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Gentz ; Bubna von Littiz, Ferdinand Graf
An Ferdinand Graf Bubna von Littiz, Wien, 1. Oktober 1821, HHStA, Wien. Staatskanzlei, Interiora, Karton 83, Faszikel "Gentziana 1803-1837", Bl. 15-16v 1821

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4423
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Bubna von Littiz, Ferdinand Graf
AusstellungsortWien
Datum1. Oktober 1821
Handschriftl. ÜberlieferungHHStA, Wien. Staatskanzlei, Interiora, Karton 83, Faszikel "Gentziana 1803-1837", Bl. 15-16v
Format/Umfang3 ½ eighd. beschr. Seiten
DruckorteSweet, Paul: Four Letters from Gentz, in: The Journal of Modern History VIII (1935), Nr. III, 453 (tlw.)
IncipitHerr von Sardegna hat mir
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Ferdinand Graf Bubna von Littiz Wien, 1. Oktober 1821 Wien den 1ten Oktober 1821. Herr von Sardegna hat mir zu meiner großen Freude Ihr liebreiches Schreiben überbracht, Mein Vortreflicher Freund, wofür ich Ihnen von Herzen danke. Da ich daraus ersehe, daß Sie Sich meiner kleinen Angelegenheit so ernstlich als ich es kaum zu hoffen oder zu verlangen berechtigt war, annehmen, so muß ich Ihnen jetzt, damit der Zweck nicht verfehlt werde, einige Notizen mittheilen, die Ihren fernern gütigen und freundschaftlichen Schritten einigermaßen zur Richtung dienen mögen. Geschenke von Tabatièren oder andern Pretiosis sind, wie längst bekannt, nichts als reine Duperie. Ich weiß davon etwas zu sagen. Man fährt immer ohne allen Vergleich besser, wenn man sich baar Geld dafür erbittet. Ruffo hat (dies bleibt ganz unter uns) seinem Könige den Vorschlag gethan, mir für meine vielfältigen Bemühungen und Arbeiten 3000 Ducaten zu bewilligen. Erschrecken // Sie über diese Summe nicht; ungeachtet der starken Argumente, die Ruffo geltend gemacht hat, werde ich sie sicher nicht erhalten, und verkaufe die Anwartschaft um die Hälfte. Vielleicht wäre es aber nicht ganz unbillig, wenn der Sardinische Hof sich wenigstens auf 6 bis 800 Dukaten herbeylaßen wollte. Wenn Sie dies für ausführbar halten, so werden Sie mich äußerst verbinden, die Sache auf baar Anweisung hinzuleiten, und alle Preciosa möglichst zu beseitigen. Ich schäme mich, daß ich Sie mit solchen Anträgen belästigen soll. Ihre liebenswürdige Bereitwilligkeit aber hat mir neuen Muth dazu gegeben; und ich weiß aus Erfahrung, daß was Sie einmal angefangen haben, nicht leicht unvollendet bleibt. Mit Betrübniß vernehme ich, daß die Gicht Ihnen die Hand gelähmt hat. Dies ist nun zwar mein Fall eben nicht; aber [eben] das nehmliche unselige Uebel quält auch mich seit mehrern Jahren nicht wenig. // Eine lange Zeit hindurch hatte es in Schultern und Armen seinen Sitz aufgeschlagen. Ich kam von Laybach sehr leidend zurück. Nachdem alkalische Bäder, und mancherley Arzneyen, Einreibungen pp keine Wirkung gethan hatten, bewog mich Dr. Türkheim - à mon corps défendant - nach Baden zu gehen, einen Ort, den ich stets gehaßt, und zu dessen Schwefel-Bädern ich nie das geringste Vertrauen gehabt habe. Sechs Wochen brachte ich dort zu; jetzt ist mir die Gicht, ohne die obern Theile ganz zu verlaßen, in Knie und Beine gefahren. Ich kan kaum gehen, bin im höchsten Grade mißmuthig, und fürchte mich sehr vor dem kommenden Winter. Glücklicher Weise ist zwar weder mein Kopf, noch mein Innres angegriffen; dennoch wird mir das Arbeiten ungleich saurer als sonst, und es ist immer ein hartes Mißgeschick, in einem Zeitpunkt wie der jetzige nicht unbedingt auf die noch übrigen Kräfte rechnen zu können. Wer würde sich mehr freuen als ich, wenn Sie auf ein Paar Wochen wenigstens // nach Wien reisen könnten ? Und sollte denn dies absolut unmöglich seyn ? - Nahe, oder fern, bitte ich Sie unterdessen fest zu glauben, daß Niemand mit lebhafterm Gefühl Ihres Werthes und Ihrer Verdienste, mit größrer Anhänglichkeit, Liebe, und Treue sich nennen kan, als ich, Ihren unverändert ergebnen Freund und Diener Gentz H: HHStA, Wien. Staatskanzlei, Interiora, Karton 83, Fasz. "Gentziana 1803-1837", Bl. 15-16v. x Bl., F: ; 3 ½ eighd. beschr. Seiten. Abschrift von unbekannter Hand, ebenda, Bl. 12-13. D: Sweet, Paul: Four Letters from Gentz, in: The Journal of Modern History VIII (1935), Nr. III, 453 (tlw.).