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Ottenfels-Gschwind, Franz von ; Gentz
Von Franz von Ottenfels-Gschwind, Konstantinopel, 25. Februar 1823, HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 30a, Konvolut 1823.g., Bl. 11-13v 1823

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4377
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Ottenfels-Gschwind, Franz von
Addressee of letter
Gentz
LocationKonstantinopel
Date25. Februar 1823
Handwritten recordHDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 30a, Konvolut 1823.g., Bl. 11-13v
Size/Extent of item5 ½ eighd. beschr. Seiten
IncipitIhr theures Schreiben vom 17ten Jaener
Type of letterBriefe an Gentz
Digital item: TextVon Franz von Ottenfels-Gschwind Konstantinopel, 25. Februar 1823 Constantinopel den 25 Febr. 1823. Hochverehrter Freund ! Ihr theures Schreiben vom 17ten Jaener war wieder ein wahrer Genuß für mich. Sie haben keine Vorstellung von den mancherley Gefühlen welche die Ankunft eines Schreibens wie das Ihrige an diesem äussersten Endpunkte Europas bey dem Empfänger erweckt. Uiberraschung, Neugierde, Freude, Dankbarkeit wechselten schnell miteinander ab; das letztere Gefühl war dasjenige welches bey mir das lebhafteste und dauerndste war, und dieses Ihnen auszudrücken ergreife ich heute die Feder. Sie melden mir in jenem Briefe Ihre glückliche Ankunft nach Wien; davon kann ich nach 3 Monaten nicht mehr sprechen, so sehr mich auch diese Nachricht freute. Ich gehe sogleich zu unseren Türken über, da Sie mich versichern daß der Orient für Sie immer noch große Wichtigkeit behält; über diesen Punkt kann ich wenigstens etwas erwiedern und vergelten, während ich alle jene Winke und Nachrichten die Sie mir über den Okzident mittheilen nur dankbar erkennen und als eine besondere Gunst schützen werde. // Da Sie aus Anlaß meines Berichts vom 10ten December über die Stellung des Sultans gegen die Janitscharen, wie von dem gütigen Beyfall sprechen, den unser theurer Fürst meinem bisherigen Benehmen schenkte, so sehe ich mich dadurch aufgefordert auf diesen Bericht zurückzukommen. Sie können um so mehr auf die Richtigkeit der darin enthaltenen Daten bauen, als ich diesen Bericht im Aufsatze einigen vertrauten Freunden unter den Ulemas und namentlich dem Historiographen des Reichs mitgetheilt und von diesen die Versicherung erhalten hatte, daß meine Darstellung der Wahrheit getreu sey und sie selbst es nicht richtiger zu schildern im Stande gewesen wären. Was ich von Halet Efendi sagte, und von der durch seinen Sturz bewirkten Aenderung des Systems der Pforte ahnte, ist seither vollkommen bestättigt worden. Sie selbst lieber Freund, haben die Sache gleich richtig aufgefaßt, indem Sie erkannten daß nunmehr wo Halet nicht mehr existirt, die Janitscharen das Steckenpferd der Revolutionnairs- und Griechen-Freunde seyn würden. Sie haben vollkommen recht gethan diese Meynung in dem Beobachter nieder zu schlagen, und Thatsachen haben seither die von Ihnen aufgestellte Ansicht // bestättiget. Lassen Sie sich durch das Geschrey der Parthey nicht irre machen, wenn Gefahr vorhanden seyn sollte, werden Lord Strangford und ich schon Allarm blasen. Das ist aber nicht der Fall: Der Sultan hat immer noch Kraft genug in Händen um der Milizen Meister zu werden, er hat seine Parthey durch viele aus dem Exil zurück berufene Ulemas verstärkt und diese - geben Sie wohl Acht - sind nicht einmal böse darüber daß eine Art von Gewicht oder Hemmrad existirt welches dem Sultan nicht erlaubt ganz willkührlich zu handeln. In dieser Epoche waren die Ulemas durchaus für gemäßigte Grundsätze, durch sie ward manches Böse verhindert, allein sie würden weniger konsultirt worden seyn, wenn nicht die Milizen durch ihren tollen Ungestüm die Regierung genöthigt hätten den Legisten mehr Einfluß zu gewähren. Dermalen stehen die Sachen gut; sollen die Truppen gegen Morea ausmarschiren, so wird es wohl Exzesse geben aber Exzesse sind noch keine Staatsumwälzung. Wir schreiten zwar nicht schnell aber sicher vorwärts und ich zweifle nicht am guten Erfolg. Wißen Sie mir kein Französisches Werk zu nennen das die griechische Insurrekzion in unserem, das ist in unpartheyischem Sinne schildert ? Sie werden fragen wozu ? // Hier die Antwort. Der Reichshistoriograf soll diesen wichtigen Zeitpunkt schildern und findet sich in Verlegenheit. Er liest französisch und findet daß Zeitungen sowohl, als alle Pamphlets welche bisher über die griechische Insurrekzion erschienen sind, bloße Romane sind, die den vor unseren Augen sich zugetragenen Fakten Hohn sprechen. Sie würden mich und Schanizadé verbinden wenn Sie mir ein solches Werk - im Falle es schon existirt, einsenden könnten - denn der türkische Geschichtsschreiber will nicht bloß seine Landsleute sondern auch Fremde über diese so merkwürdige Epoche vernehmen, in der die Türken oft so grausam verunglimpft worden, im endlichen Resultat aber - denn die Wahrheit dringt zwar spät, aber sicher durch - in der öffentlichen Meynung gewinnen dürften. Ueberhaupt kostete es Ihnen nur ein Wort lieber Freund, und Sie könnten mir in diesem Exil in Ponto manchen herrlichen Genuß und Belehrung verschaffen. Wenn Ihnen eine neue Erscheinung im Fache der Geschichte und Politik mit Ausnahme von bloßen Bro oder Produkten des Partheygeists - interessant genug dünkt um deren Lesung einem Freunde anrathen zu können, // so bitte ich Sie ein solches Werk nur auf einem Zettel zu bemerken und dem Hofrath Brenner zu übergeben, der schon Sorge tragen wird es von Paris, wo ich einen Commissionair habe, oder in Wien selbst aufzutreiben und einzusenden. Während Sie mir so geistige Nahrung verschaffen, will ich Sie mit körperlicher versorgen. Sobald ich wieder ächten Mocca auftreibe, was ich nächstens hoffe, erhalten Sie Ihren Antheil. Ich erinnere mich von Laybach her, daß Ihnen die Zioeben ohne Kern so gut schmeckten; da diese in Smyrna zu Hause sind und mir eine Portion davon zugekommen ist, so erhalten Sie durch das erste nach Triest abgehende k. k. Schiff eine Schachtel dieser Frucht. Mit letzter Post habe ich Ihnen Zweige vom Gazi Strauche übermacht, wovon ich früher Saamen gesendet hatte. Herr von Fleischhackl wird für die Fortschaffung derselben bis Wien Sorge getragen haben. Sie mein Freund bitte ich einen Theil davon, es waren über 30, an den Fürsten abzutretten. Heute sende ich Ihnen Saamen von der Caracottl-Blume, einer Art Windling welche eine schöne wohlriechende schneckenförmige Blume trägt, womit die Damen im Orient ihr Haar durchziehen. Sind nur einmal die Communicationen // mit dem Archipel wieder hergestellt, und vollkommener Friede, so sollen Sie öfters von mir einen kleinen Beytrag für Ihr Tusculum erhalten. Lord Strangford geht auch damit um Ihnen Tobak zu senden; kurz wenn der Orient öfters Ihre Gedanken beschäftigt, so glauben Sie dagegen daß man im Oriente auch an Sie, an Ihre herrlichen Arbeiten und an den regen Eifer und innigen Antheil denkt, welchen Sie Ihren Freunden schenken unter denen ich mich schmeichle durch aufrichtige Ergebenheit einer der ersten Plätze zu verdienen Ihr Ottenfels Eighd. Vermerk auf der ersten Seite links oben: Beantwortet am 19 März. H: ZDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karon 30a, Konvolut 1823.g., Bl. 11-13v. x Bl., F: ; 5 ½ eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.