien, 10. Mai 1831, Wienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 223.842 1831

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id5131
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
LocationWien
Date10. Mai 1831
Handwritten recordWienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 223.842
Size/Extent of item4 Bl., F: 230mm x 185mm; 7 ½ eighd. beschr. Seiten
IncipitIhr Herr Vater wünscht einen Brief
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha Wien, 10. Mai 1831 Wien den 10ten May 1831. Mein Theuerster Fürst ! Ihr Herr Vater wünscht einen Brief von mir mit nach London zu nehmen. Ich kenne den Zweck seiner Reise i m A l l g e m e i n e n, ohne von den Vorschlägen, die er Ihnen thun will, im Geringsten näher unterrichtet <zu> seyn. Es wäre daher mehr als Unbescheidenheit, wenn ich mir herausnehmen wollte, Ihnen irgend einen Rath zu geben, der überdies auf Ihre Entschließungen wenig oder gar keinen Einfluß haben [könnte] würde. D a s aber werden Sie mir nicht versagen, noch verübeln, daß ich Ihnen meine wohlgemeynten W ü n s c h e ausspreche. Ihr Herr Vater hat mich seit langen Jahren mit seiner Freundschaft beehrt. Auch Sie, Mein Fürst, sind, oder waren wenigstens - ich darf [es] mich dessen schmeicheln - mein Freund; und, ob Sie mich gleich in der höchst unerfreulichen Lage, in welcher ich mich seit zwey Jahren befinde, nicht so unterstützt haben, als ich es erwartete, und Sie Selbst mich hatten hoffen laßen, so schreibe ich doch dieses Mißgeschick wahrlich nicht Ihrem guten Willen, [und] sondern einer Reihe verhängnißvoller Umstände zu, die Ihre wohlwollenden Absichten vereitelten. Das einzige, was mich tief gekränkt hat, ist, daß Sie mich stillschweigend aufgegeben, daß Sie // mich nicht einmal einer Erklärung, eines Trostes, eines freundlichen Gesprächs gewürdigt haben. Dies alles soll mich jedoch nicht abhalten, in einem Augenblick, wo es sich um Ihre Zufriedenheit handelt, meine schwache Stimme zu erheben. Die Entfernung zwischen Ihrem Vater und Ihnen hat nur zu lange gedauert. Der einzige Mann, der früher eine Vereinigung hätte stiften können, und dessen Pflicht es war, sie zu stiften, hat den Bruch anstatt ihn zu heilen, erweitert. Ich klage den Fürsten Metternich feyerlich an, daß er durch die Art und Weise, wie er Ihren Herrn Vater in den letzten Jahren behandelte, Ihm sowohl als Ihnen wesentlich geschadet hat. Diese Ueberzeugung, die ich im engsten Vertrauen gegen Sie ausspreche, wird Niemand mir rauben. Der Fürst hat sich endlich, nachdem er Ihren Herrn Vater aufs empfindlichste beleidigt hatte, unverrichteter Sache, zurückgezogen. Das Feld ist wieder frey zwischen Vater und Sohn. Wenn das, was man Ihnen vorschlagen wird - ich kenne es nicht, weiß nur das einzige, daß der Charakter des Hauses, welches das Arrangement übernehmen // will, ein günstiges Vorurteil erregt - irgend annehmbar ist, so folgen Sie, ohne den bisherigen höchst übel-gewählten Vermittler, ohne irgend einen Dritten um Rath zu fragen, dem Ruf Ihres edeln Herzens, und bereiten Sie Sich, und Ihrem Vater, wenn nicht eine glänzende, doch eine ruhige und erträgliche Zukunft. Ich liebe Sie beyde so sehr, daß die Stunde, in welcher ich erfahren werde, daß sie vollständig und auf immer versöhnt sind, eine der angenehmsten meines Lebens seyn wird. Nehmen Sie dies Wenige, was ich in einer so delicaten Sache zu äußern wagte, mit gewohnter Güte auf, und schenken Sie mir jetzt noch Ihre Aufmerksamkeit für ein Paar Worte, die m e i n e Bedürfnisse angehen. Ich glaube Ihnen bereits gemeldet zu haben, daß seit dem vergangnen Herbst mein Verhältniß mit Lord Cowley wieder ganz in seine alte Fugen zurückgetreten war, aus welchen bloß die bösen Launen seiner widerwärtigen Gemahlin es gerissen hatten. Sie wissen auch, daß er im Monat Oktober (leider, zu spät) jenen für mich so günstigen Bericht erstattet hatte, der ohne alle Wirkung geblieben ist. Seitdem hat unsre Freundschaft unverrückt bestanden; und, da er // nun (wahrscheinlich im July) nach England zurückkehrt, so hat er mir freywillig, und in Worten, an deren Aufrichtigkeit ich nicht den kleinsten Zweifel hegen kan, versprochen, in London von neuem, so feindselig auch die Umstände seyn mögen, für meine Erleichterung zu arbeiten. Sie begreifen wohl, daß ich auf den Erfolg seiner Bemühungen wenig rechne; wenn S i e aber mit ihm gemeinschaftlich operiren wollten, wäre doch vielleicht nicht alle Hoffnung verloren. Laßen Sie, liebster Fürst, diese meine letzte Bitte nicht ganz unbeachtet vorübergehen ! Ich kan diesen Brief nicht schließen, ohne ihm einen tiefen Seufzer über den entsetzlichen Stand der Dinge in England anzuhängen. Als ich gestern Abend die wütenden, drohenden, schändlichen, wahrhaft höllischen Artikel der Times und des Courier - dieser beyden hochgerühmten, von ganz Europa als die reinsten Organe des Ministeriums betrachteten Journale [xxx] v o m 2 7ten A p r i l - las, ergriff mich eine nahmenlose Indignation, mit Angst und Schrecken gemischt, wie ich sie bey den furchtbarsten Begebenheiten in Frankreich, und abscheulichsten Diatriben der dortigen Blätter // nicht in dem Grade empfunden hatte. Ich sehe wohl, daß eine mächtige Reaction gegen die Reform-Bill sich im Cronicle vorbereitet; aber was kan diese Reaction gegen einen König, wie der jetzige, ein zum Untergang der alten Verfassung mit ihm verschwornes Ministerium, eine frevelhafte und zügellose Presse, und das Uebergewicht einer in den Grund verdorbnen Volks-Meynung ausrichten ? Wenn wirklich, woran ich jedoch sehr zweifle, in dem neuen Parlament die Stimmenmehrheit gegen die Bill ausfallen, der, wenn das Oberhaus den Muth haben sollte, sie wesentlich zu modifiziren, was würde die Folge seyn ? Der vornehme und niedrige Pöbel, im Bunde mit den Stiftern der Revoluzion, würde durch greuliche Excesse erzwingen, was der Widerstand im Parlament noch hintertrieben hätte. Ich sehe das a l t e England unwiederbringlich verloren; und wende von dem neuen meine Augen mit Widerwillen ab. Ein Land, worin die Times das Wort führen, muß nothwendig in Kurzem ein Wohnplatz der wildesten Anarchie werden, wo revoluzionäres Lumpen-Gesindel auf den Trümmern der Monarchie, und aller mit ihr verwandten Größe und Herrlichkeit thronen wird. Was schrieb ich Ihnen in den Jahren 1820 und 1821 ? Waren meine Unglücks-Weissagungen übertrieben ? So eben habe ich Ihre Expedition vom 29ten v. M. gelesen; wie immer, mit Interesse, Belehrung, und Vergnügen. Nur eine einzige Ausstellung kan ich nicht unterdrücken. Sie beurteilen den König, den ich als den [xxx] eigentlichen Urheber des ganzen Verderbens betrachte, viel zu [xxx] milde. Ich gebe zu, daß er seine Minister jetzt nicht mehr im Stich laßen konnte, und daß es sogar gefährlich gewesen wäre, ihre Resignation anzunehmen, die aller Wahrscheinlichkeit nach den Ausbruch einer allgemeinen Revoluzion beschleuniget, oder unmittelbar nach sich gezogen hätte. Aber kan Er seine ursprüngliche Zustimung verantworten ? Und was soll ich überhaupt von einem Monarchen denken, der Brougham zum Kanzler von England erheben konnte ? Ich werde die beyden von Ihnen eingesendeten Broschüren mit der größten Aufmerksamkeit lesen, und Ihnen // demnächst meine Meynung darüber mittheilen. Ich bin weit entfernt zu glauben, daß es ü b e r h a u p t einer Parlaments-Reform bedurfte; noch ist mir wenigstens, ob ich mich gleich seit vielen Jahren mit dieser unseligen Frage beschäftigte, kein einziges Argument vorgekommen welches mich davon überzeugt hätte. Aus Condescendenz gegen den Wahn und die Trugbilder der Zeit würde ich indeß für eine gemäßigte Reform gestimmt haben, bloß und allein um den Schreyern das Maul zu stopfen. Lord Wellington's feyerliche Protestation gegen j e d e Maßregel dieser Art war ein an und für sich weiser (selbst durch Canning's Autorität gerechtfertigter) aber, unter den obwaltenden Umständen, ein u n p o l i t i s c h e r Schritt. Dies kan ich nicht leugnen. Aber "fools rush upon, where Angels fear to tread." Ich will Sie nicht länger mit meinem Geschwätz ermüden. Wenn ich Ihnen meine Gedanken über unsre auswärtige Politik [xxx] bekannt machen wollte, müßte ich Sie auf ein Terrain führen, welches von dem, auf welchem Sie mir zu stehen scheinen, vielleicht weit abliegt. Ich suche heute meine Hülfe in ganz neuen Combinationen, weil ich die Leere und Ohnmacht der alten vollständig erkannt zu haben glaube. Doch eine kurze Darstellung meines Ideen-Ganges mögte Sie durch // ihre Paradoxie erschrecken, und zu einer ausführlichen fehlt mir die Zeit, und einigermaßen auch der Muth; denn so lange mein Plan nur in meinem Kopfe schlummert, und nicht durch neue höhere Autorität sanctionirt ist, könnte er nur störend auf Sie wirken. Also auf ein Andermahl ! Erhalten Sie unterdessen Ihr huldreiches Wohlwollen, Ihrem treu-ergebnen Gentz H: Wiener Stadt- und Landesbibliothek, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 223.842. 4 Bl., F: 230mm x 185mm; 7 ½ eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.