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Gentz ; Leiden, Carl
An Carl Leiden, Verona, 20. Oktober 1822, Wienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. [?] 1822

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id5103
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Leiden, Carl
LocationVerona
Date20. Oktober 1822
Handwritten recordWienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. [?]
Size/Extent of item1 Bl., 2 eighd. beschr. Seiten
IncipitIch erhalte so eben Dein Schreiben
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Carl Leiden Verona, 20. Oktober 1822 Verona den 20 Oktober Ich erhalte so eben Dein Schreiben vom 29ten September, und lese mit wahrem Kummer Deine Klagen über mein vermeyntes Stillschweigen. Ich glaube nicht, mir irgend einen Vorwurf machen zu dürfen. Es ist wahr, ich habe Dir zwischen dem 24ten August und 10 September nicht geschrieben; dies hatte aber seinen Grund einzig darin, daß ich v o r dem 10 September über die bevorstehende Reise und alles was damit zusammenhing, in der vollkommensten Ungewißheit schwebte; wie Du selbst noch aus meinem Briefe vom 10ten gesehen haben mußt. - Eben so war zwischen dem 10 und 24 Septembre eine Periode, wo j e d e n T a g die Plane sich einholen; was sollte ich Dir in diesem - überdies mit Geschäften und aller Art gefüllten Zeitraum nützliches oder erfreuliches schreiben ? Sobald ich wußte, daß meine Abreise von Wien feststand , war es eine meiner ersten Sorgen, Dich davon <zu> benachrichtigen. Dies geschah am 25ten und wieder am 28ten September. Dann schrieb ich Dir am 5 Oktober aus Salzburg, und vorgestern (am 18ten) aus Verona. Wie es zuging, daß Du meinen Brief am 10 September - am 29 equodem noch nicht hattest, weiß ich nicht; indessen bin ich darüber ganz ruhig; denn was Rothschilds anvertraut wird, ist so sicher aufgehoben, als etwas in dieser Welt es seyn kan. Solche Aeußerungen, als "Du könntest nicht glauben, daß ich Dir meine günstige Gesinungen entzogen hätte etc. et." // sollten sich nie unter Deiner Feder finden, nicht bloß, weil sie für mich unverdienter Weise kränkend, sondern hauptsächlich weil sie für einen so gescheuten Menschen, wie Du bist, zu einfältig sind. In dem größten Wirwarr von Geschäften und Sorgen, werde ich gewiß Dich niemals vergessen; und wenn Du 4 Wochen ohne Briefe von mir wärest, so sollte Dir nie einfallen den Grund in solchen Erklärungen zu suchen. Deinen Brief vom 29ten habe ich mit besonderm Vergnügen gelesen. Die Terrasse von Richmond ist einer der wenigen Punkte in England, von welchen mir noch eine sehr deutliche Erinnerung geblieben ist. Ich kan mir also wenigstens zum Theil Deine schöne Spatzierfahrt denken. - Welche Fortschritte Du in der Englischen Sprache gemacht hast, habe ich aus Deinem Briefe an Bennet am besten - kennen.Ich komme eben von einer sehr ermüdenden Parthie zurück. Ich habe es nicht ablehnen können, das berühmte hiesige Amphitheater, eins der größten Monumente der Römer, zu besuchen; und obgleich der Fürst mich recht eigentlich, wie ein Kind, die unzähligen, hohen, steinernen Stufen, hinauf und herab [gegan] mit eigner Hand g e g ä n g e l t hat, so bin ich doch nun, nach vollbrachter Sache, so matt, daß ich eine Stunde ruhen muß, ehe ich zu Ihm essen gehe. Das Amphitheater ist unstreitig einer der merkwürdigsten Gegenstände der Welt, und für Liebhaber einer langen Reise werth. Ich aber werde es sicher nicht zum Zweytenmale besteigen. Rothschild ist vor einer Stunde hier angekommen. Das Wetter ist seit einigen Tagen einzig schön, und die Luft, bis Sonnen-Untergang, ganz wie bey uns im August. Nachts aber ist es sehr kühl, und mein kleiner Ofen leistet mir die treflichsten Dienste. Adieu Mein lieber Carl ! Gentz H: Wiener Stadt- und Landesbibliothek, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 1 Bl., F: ; 2 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.