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Gentz ; Stanhope, Philip Henry Earl of
An Philip Henry Earl of Stanhope, Wien, 15. März 1828, The Centre of Kentish Studies, Maidstone (England). Stanhope Papers, U 1590 Ref. C 189, 1-2 1828

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4945
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Stanhope, Philip Henry Earl of
AusstellungsortWien
Datum15. März 1828
Handschriftl. ÜberlieferungThe Centre of Kentish Studies, Maidstone (England). Stanhope Papers, U 1590 Ref. C 189, 1-2
Format/Umfang4 Bl., F: 228mm x 187mm; 8 eighd. beschr. Seiten
IncipitIhre gütigen und freundschaftlichen Schreiben
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Philip Henry Earl of Stanhope Wien, 15. März 1828 Wien den 15 März 1828. Ihre gütigen und freundschaftlichen Schreiben, Mein Edler Graf, vom 15ten und 23ten v. M. haben mir, wie gewöhnlich, großes Vergnügen gemacht und großes Interesse gewährt. Ich bedaure nur, daß Sie von den meinigen nicht leicht das Nehmliche werden rühmen können; denn, anstatt Ihnen wichtige Mittheilungen zu liefern, wozu es hier meistens an Stoff fehlt, thue ich nichts als Sie mit lästigen Bitten und Aufträgen zu plagen. Die Haupt-Angelegenheit des Augenblicks steht - für u n s wenigstens - seit ein Paar Wochen ziemlich still. In Constantinopel ist Hopfen und Malz verloren; der Internuncius - zwar nicht todt, aber geschlagen und muthlos. Von Petersburg hören wir so viel als nichts, und von Paris nur Dinge, die uns Widerwillen und Verachtung in einem fast beyspiellosen Grade einflößen. Aus // London haben wir, durch die Berichte vom 24ten v. M. ein (ziemlich unvollkommnes) résumé der Erklärungen, die das Englische Ministerium dem Russischen Botschafter gegeben hat, erhalten. Einen recht klaren und bestimmten Begriff habe ich davon <noch> nicht; und wie man sie in Petersburg aufnehmen wird, darüber müßen wir uns bis jetzt mit bloßen Vermuthungen begnügen. In der Expedition, die heute nach London abgeht, spricht sich unser Cabinet über die einzigen und möglichen Maßregeln, die dem Ausbruch eines unseligen Krieges vorbeugen könnten, mit einer Resignation aus, die wenigstens beweisen wird, daß <wir> selbst mit der Strenge unsrer Grundsätze capituliren können, wenn nicht geringres, als d a s W o h l d e r W e l t, auf dem Spiele steht. Es würde mich freuen, wenn Lord Strangford ein von mir abgefaßtes Memoire, welches zu dieser Expedition gehört, lesen könnte. // Vielleicht könnte er den Fürsten Esterhazy bewegen, es ihm im engsten Vertrauen mitzutheilen, ohne sich jedoch auf m i c h dabey zu beziehen. Er würde in jenem Aufsatz die Ideen wiederfinden, über welche mir, während seiner letzten Anwesenheit in Wien einigemahle ausführlich gesprochen haben. Es thut mir leid, daß Lord Ellenborough mich des Vorteils beraubt hat, mit ihm in indirecte Verhandlung über einen Gegenstand zu treten, den er, wie man mich versichert, besser als irgend Jemand in England, studirt haben soll, worüber ich jedoch auch etwas mehr weiß, als mancher Andre. Indessen muß ich die Gründe respectiren, die seinen frühern Entschluß geändert haben. Wenn Sie, wie ich vermuthe, Lord Stowell den Bruder des Lord Eldon, kennen, und mich gelegentlich in sein Andenken zurück rufen wollten, so würden Sie mich sehr verbinden. Er ist ein Mann für den ich jederzeit die größte Verehrung gehegt habe, der zur Zeit meines Aufenthaltes in London mir viel Freundschaft erwiesen, und // der besonders meine Arbeiten über das See-Völker-Recht, womit ich <mich> ehmals stark beschäftigte, und worin Er das größte Orakel unsrer Zeit ist, einen für mich äußerst schmeichelhaften Beyfall geschenkt hat. Mit wahrem Schmerz sehe ich zwey so große Männer, wie diese beyde Brüder sind, vom Schauplatz der Geschäfte abtreten. Lord Stowell hat, wie man sagt, selbst den Wunsch nach Ruhe geäußert. Ob dies gegründet sey, oder nicht, werden Sie mir am besten melden können. Nie aber werde ich dem Herzog von Wellington verzeihen, daß er nicht alles aufgeboten hat, um Lord Eldon in sein Ministerium zu ziehen. Ich habe die Parlaments-Debatten über die letzte Ministerial-Veränderung, vielleicht mit mehr Aufmerksamkeit als sie werth waren, gelesen. Es gehörte wirklich eine gewisse Unverschämtheit dazu, um zu behaupten, das vorige Ministerium sey bloß durch den Streit zwischen Huskisson und Herries aufgelöset worden. Daß // Leute, wie Tierney, Brougham, die Redacteurs der Times pp den Muth hatten, ein so handgreiflich falsches Factum zu verteidigen begreife ich; aber von Lord Goderich, den ich, obgleich für einen schwachen doch für einen verständigen und rechtlichen Mann hielt, hat es mich nicht wenig befremdet. Ganz England muß ja wissen, daß das, was Herries über diesen Punkt gesagt hat (wiewohl er bey weitem nicht alles sagen k o n n t e) die reinste Wahrheit war; und die Mißhandlungen, die er deshalb zu erdulden gehabt hat, würden noch empörender seyn, als sie sind, wenn sie nicht aus einer so unwürdigen Quelle geflossen wären. Ich nehme mir die Freiheit, beyliegenden Brief an Herries Ihrer gütigen Beförderung zu empfehlen. Ich erfülle damit bloß, indem ich ihm einige freundliche Worte schreibe, einen längst gehegten Vorsatz, und gewissermaßen eine mir obliegende Pflicht. Herries ist derjenige, der, indem er eine meiner Schriften übersetzte, meinen Nahmen und meine Person zuerst in England bekannt gemacht, und mir dadurch einen unvergeßlichen // Dienst geleistet hat. Da ich <ihn> nun überdies heute für eine der besten Stützen u n s r e r Sache halte, so werden Sie gewiß nicht tadeln, daß ich meine alte, und ehrenvolle Verbindung mit ihm zu erneuern gesucht habe. Ich sende Ihnen außerdem einen kleinen Französisch geschriebnen Artikel, nicht etwa um ihn drucken zu laßen - denn ich will die Journalisten der Morning Post nicht kränken -sondern, weil Sie vielleicht Mittel finden, diesen Herren, oder ihres Gleichen, einen wohlgemeynten Wink zu geben. Wie kömmt es doch, daß der Watchman, wie mir s c h e i n t, in England so wenig geachtet wird, [da] obgleich er, ohne allen Zweifel, unter die vorzüglichsten heutigen Journale gehört ? Ich delectire mich wahrhaft an seinen Artikeln, sowohl an denen, welcher die eigentliche Politik, als an denen, welche die politische Oekonomie, und besonders das Huskinsonsche System zum Gegenstande haben. // Vortreflich ist die Declaration, wovon Sie so gütig waren, mir den Entwurf mitzutheilen, und ich hoffe, sie wird das Licht der Welt erblicken. Ich bedaure, daß darin der Auswärtigen Verhältnisse keine Erwähnung geschieht, ob ich gleich vollkommen einsehe, daß, und warum dies nicht seyn konnte. Wahr ist, leider, daß, wenn es so fortgeht, das Wort eines Ihrer Freunde, "daß nur die Schauspieler geändert sind, indeß das Spiel dasselbe bleibt", sich nur zu sehr bestätigen mögte ! Doch diesen schweren Kummer flüstre ich Ihnen fürs erste nur ins Ohr. Unser Interesse ist unstreitig, den Herzog zu halten und zu heben, so lange er selbst uns nicht gänzlich verläßt. Freund Neuman hat mir mit dem Courier vom 24ten - die Sketches on Persia - und Leigh Hunt's Scandala über Byron (die mich sehr amüsiren), geschickt. Was aber den Thee-Service betrift, so hat er mich auf bessre Zeiten vertröstet, mit der Versicherung, die Kiste, welche denselben enthält, sey zu groß, als daß ein // Courier sie auf einmal transportiren könne, und es bleibe ihm nichts übrig, als sie mir nach und nach, theilweise zu übermachen. Da ich versichert bin, daß es ihm nicht an Gefälligkeit für mich mangelt, so muß ich <mich> schon in mein Schicksal ergeben. Meine Freude über das Geschenk wird immer dieselbe seyn, wenn ich auch etwas später zum Genuß gelange; und ich küsse der Lady Stanhope zum voraus für so viel unverdiente Gnade ehrerbietigst die Hand. Wäre ich ein D i c h t e r, wie Sie, Mein Herr Graf, so sollte es besser, als in matter Prosa geschehen. Hofrath Müller war durch Ihr huldreiches Andenken erfreut und gerührt. Wenn es nicht gar zu unverschämt wäre, so würde ich Sie bitten, mir die neuerlich erschienene Sammlung [mit] von Canning's Reden, m i t s e i n e n e i g n e n C o r r e c t u r e n, zu schicken. Zugleich aber spreche ich den Wunsch aus, daß Sie geruhen mögten, künftig in jedes Buch, ja auf jede Broschüre, die ich von Ihnen erhalte, Ihren Nahmen zu setzen. Da hier mein Zweytes Blatt zu Ende geht, so will ich auch nichts weiter hinzufügen als den Ausdruck der immer gleichen Verehrung, womit ich beharre,Meines Theuersten Gönners treu-ergebner Diener Gentz. H: The Centre of Kentish Studies, Maidstone (England). Stanhope Papers, U 1590 Ref. C 189, 1-2. 4 Bl., F: 228mm x 187mm; 8 eighd. beschr. Seiten. Adresse auf Kuvert (102mm x 158mm): To / The Right Honourable / The Lord of Stanhope / L o n d o n. Rückseite des Kuverts: Siegel. D: bisher ungedruckt.