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Gentz ; Prokesch-Osten, Anton von
An Anton von Prokesch-Osten, Wien, 8. Juli 1831, HHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 45-46v 1831

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4647
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Prokesch-Osten, Anton von
LocationWien
Date8. Juli 1831
Handwritten recordHHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 45-46v
Size/Extent of item4 eighd. beschr. Seiten
IncipitIch habe seit langer Zeit
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Anton von Prokesch-Osten Wien, 8. Juli 1831 Wien den 8 July 1831. Ich habe seit langer Zeit keinen so frohen, ich darf wohl sagen, so glücklichen Augenblick gehabt, als den, welchen ich Ihrem Briefe, Mein Theurer Freund, an Fanny verdanke. Sie war gestern mit ihrer Schwester Therese, und ihres Bruders Frau aus Berlin, die sich ein Paar Monate hier aufhielt, in Weinhaus, (wo ich zwar nicht wohne, doch zuweilen ein Paar Nachmittags-Stunden zubringe) und kündigte mir den Empfang dieses Briefes mit sichtbarer Bewegung, und einer Mine an, die Ihnen sicher der beste Lohn für Ihr liebenswürdiges Andenken gedünkt haben würde. Abends, als wir in die Stadt zurück // gekehrt, und allein waren, wurde der vortrefliche Brief gelesen. Wenn Sie ihn bloß geschrieben hätten, um mir eine Freude zu machen, so wäre es immer noch eine That, die nur aus einem Herzen wie das Ihrige, entspringen konnte. Aber nein ! Sie denken wirklich von Fanny, wie Sie von ihr sprechen, und die schönen, süßen Worte, die unter Ihrer Feder hervorquellen, sind nichts weniger als leere Schmeicheley. Daß der sympathetische Zug, der Sie an mich geknüpft hat, auch dieses geliebte Wesen mit umschlingt, das, mein Freund, ist die Krone unsers Bundes, und zugleich die Bürgschaft seiner unverwelklichen Dauer. Fannys Reitze und Talente leuchten auch Andern wohl ein, obgleich Keiner sie ein//nehmender und geistreicher zu schildern vermag als Sie; aber das zu erkennen, und aufzufassen, was in dieser schönen Gestalt athmet, was ihr ihren höhern Werth verleiht, was mich so einzig und unauflöslich an sie kettet, das war einem Seelen-Auge wie das Ihrige, und einem [xxx] mir so nahe verwandten Beobachter allein vorbehalten. Jede Zeile Ihres Briefes drang in mein Innerstes ein; und der Schluß rührte mich so tief, daß mir die Worte fehlten, mich darüber auszusprechen, und daß nur der Blick, womit s i e meine Gefühle begleitete, werth gewesen wäre, Ihnen unsern Dank auszudrücken. Ich weiß nicht, ob Fanny den Muth haben wird, Ihnen selbst zu schreiben. An dem Wunsche es zu thun, mangelt es ihr nicht. // Sie weiß Ihre Freundschaft und Ihre gute Meynung zu schätzen. Unterdessen ist es mir nicht möglich, Sie heute von irgend einem andern Gegenstande zu unterhalten. Der Contrast zwischen der Stimmung, in welcher ich hier zu Ihnen rede, und der, welche die abscheulichen und eckelhaften Welt-Geschäfte in mir erwecken und nähren, [ist] ist allzu groß; und überdies hat sich nichts zugetragen, was mich gerade dringend aufforderte, meinen Widerwillen zu überwinden. Wir stehen, nach wie vor, am Rande eines Abgrundes, der alles zu verschlingen droht; doch selbst auf den Trümmern der Welt, werden solche wie wir, nicht aufhören, einander zu verstehen und zu lieben. Gott sey mit Ihnen ! Gentz. H: HHStA, Wien. Nachlaß Prokesch-Osten, Karton 27, , Bl. 45-46v. x Bl., F: ; 4 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.