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Gentz ; Berstett, Wilhelm Ludwig Freiherr von
An Wilhelm Ludwig Freiherr von Berstett, Troppau, 1. November 1820, Generallandesarchiv, Karlsruhe. G. L. A., Abt. 48, Nr. 198 1820

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id5053
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Berstett, Wilhelm Ludwig Freiherr von
LocationTroppau
Date1. November 1820
Handwritten recordGenerallandesarchiv, Karlsruhe. G. L. A., Abt. 48, Nr. 198
Size/Extent of item2 Bl., F: 223 mm x 184 mm; 4 eighd. beschr. Seiten
IncipitEwr Excellentz muß ich, obgleich sehr ungern
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Wilhelm Ludwig Freiherr von Berstett Troppau, 1. November 1820 Troppau den 1ten November 1820. Ewr Excellentz muß ich, obgleich sehr ungern, mit einer persönlichen Sache belästigen, über welche ich, der Ordnung halber, lieber jetzt als noch später, das Stillschweigen breche. Am Tage nach Ihrer Abreise von Wien schrieb mir Tettenborn, Er sey von Ihnen bevollmächtigt, mir 300 Dukaten als Gratification für die Conferenz-Arbeiten auszuzahlen. Kurz darauf sagte Er mir, Er hoffe diese Gratification würde von Seiner Königlichen Hoheit noch höher bestimmt werden. Diesen letzten Umstand führe ich bloß, als zum Gange der Sache gehörig an, [mit] in der sichern Erwartung, daß Ew Excellentz denselben, so wie ich, comme non avenu betrachten werden. Als ich zu Ende July nach Salzburg reisen wollte, sagte mir Tettenborn wenig Tage zuvor, Er würde, vor meiner Abreise, sicher in // die Stadt kommen, und mit mir die Sache berichtigen. Ich hatte, wie sich von selbst versteht, nie daran erinnert. Er kam in die Stadt, und meldete sich nicht wieder. Da ich damals nichts schlimmes ahndete, bat ich ihn in ein Paar Zeilen, die Zahlung während meiner Abwesenheit an meinen Schreiber, der sich deshalb bey ihm melden würde, zu leisten. Seitdem habe ich, was Ew Excellentz sehr verwundern wird, Tettenborn nicht wieder gesehen, und nichts mehr von ihm gehört. Ich kam zu Ende August nach Wien zurück. Mein Schreiber hatte nie einen Bescheid erhalten können. Tettenborn blieb bis tief in den Oktober in Baden, war nie in der Stadt zu sehen, und nahm nicht die mindeste Notiz von mir. Nach Baden konnte ich nicht gehen, theils weil es mir an Zeit mangelte, theils aus Delicatesse, weil ich besorgte, mein bloßer Besuch mögte einer Mahnung ähnlich sehen. Unterdessen hörte ich zu meiner größten Betrübniß, daß es mit seinen Finanzen sehr schlecht stehe. Endlich 8 Tage vor meiner Abreise nach Troppau schrieb ich ihm ein äußerst freundschaftliches // Billet, worin ich ihn - ohne der Geldsache mit einer Sylbe zu erwähnen - bloß fragte, ob er nicht irgend einmal in die Stadt kommen würde, und ob ich ihn denn nach so langer Trennung nicht vor meiner Abreise wenigstens sprechen könnte. - Auf dieses Billet erhielt ich keine Antwort. Bey meinen alten freundschaftlichen Verhältnissen mit Tettenborn würde es mir höchst empfindlich seyn, mit ihm über diesen Gegenstand in irgend eine unangenehme Verhandlung zu treten, zumal, da ich, leider, glaube daß er nicht im Stande ist, die Zahlung zu leisten. Auf der andern Seite wäre es doch auch hart für mich, wenn ich eine von Ihrem höchsten Hofe mir bewilligte, und vermuthlich als längst abgethan betrachtete Gratification ohne weitres entbehren sollte. Ich nehme daher zu Ew Excellentz meine Zuflucht, und bitte Sie gehorsamst, mir, wenn Sie es, wie ich nicht zweifle, billig finden, diese Gratification u n m i t t e l b a r zukommen zu laßen. Dabey wünschte ich jedoch unendlich, daß es geschehen könnte, ohne daß Tettenborn von meinem gegenwärtigen Schritte je irgend etwas erführe. Ew Excellentz Scharfsinn wird sicher ein Mittel finden, die Sache // so einzuleiten, daß dies vermieden werde. In Rechnung kan er die Summe nie gebracht haben, da er keine Quittung von mir produziren konnte. Sollte mein Wunsch nicht erfüllt werden können, ohne mich mit ihm auf eine oder die andre Art zu compromittiren, so thue ich lieber auf alles Verzicht. Ich schreibe Ew Excellentz nach einem zwölftätigen Aufenthalte an diesem Orte, wo nun abermals über einige der wichtigsten und halsbrechendsten Probleme, welche die stürmische Zeit ohne Unterlaß auf uns wälzt, entschieden werden soll. Nach den persönlichen Dispositionen zu urteilen, müßten große Resultate der Erfolg seyn. Der Kayser Alexander theilt unsre Ansichten bis zur höchsten Exaltation; und Frankreich und England sind, wie Ew Excellentz leicht denken können, hier nur zur Decoration. Dennoch geht die eigentliche Arbeit nicht so schnell von Statten, als zu wünschen wäre. Bey einigem Nachdenken über die d r a m a t i s p e r s o n a e werden Sie den Grund davon, <der gewiß i n u n s nicht liegt>, bald errathen. Indessen hoffe ich doch, daß wir in wenig Wochen [zu] vorwärts kommen werden; und da der Kayser von Rußland durchaus nicht nach Wien gehen will (worin er vollkommen Recht hat) hier aber eine fast idyllische Ruhe herrscht, indem wir keine müßige Diplomaten, keine neugierige Zuschauer, keine Reclamanten, ja nicht einmal Farospieler, noch Huren um uns haben, so wird mit Gottes Hülfe bis zu Ende des Monats wohl auch das Ende der Conferenzen eintreten. Ich bitte Ew Excellentz um Verzeihung, theils über meine Zudringlichkeit, theils über die unschickliche Form dieses Briefes, und empfehle mich zu fernern Gnaden, mit allen Ihnen bekannten Gesinungen, in denen ich unwandelbar verharreEw Excellentz sehr ergebner treuer Diener Gentz. H: Generallandesarchiv, Karlsruhe. G. L. A., Abt. 48, Nr. 198. 2 Bl., F: 223 mm x 184 mm; 4 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.