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Gentz ; Gentz, Elisabeth und Florentine
An Elisabeth und Florentine Gentz, Preßburg, 20. Oktober 1830, Wienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftenabteilung, Inv.-Nr. 39596 1830

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4805
Issuer of letter
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Gentz
Addressee of letter
Gentz, Elisabeth und Florentine
LocationPreßburg
Date20. Oktober 1830
Handwritten recordWienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftenabteilung, Inv.-Nr. 39596
Size/Extent of item7 ¼ eighd. beschr. Seiten
Places of printEckardt, Staatsschriften und Briefe, II, 284-286
IncipitIch bitte Dich, liebe Schwester
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Elisabeth und Florentine von Gentz Preßburg, 20. Oktober 1830 Preßburg den 20 Oktober 1830. Ich bitte Dich, liebe Schwester, das Vergnügen, welches Dein Brief vom 4ten mir gemacht hat nicht nach der Langsamkeit meiner Antwort zu taxiren. Ueberhäufte Geschäfte, besonders aber das seit 4 Wochen bestehende Hin- und Her-Fahren zwischen Wien und Preßburg haben mich von einem Tage zum andern nicht zur Besinung kommen laßen. Du hast Dich n i c h t geirrt: die kleinste der Schwestern ist Fanny, und diese hat mein Herz mit ihrem Zauber umschlungen, oder vielmehr - denn sie hat n i c h t s dazu gethan - // hat nicht die kleinste Kunst der Koketterie auf mich angewendet - i c h habe sie, durch die höchste aller Künste, die aber nur wenige verstehen, ohne ihr i r g e n d e t w a s als ein Herz, dessen Werth sie zu erkennen wußte, anbieten zu können, [xxx] erobert; ein Sieg, der in meinen Jahren gewiß unter diejenigen gehört, welche man in einem Roman kaum als wahrscheinlich dulden würde. Es freut mich über alle Maßen, daß sie Euch auf dem Theater so gefallen hat. Wie sie außer dem Theater auf Euch wirken wird, getraue ich mich nicht // vorher zu [sehen] sagen. Ihr werdet sie einfach, anspruchlos, im höchsten Grade u n kokett, zugleich aber etwas schüchtern und verlegen finden. Sie ist gewöhnlich still und verschlossen mit Menschen, die sie wenig kennt. I h r werdet ihr Vertrauen einzuflößen wissen. Auf welche Weise eine Zusammenkunft mit ihr am besten einzuleiten wäre, muß ich ganz Deinem savoir-faire überlaßen. Das beste Mittel wäre wohl, ihr den beyliegenden Brief (in welchem ich sie mit Eurem Wunsche, sie kennen zu lernen, und unter andern auch, m e i n P o r t r a i t zu sehen, bekannt gemacht habe) mit einer // mündlichen oder schriftlichen Einladung (etwa zum Thee) zu übersenden. Aus Briefen von Frau von Varnhagen, Graf Mocenigo, und andern ersehe ich, daß beyde Schwestern in Berlin außerordentliche Successe haben; und über Fanny spricht sich die geistreiche und originelle Varnhagen in Worten aus, die der höchste Grad von Enthusiasmus und Entzücken allein eingeben kan.Ich schicke Dir hier einige Dukaten zu dem beabsichteten Zweck, und wünsche, daß Du Dich an den Talenten meiner Freundin // noch öfter, jedoch nicht z u lange ergötzen mögest, weil ich Ihre Rückkehr nach Wien sehnlich wünsche. Dein vernünftiges und billiges Urteil über mein Verhältniß mit Fanny, Deine liebenswürdigen Aeußerungen über mich, und Deine herzliche Theilnahme an allem, was mich glücklich machen kan, weiß ich zu schätzen, und danke Dir dafür mit Rührung. Der Aufenthalt in Preßburg wird wohl noch 14 Tage dauern, bis die Haupt-Fragen, wegen derer der Landtag versammelt war, und wovon die Königs-Krönung // nur Eine war, abgethan seyn werden. Es ist eine häßliche Stadt. Ich habe zwar eine sehr schöne Wohnung im Hause des Fürsten Esterhazy, bin aber beynahe eine Viertelstunde von Fürst Metternich entfernt bey welchem ich doch einen großen Theil des Tages zubringe. Sonst ist das Leben in Preßburg dem in Wien vollkommen ähnlich; dieselben Gesellschaften des hohen Adels, dieselben eleganten Toiletten, dieselben prächtigen Pferde und Equipagen. Man fährt in 6 bis 7 Stunden hieher. Die Krönung war eins der schönsten Schauspiele, die ich je gesehen habe. // Adieu, meine Lieben ! Ich freue mich auf Eure nächsten Briefe, und empfehle Euch unter andern, die H ä n d e der Fanny nicht zu übersehen, und ihr zu sagen, daß ich Euch darauf aufmerksam gemacht habe. Gentz Eins muß ich noch bemerken. Du weißt vermuthlich, daß in Wien jede angesehne Frau - F r a u v o n, und jedes wohlerzogne und wohl-gekleidete Mädchen F r ä u l e i n genannt wird. Mithin heißt auch eine Person wie Fanny a l l g e m e i n Fräulein. Damen von // so hohem Stande wie Ihr, nehmlich Schwestern eines so v o r n e h m e n Mannes, wie ich, der 9 oder 10 Orden hat, sind wenigstens Comtessen. Dies alles ist höchst lächerlich, aber Landes-Sitte. H: Stadt- und Landesbibliothek, Wien. Handschriftenabteilung, Inv.-Nr. 39596. x Bl., F: ; 7 ¼ eighd. beschr. Seiten. Adresse auf Umschlag: A Madémoiselle / Madémoiselle Gentz / à / B e r l i n. D: Eckardt, Staatsschriften und Briefe, II, 284-286.