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Gentz ; Schlegel, Friedrich
An Friedrich Schlegel, Ofen, 2. August 1809, Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. R 60, Gentz-Briefe, 1809-1832 1809

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id5
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Schlegel, Friedrich
LocationOfen
Date2. August 1809
Handwritten recordUngarisches Staatsarchiv, Budapest. R 60, Gentz-Briefe, 1809-1832
Size/Extent of item3 Bl., F: 228mm x 188mm; 5 ½ eighd. beschr. Seiten
IncipitDaß eine von uns ressortirende Zeitung
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Friedrich Schlegel Ofen, 2. August 1809 Ofen den 2ten August. 1809. Daß eine von u n s ressortirende Zeitung überhaupt zu Stande kam, war eine der wenigen erfreulichen Erscheinungen die dieser traurige Zeitpunkt mir dargeboten hat. Daß Sie, mein Vortreflicher Freund, die Redaction übernahmen, erhöhte und vollendete meine Zufriedenheit. Daß die Ausführung s o gelang, wie sie gelungen ist, konnte freylich nicht unerwartet für mich seyn. Wenn ich mir aber denke, wie weit eine so mühselige und mühsame Arbeit außerhalb der freyern und reinern Atmosphäre Ihrer frühern Thätigkeit lag, und was es Ihnen gekostet haben muß, um sich in d i e s e s Joch zu spannen - so kan ich Sie wahrlich nicht genugsam bewundern und preisen ! Oft hörte ich, zu der Zeit, wo von Ihrem Eintritt in eine Laufbahn dieser Art die Rede war, selbst aus dem Munde verständiger Männer: "Ja ! ist Er aber auch für das P r a k t i s c h e gemacht ?" - Ich habe diesen Einwurf nur einmal ausführlich, und ich darf sagen, mit unmittelbarem Erfolg, // sonst immer nur mit dem Lächeln der vollen Zuversicht beantwortet. Ob Sie so etwas wirklich w o l l e n würden, war mir eine Zeitlang zweifelhaft; und, wie dies alles auch ende, es ist ein großer und schöner Zug in der Geschichte Ihres Lebens, daß Sie es unter den obwaltenden Umständen gewollt haben; daß Sie alles k o n n t e n, was Sie w o l l t e n, habe ich nie, auch nur augenblicklich bezweifelt. Ihre Zeitung hat schon jetzt unermeßlich viel Gutes gestiftet; steht und behauptet sich unsre Sache, so wird sie täglich wichtiger werden. Die Bahn ist neu gebrochen; selbst für die Zukunft - wenn es nur irgend noch eine für uns giebt - ist dieses Etablissement unschätzbar, und Ihr Verdienst eins der bleibendsten, die sich in diesem furchtbaren Wechsel der Dinge irgend Jemand erworben hat. Mich Ihnen zu nähern, und zu diesem so glücklich und glänzend begonnenen Unternehmen mein // Schärflein beytragen, [xxx] war einer der Haupt-Zwecke meiner zu Anfang des July unternommnen Reise in jene Gegenden, wo Sie Sich damals befanden. Daß diese Reise verunglückte, werden Sie, wenn Sie es auch sonst nicht gewußt hätten, wenigstens aus der W i e n e r Z e i t u n g erfahren haben !Ich hatte damals zugleich das Projekt, Sie durch eine periodische Schrift, die ein oder zweymal des Monats erscheinen, und in etwas ausführlichern Artikeln das Lügen-System des Feindes ohne Unterlaß verfolgen sollte, nach meinen dermaligen Mitteln und Kräften, zu unterstützen. Das erste Heft dieser Schrift schickte ich im Manuscript an Graf Stadion, der äußerst zufrieden damit war. Als es zum Klappen kam, fand sich, daß in Ungarn keine Möglichkeit war, es drucken zu laßen. Dies war eine andre Veranlaßung zu meiner Reise ins Haupt-Quartier. Ich hatte den Plan, mich in Ihrer Nähe niederzulaßen, mit Ihnen gemeinschaftlich zu // arbeiten ppp. Das alles hat das Schicksal nicht gewollt. Unterdessen scheint es mir (ob ich gleich hierüber noch durchaus nichts zuverläßiges weiß) daß uns die Umstände in kurzem einander dennoch nähern werden. Ich vermuthe, daß, da alle die Herren, an welche Sie bisher geknüpft waren, nach Ungarn kommen, Sie allein nicht zurück bleiben werden. Ist diese meine Vermuthung gegründet, so müßen wir etwa gegen die Mitte des Monats nicht mehr weit von einander entfernt <seyn>. Geben Sie mir nur s o g l e i c h (über Comorn hieher) Nachricht von Ihren fernern Planen und Aussichten. Ich schicke Ihnen hier - auf den Fall, daß Sie die Englischen Zeitungen nicht Selbst erhalten, und das famöse Taschenspielerstück schon entdeckt und demaskirt hatten - einen Beytrag für die Zeitung. Wenn ich nur erst weiß, wo Sie sind und bleiben, will ich gern Ihr beständiger Mitarbeiter seyn. Die Aufsätze, die ich für die obgedachte periodische Schrift bestimmt hatte, sind jetzt // zwar großentheils schon veraltet; vielleicht würden aber einige Fragmente derselben noch hin und wieder eine Lücke ausfüllen können. Ueber die große Politik sage ich Ihnen heute nichts. Wo sollte ich anfangen ? Und wo endigen ? - Dies sind Dinge, die mündlich verhandelt werden müßen. Daß ich Ihren Brief aus Znaym nicht beantwortet habe, darüber bitte ich Sie noch jetzt um Verzeihung. Ich weiß aber, daß Sie mir sie ohne Schwierigkeit gewähren würden, wenn ich Ihnen sagen könnte, was ich gleich nach Empfang dieses Briefes gethan habe. Wenn Sie Sich erinnern, welchen Werth ich lange vor der jetzigen Epoche, und zu allen Zeiten, wo auch nur die entfernteste Berührung zwischen uns Statt fand, auf Ihre Freundschaft, auf Ihre gute Meynung, auf Ihr herrliches, mir so oft vorleuchtendes Genie, und auf Ihren edeln Charakter legte, so konnte es Ihnen wohl nicht einfallen, daß Sie je aufhören sollten, ein Gegenstand des höchsten Interesses für mich zu seyn. Ich verdanke Ihnen weit mehr als Sie Selbst // wissen und ahnden.Der besagte Artikel für die Zeitung befindet sich in einem besondern Couvert, weil ich ihn doch nicht durch Graf Metternichs Hände gehen laßen wollte, ohne daß er ihn gelesen hätte. Schreiben Sie mir nur bald; mit Ungeduld erwarte ich Nachrichten von Ihnen. G H: Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. R 60, Gentz, Briefe 1809-1832. 3 Bl., F: 228mm x 188mm; 5 ½ eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.