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Gentz ; Garve, Christian
An Christian Garve, Berlin, 24. April 1790, Durch Kriegseinwirkungen zerstört 1790

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4301
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Garve, Christian
LocationBerlin
Date24. April 1790
Handwritten recordDurch Kriegseinwirkungen zerstört
Places of printSchönborn, Briefe, Nr. IV, 31-36; Wittichen/Salzer, Briefe, I, Nr. 38, 161-164
IncipitIhre ängstliche und verdrießliche Lage
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Christian Garve Berlin, 24. April 1790 Berlin, den 24. April 1790. Ihre ängstliche und verdrießliche Lage, lieber Herr Professor, bei den Hindernissen, die gegen Ihren schönen Plan aufsteigen, kann ich mir vollkommen denken. Ich fühle, daß es Ihnen schwer werden muß, einen Entschluß zu fassen, wo sich auf beiden Seiten viel sagen läßt, und wo einige unentbehrliche Data sogar außer der Sphäre einer sichern Beurteilung liegen. Sie haben mich indessen aufgefordert mein Votum abzugeben, und ich werde es tun. Es ist, erstlich, soviel Zurüstungen zum Kriege auch bereits gemacht sein mögen, soviel wichtige Schritte man auch getan haben mag, immer noch ungewiß, ob der Krieg ausbrechen werde oder nicht. Es ist ferner ganz gewiß, daß die beiden wesentlichsten Männer, die Sie hier über Ihren Schaden zu konsultieren haben: Theden und der G e n e r a l c h i r u r g u s G e r i c k e (denn Mursinna werde ich Ihnen aus verschiednen wichtigen Gründen ganz abraten) nicht vor der Mitte, und vielleicht nicht vor dem Ende des Monat Mai Berlin verlassen. Es ist höchst ungewiß, ob diese beide Männer (die NB. wie zwei große Waldhornisten nur z u s a m m e n mit wahrem Nutzen gebraucht werden) in Breslau zu stehen kommen werden, und gewiß nicht zu vermuten, daß sie die Muße und die Ruhe, die Sie selbst bei ihnen ver//langen, und mit großem Recht verlangen, im Getümmel und unter der endlosen Beschäftigung eines Feldzuges, werden beibehalten können. Da es indessen nie sicher ist, ob im Fall eines Krieges für Ihren Endzweck hier in Berlin von der Geschicklichkeit dieser Männer viel Nutzen zu ziehen sein werde, so würde ich Ihnen, wenn ich wüßte, daß die Kur des Schadens der e i n z i g e Bewegungsgrund zu Ihrer vorgehabten Reise war, und wenn ich dabei, nach den strengen Regeln einer bejahrten und behutsamen Klugheit, die keinen Schritt umsonst, d. i. ohne ein ausdrückliches, bestimmtes und ostensibles Ziel dabei zu erreichen, tut, anraten, daß Sie abwarten, ob Friede bliebe oder nicht, und erst alsdann Ihre nähern Maßregeln ergriffen. Sie haben mir aber selbst bekannt, daß die allgemeine Herstellung Ihrer durch Einsitzen und Mangel an Bewegung durchgehends geschwächten Gesundheit ein Hauptmotiv bei dieser Reise wäre; und hätten Sie es nicht gesagt, so würde ich selbst Ihnen dies Motiv unterlegen, und Ihre ganze Aufmerksamkeit darauf zu heften suchen, die es gar wohl verdient. Sie haben mich ferner wiederholentlich versichert, daß Sie sich von der Ortsveränderung, von der Zerstreuung, von der Gesellschaft, von den Gelegenheiten zur Aufheiterung, die Sie gewiß in der Ausführung Ihres Reiseprojekts finden würden, die ersprießlichsten Vorteile versprächen; ja, Sie haben mir sogar eingestanden, daß die Kur mehr Vorwand, als Hauptzweck Ihrer Reise wäre, und mir in Ihrem letzten Briefe nicht undeutlich zu erkennen gegeben, daß die Furcht in den Augen der Welt, eine Art von Schildbürgerstreich, wie Sie es zu nennen belieben, zu begehen, Sie am meisten abhalte, bei gegenwärtigen Umständen, Breslau zu verlassen. In Rücksicht auf diese Äußerungen ändert sich daher meine Meinung gewaltig ab. Die Gesundheit Ihres ganzen Körpers ist doch wenigstens ebenso viel, und was sage ich, wie viel mehr wert, als die etwas frühere oder etwas spätre Befreiung von einem Übel, das, wie ich aus Ihren Nachrichten sehe, nicht merklich zunimmt, und das Sie auf der andern Seite doch nicht glauben, je los werden zu können. Unsre hiesigen Chirurgi würden Ihnen höchst wahrscheinlich zu einer Operation raten, gegen die ich verschiedne sehr triftige Gründe von Ihnen gehört und gelesen habe, und zu der Sie sich vielleicht nicht entschließen, vielleicht mir vielem Grunde nicht entschließen werden. Alles also was die Kur // dieses Übels angeht, ist ungewiß, und vielleicht werden Sie in Breslau, wenn auch wirklich die magistri artis dahin kommen, so wenig Entscheidendes darüber erfahren, als hier der Fall sein würde. Was dagegen gewiß und ausgemacht ist, das sind die günstigen Einflüsse einer solchen Reise auf Ihr ganzes Gesundheitssystem; und dagegen die Abnahme Ihrer Kräfte und die Verschlimmerung Ihres ganzen Zustandes, wenn Sie, vollends im Kriege, in der Festung Breslau eingesperrt sitzen blieben. Um daher Ihren wahren Vorteil, und zugleich die Sicherheit vor dem Vorwurf eines zweckwidrigen oder unweisen Schritts von seiten der andern Menschen, zu vereinigen, wäre mein Rat: daß Sie sich - aber nicht in der Mitte des Mai - sondern auf der Stelle auf den Weg nach Berlin machten. Alsdann könnten Sie die hiesigen Wundärzte noch eine geraume Zeit konsultieren (falls noch überall der Krieg zustande kömmt) und hätten für Ihre Breslauer, wenn sie von der Nutzbarkeit Ihrer Reise nicht so überzeugt wären, als ich, immer doch den Grund bereit, daß man (wie es auch wirklich ist) die Bestimmung der Berlinschen Chirurgen im Felde, und den Ort ihres Aufenthalts nicht wüßte, und daß Sie daher das Sicherste spielen, und in aller Geschwindigkeit hierher reisen wollten, wo Sie sie gewiß, und noch obendrein alle zusammen antreffen müßten. Dies ist mein Rat, und alle, die ich darüber hier konsultiert habe, finden diesen Vorschlag vollkommen der Sache angemessen. Das Wetter wird gut und warm. Der Weg ist schön. Sie sind Herr Ihrer Zeitverteilung. Wenn nicht wichtige Gründe, die mir unbekannt sind, Sie zurückhalten, so dächte ich, Sie meldeten mir mit rückgehender Post, daß Sie in acht Tagen in Berlin eintreffen würden. Nachdem ich von Ihrem Interesse gesprochen habe, wäre es unbescheiden noch viel von meinen Wünschen zu reden. Nur das versichre ich Sie aufs heiligste, daß ich mich von meiner Sehnsucht, Sie zu sehen, nicht habe verleiten lassen, meiner Vernunft zugunsten meines Herzen Stillschweigen aufzulegen; und empfehle mich in Ihre Gewogenheit. Gentz. Ich hoffe Ihre Verzeihung zu erhalten, wenn ich Sie mit einer Bitte belästige, die ich mir schon längst vorgesetzt hatte. Ich wünschte sehr, ein vollständiges Verzeichnis aller Ihrer Schriften zu haben, bloß // um meine eigne kleine Büchersammlung zu komplettieren, wenn es möglich ist. Ich besitze nämlich jetzt folgende: Sammlung einiger Abhandlungen aus der Bibliothek der schönen Wissenschaft, Cicero von den Pflichten etc. Fergusons Moral etc. Macfarlan über die Armut, Über Verbindung der Moral und Politik, Über Zollikofers Charakter, Über die Lage Schlesiens. Daß es außer diesen keine g r o ß e Schrift von Ihnen gibt, die gedruckt wäre, glaube ich wohl sicher annehmen zu können. Aber ob es nicht kleinre gedruckte, und abgesondert gedruckte Aufsätze von Ihnen gäbe, möchte ich wohl mit Sicherheit wissen. Sollten Sie, ohne darum Ihr Gedächtnis sehr anzustrengen auf einen oder den andern solchen Aufsatz fallen, so werde ich es als eine ganz besondre Probe Ihrer Geneigtheit gegen mich ansehen, wenn Sie mich davon benachrichtigten. H: Durch Kriegseinwirkungen zerstört.D: Schönborn, Briefe, Nr. IV, 31-36. Wittichen/Salzer, Briefe, I, Nr. 38, 161-164.