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Gentz ; Leiden, Carl
An Carl Leiden, Wien, 11. Februar 1827, Wienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. [?] 1827

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4899
Issuer of letter
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Gentz
Addressee of letter
Leiden, Carl
LocationWien
Date11. Februar 1827
Handwritten recordWienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. [?]
Size/Extent of item6 Bl., 9 eighd. beschr. Seiten
IncipitDeine letzten Briefe aus London
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Carl Leiden Wien, 11. Februar 1827 Wien den 11 Februar 1827 Deine letzten Briefe aus London Mein lieber Carl, haben mich sehr gerührt. Ich sah daraus, mit wie schwerem Herzen Du Deine große Reise angetreten hattest, und wie gern Du, unter den jetzigen Umständen davon befreyt gewesen wärest. Ich begreife dieses Gefühl, und kan Dich nicht darüber tadeln. Nach allem was ich nunmehr von dem Gegenstande Deiner Wahl und Deiner Zuneigung weiß, bist Du, in Hinsicht auf die persönlichen Eigenschaften vollkommen bey mir gerechtfertigt. Das Mädchen ist in [jeder] allem Betracht wohl erzogen, artig und angenehm, und scheint // mir auch gründlich gut von Denkart und Charakter zu seyn. Ihr Aeußres wenn sie gleich nicht eine Schönheit m e i n e s Genre ist, hat mir dennoch sehr gefallen. Daß Du ihr Herz ganz gewonnen hast, ist nicht zu bezweifeln; und in so fern als eine glückliche Ehe mit dem Stande worin Du Dich befindest, sich überhaupt vereinigen läßt (welches ich allerdings für schwierig, nicht aber für unmöglich halte) wirst Du bey ihr, wenn nicht alle Kennzeichen mich täuschen, sicher Deine Rechnung und Dein Glück finden. Daß die lange Abwesenheit Dir keinen Schaden zufügen wird, davon bin ich ganz überzeugt. Mutter, und Tochter, und die ganze Familie sind Dir außerordentlich // zugethan, sind dabey durchaus brave und rechtliche Personen bey welchen an leichtsinnige Umstimmung auf keine Weise zu denken ist. Von dieser Seite wirst Du bey Deiner Rückkehr, welcher diese gute Leute mit wahrer Sehnsucht entgegen sehen, alles auf demselben Punkte finden, wo Du es verlaßen hast. Ich hege auch die gegründete Hoffnung, daß Deine Abwesenheit von viel kürzrer Dauer seyn wird, als bey der großen Entfernung des Ziels Deiner Reise zu erwarten war. Neumann selbst wird seinen dortigen Aufenthalt so sehr als nur irgend möglich abkürzen; und es wird ihm wahrscheinlich viel daran gelegen seyn, // Dich je eher je lieber, mit Aufträgen, die er keinem Andern gern anvertrauen wird, nach Europa zurück kehren zu laßen. Ich habe Dir, da Du im Augenblick Deiner Abreise mit Dingen, die Deinem Herzen so nahe lagen, zu sehr beschäftigt warst, keine Aufträge für Brasilien gegeben; und doch sind mir seitdem verschiedne Gegenstände eingefallen, die wohl von der Art wären, mir großen Genuß zu gewähren. Um solche näher zu bezeichnen, schicke ich Dir ein Paar Blätter, die einige reitzende Schilderunge der dortigen Natur-Schönheiten enthalten. Mit vielem Vergnügen werde ich Dich über verschiedne in diesen // Blättern vorkommende Beschreibungen, und besonders über die von mir angestrichnen Stellen vernehmen. Ob ich nun gleich weder Affen, noch Papageyen, noch Uragongas, noch greuliche Schlangen, noch die lieblichen Musquitos, Ameisen, oder Retzen verlange - auch kein Gold oder Edelsteine (es müßte mir denn der Kayser Don Pedro, der mich zum Groß-Offizier (dignitaire) des Ordens vom Südlichen Kreutz ernannt hat einige derselben zur Verschönerung dieses Ordens verleihen - worüber D u vielleicht, da er ein äußerst zugänglicher und populärer Monarch seyn soll, Ihm einen Vortrag machen könntest ??) so könntest <Du> mir doch, vielleicht ohne große Beschwerde, in kleinem Raum einige tropische Schätze // mitbringen, die mich nicht wenig anlachen würden. Als da sind: 1, eine Sammlung von S c h m e t t e r l i n g e n, in specie von den pagina 522 benannten. 2, Einige t r a n s p o r t a b l e [xxx], hier ganz unbekannte F r ü c h t e, wie J a m b o s, M a n g o s, Y a m s pp 3, einige Sämereyen von schönen Gewächsen, und Zwiebeln von Amaryllis und andere Lilioille, die dort in der Größten Herrlichkeit blühen sollen. Ich schicke diesen Brief an den Fürsten Esterhazy, dem ich zugleich für das Dir bewiesne Wohlwollen recht herzlich danke. Was das Schicksal dieses Briefes seyn wird, kan ich freylich nicht voraussehen, und mag ihn daher auch nicht verlängern. Ich rechne aber auf D e i n e n jugentlichen // Glücksstern (auf meinen erblassenden wenig) daß er Dich in Rio Janeiro überraschen, und Dir einen angenehmen Augenblick bereiten soll. Das Wichtigste, was sich hier zugetragen hat, ist der Tod des Fürsten Hatzfeld, ein für das Ganze, aber auch persönlich für mich höchst empfindlicher Schlag, und unersetzlicher Verlust. Der Zustand meiner Gesundheit ist zwar nicht ganz erwünscht, aber leidlich. Am 10ten Januar habe ich endlich den lange und viel besprochnen Entschluß gefaßt, mir eine Fontanelle am linken Arm setzen zu laßen. Die Wirkungen dieses Abzugs-Mittels sind indessen nur langsam; und unterdessen leide ich fortdauernd, obschon Gottlob nicht häufig, und immer nur // sehr vorüber gehend, an jener heftigen Brustbeklemmung, worüber ich bereits seit Jahr und Tag klage. Sonst habe ich durchaus keine Schmerzen, in der Regel guten Schlaf, und ziemlichen Appetit. Meine Stube verlaße ich äußerst selten. Ein Paarmal in der Woche laße ich mich zum Fürsten fahren oder t r a g e n; sonst ist an kein Ausgehen zu denken. Ueberdies sind Stadt, Vorstädte, Land und Straßen durch eine Masse von Schnee, wie sie mir in meinem Leben noch nicht vorgekommen ist, in einen Zustand versetzt, der selbst dem Rüstigsten jede Bewegung verleidet, und uns mit Schrecken erfüllt, wenn wir an die Katastrophen denken, [welche] womit der A b g a n g dieses Schnees uns bedroht. Wenn Du meiner so oft // gedenkst, als ich Deiner, Mein lieber Carl, so müßen unsre Gedanken sich vielfältig begegnen. Mir wird manchmal recht wehmüthig, wenn ich mir vorstelle, wie Du auf dem weiten Ozean, vielleicht von bösen Stürmen, vielleicht auch von traurigen Empfindungen gequält, umher schwimmst ! Dagegen erfüllt mich die Hoffnung, Dich spätstens zu Ende des Juny wieder zu sehen, und Deiner Hochzeit beyzuwohnen, so überwiegend, als ob ich kaum noch 8 Tage auf diese frohe Begebenheit zu warten hätte. - Gottes bester Segen sey über Dir, mein lieber Sohn und Freund, und geleite Dich durch Länder und Meere wohlbehalten in die alten Mauern Wiens zurück ! Gentz. H: Stadt- und Landesbibliothek, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 6 Bl., F: ; 9 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.