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Gentz ; Dietrichstein, Franz Joseph Fürst von
An Franz Joseph Fürst von Dietrichstein, Wien, 23. Juni 1818A, Mährisches Landesarchiv, Brünn. FA Dietrichstein, G 140, Karton 580, Inv.-Nr. 2446/52, Bl. 162-163v 1818

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4441
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Dietrichstein, Franz Joseph Fürst von
AusstellungsortWien
Datum23. Juni 1818
Handschriftl. ÜberlieferungMährisches Landesarchiv, Brünn. FA Dietrichstein, G 140, Karton 580, Inv.-Nr. 2446/52, Bl. 162-163v
Format/Umfang4 eighd. beschr. Seiten
IncipitAlle Ihre Berechnungen, Mein Theuerster Fürst
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Franz Joseph Fürst von Dietrichstein Wien, 23. Juni 1818 Alle Ihre Berechnungen, Mein Theuerster Fürst, beruhen auf z w e y Voraussetzungen: 1, auf der, daß wir, ohne die letzte Anleihe, uns nie entschlossen haben würden, den Inhabern der Frankfurter und Holländer Obligationen, mehr als 2 ½ Per Cent in Wiener Währung Zinsen zu bezahlen. 2, auf der, daß wir nicht dafür sorgen würden, durch einen hinreichenden Tilgungsfonds den aus der jetzigen Operation erwachsenden Zuwachs an Capital, ungefähr eben so schnell wieder aufzuheben, als er sich erzeugt. Beyde Voraussetzungen sind falsch. Die Maßregel, welche diese 54 Millionen angeht, trägt i h r e v o l l e R e c h t f e r t i g u n g i n s i c h s e l b s t, und muß unabhängig von der Anleihe beurteilt werden, mit welcher sie auch nur z u f ä l l i g zusammenhängt; daher denn alles, was Sie // von den h ö h e r n K o s t e n dieser Anleihe sagen, ganz und gar unzuläßig ist. Von dem Tilgungs-System haben Sie für gut gehalten völlig zu abstrahiren. Da das aber von der Sache selbst u n z e r t r e n n l i c h ist, so kan Ihre Rechnung nicht bestehen, Sie mögen auch den Tilgungs-Fonds so gering annehmen, wie Sie wollen. Da es mir [aber] erlaubt ist, ihn (in vernünftigen Gränzen) so h o c h anzunehmen, als ich will, so beweise ich Ihnen mit Contre-Zahlen, daß alle I h r e Zahlen = 0 sind. Die Frage muß anders gestellt werden als Sie sie gestellt [werden] haben. Sie lautet eigentlich so: Ist es [xxx] unter gewissen gegebnen Umständen, besser, von einer vorhandnen Capital-Schuld, wenn wichtige Bewegungs-Gründe eine Erhöhung der Zinsen derselben veranlaßen, [diese] die erhöhten Zinsen // direct zu bezahlen; - oder aber: zur Ersparung der directen höhern Zinsen, die Capital-Schuld, unter der ausdrücklichen Bedingung eines hinreichenden Tilgungsfonds vorübergehend zu verrechnen ? Hierauf antworte ich: Wenn die Summe, von der es sich handelt, nicht übermäßig groß, und die Capital-Schuld des Staates überhaupt im Verhältniß seiner Einkünfte nicht beträchtlich ist, u n b e d e n k l i c h d a s l e t z t r e. Ein Tilgungsfonds von 500,000 Gulden jährlich ist schon so stark, daß er Ihre ganze letzte Colonne zerstrümmert. Und was kan uns hindern diese [xxx] Verrechnung des schon bestehenden Tilgungsfonds zu verfügen ?Freylich, wenn es erwiesen wäre, daß wir bis zum Jahr 1838 immer nur jedes Jahr 1,147,500 Wiener Währung oder 459000 Conventions-Münze gezahlt haben würden, so hätte Ihre Rechnung einen Schein von Wahrheit, und auch dann nur einen Schein. Sobald aber die Erhöhung der Zinsen aus Gründen, die von der Anleihe unabhängig // waren, beschlossen werden mußte, stürzt Ihr Gebäude ohne Rettung zusammen. Sie haben es <überdies> o h n e den Tilgungsfonds gebaut; nur m i t dem Tilgungsfonds kan es bestehen; ein zweyter Grund seines unvermeidlichen Sturzes ! Nein ! von dieser Seite werden Sie der Anleihe nichts anhaben. Und alles, was ich darüber ö f f e n t l i c h gesagt, bleibt unerschüttert. Die Rechnung in meinem Schreiben vom ...... welche Ihre Kritik erzeugt hat, gebe ich Ihnen gern Preis; diese beruhte auf dem Irrthum, daß die directen Ersparnisse der ersten Jahre hinreichend seyn würden, den Tilgungsfonds selbst zu erzeugen; hierin habe ich geirrt; diese Ersparnisse geben nur etwa 50,000 jährlicher Einkünfte; und allerdings muß der Tilgungsfonds gleich von Anfang an viel stärker werden. Dienstag d: 23 Juny. Gentz H: Mährisches Landesarchiv, Brünn. FA Dietrichstein, G 140, Karton 580, Inv.-Nr. 2446/52, Bl. 162-163v. x Bl., F: ; 4 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.