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Gentz ; Dietrichstein, Franz Joseph Fürst von
An Franz Joseph Fürst von Dietrichstein, Königswart, 25. August 1818, Mährisches Landesarchiv, Brünn. FA Dietrichstein, G 140, Karton 580, Inv.-Nr. 2446/52, Bl. 182-184v 1818

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4269
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Dietrichstein, Franz Joseph Fürst von
AusstellungsortKönigswart
Datum25. August 1818
Handschriftl. ÜberlieferungMährisches Landesarchiv, Brünn. FA Dietrichstein, G 140, Karton 580, Inv.-Nr. 2446/52, Bl. 182-184v
Format/Umfang6 eighd. beschr. Seiten
IncipitGestern erhielt ich in Frantzensbrunn
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Franz Joseph Fürst von Dietrichstein Königswart, 25. August 1818 Königswart den 25ten August. Gestern erhielt ich in Frantzensbrunn Ihre Sendung vom 19ten und 20ten. Diesen Morgen da ich mit Metternich in seinem Wagen hieher fuhr, ist alles zum Vortrag gekommen; und ich eile, Ihnen sogleich das Resultat mitzutheilen. Die in dem Manuscript angebrachten Correcturen sind theils Metternichs Werk, theils das Meinige. Sie hatten mich, Mein Fürst, bestimmt dazu autorisirt, und ich hoffe, von Ihrer Vollmacht keinen der Sache nachtheiligen Gebrauch gemacht zu haben. Die Schlußstelle schien mir besonders zu mager; von einem Manne wie Thugut, bloß einige ganz gemeine Züge, als D i e n s t e i f e r und E h r l i c h k e i t zu rühmen, heißt die Bescheidenheit zu weit treiben; wenigstens müßten seine andern großen Eigenschaften, die, welche er als M i n i s t e r besaß, vorher angedeutet, und der Geschichte zugeschoben werden. Ueber das Wort S t a a t s g e l d e r haben wir uns lange den Kopf zerbrochen. Was hat der Minister der Auswärtigen Angelegenheiten mit Leitung der S t a a t s g e l d e r zu thun ? Meynten // Sie bloß die ihm obliegende Verwaltung einzelner Fonds für die Ausgaben seines Departements ? Aber das von ihm, als Verdienst, anzuführen, lohnt der Mühe nicht. Ich glaube das Wort S t a a t s g e l d e r ist ein bloßer Schreibfehler anstatt S t a a t s g e s c h ä f t e. - Ueberhaupt haben Sie von Thuguts Uneigennützigkeit wie mich dünkt, etwas zu viel, im Vergleich des Wenigen, was Sie über die [xxx] weit wichtigern Züge seines Charakters sagen, gesprochen. Damit Sie freye Hand haben, das Manuscript umschreiben, und sonst arrangiren zu laßen, wie es Ihnen beliebt, habe ich das Imprimatur auf einen eignen Zettel gesetzt, welcher hoffentlich in allen Zeitungs-Druckereyen respectirt werden wird. Ueber den bevorstehenden Monarchen-Congreß können Sie vollkommen ruhig seyn. Man wird sich von den n o t h w e n d i g s t e n Fragen nicht um einen Schritt entfernen. In vertrauten Gesprächen wird natürlich dieser und jener wichtige Punkt aufs Tapet kommen; o f f i z i e l l und p r o t o k o l l a r i s c h aber nichts, durchaus nichts, als // was die Räumung, und die Erneuerung der Quadrupel-Allianz betrift; diese beyde Gegenstände werden uns indessen weit mehr Arbeit geben, als wir vielleicht selbst alle geglaubt haben. Länger als 6 Wochen dauert die Geschichte sicher nicht. Der Kayser Alexander will bestimmt zu Ende Dezembers wieder in Petersburg seyn; und doch will er nach Brüssel reisen, und auch Wien a u f A c h t T a g e, ohne alles Cerimoniell, besuchen. Hieraus sehen Sie wohl, in welchen beschränkten Zeitraum sich alles zusammendrängt. Die Stimmung ist [allenthalben] im Russischen Cabinet aber so friedlich, eben so entfernt von allen Neuerungs-Versuchen, eben so conservatorisch auf das jetzt Bestehende gerichtet, als bey uns. Vielfältige Gespräche mit Capo d'Istria, der der wahre Depositör aller politischen Geheimnisse des Kaysers ist, laßen mir darüber nicht den mindesten Zweifel. Das Englische Cabinet, über welches wir theils durch Esterhazy (der sehr gut unterrichtet, und als Diplomat sehr aufgeklärt und hellsehend ist) theils durch Stewart, der nun in Wien eine Art von Quarantaine halten will, damit die Opposition ihn nicht über zu lange Abwesenheit // von seinem Posten schikaniren könne, die vollständigsten Notizen haben, herrscht eine so heilige Scheu vor jeder Complication, daß die Ruhe der Welt, wenn sie auch von andern Seiten bedroht wäre, hiedurch allein gesichert seyn würde. Dupirt werden bloß die 52,000 Fremde, die nach Achen strömen, in der thörigten Erwartung, als würden dort große Dinge beschlossen werden, und unerwartete Erscheinungen ans Licht kommen. Meine Aeußerungen gegen Pilat haben Sie falsch gedeutet. Diese bezogen sich nicht auf Achen, sondern auf andre davon abgesonderte, für Metternich und mich ebenfalls sehr wichtige Verhältnisse, von denen ich hier nichts näheres berühren kan, die aber [auf] das Schicksal der Welt nur auf eine entferntere Weise angehen. Sie haben Recht gehabt, daß der Artikel in der Allgemeinen Zeitung vom 17ten nicht von mir war; sowohl dieser als der frühere vom 5ten, sind offenbar unter Stadions Vorwissen, und vielleicht directer Veranstaltung aus Wien gekommen. - Ich bedaure täglich und schmerzhaft, daß er nichts thut, und die Sache // dadurch so ins Wilde hinein wachsen läßt, daß, wenn er nun endlich mit einer Maßregel auftreten m u ß, der Rückschlag höchst empfindlich seyn wird. Uebrigens sind in dem Verhältniß des Papiergeldes noch Abgründe, die Niemand sondirt hat. Wir nehmen fortdauernd an, es existiren noch 400 und so viel Millionen. Wie, wenn dies faktisch falsch wäre ? Wenn vielleicht - und das glaube i c h - nicht 300 mehr existirten ? Wenn durch Abnutzung und mannichfaltige Vernichtung, und Eingraben in Kasten, und in die Erde ppp 100 Millionen und mehr ganz verschwunden wären ? Die Sache verdient ernsthafte Rücksicht. Das j e t z i g e Papiergeld müßte, in jedem Fall, durch ein ganz neues ersetzt werden ppp. Nun etwas von meinen weitern Projekten. Das Schloß Königswart hat meine Erwartung übertroffen; ich habe hier heute einen sehr angenehmen Tag verlebt. Morgen früh gehe ich nach Marienbad zum Fürsten Schwartzenberg; von da hieher zurück, und den Abend nach Frantzensbrunn. Uebermorgen (27ten) reiset der Fürst von hier nach Frankfurt; ich // von Frantzensbrunn noch einmal nach Carlsbad, wo ich für 2 oder 3 Tage vollauf zu thun habe. Sonntag den 30ten gehe ich von Carlsbad, ohne mich irgendwo weiter aufzuhalten, nach Frankfurt. Dort, oder zwischen dort und Johanisberg, werde ich den größten Theil des Septembers zubringen. Es werden am Rhein ungeheure Anstalten zum Empfang unsers Kaysers gemacht, die mich besonders deshalb freuen, und wirklich entzücken, weil ein andrer Kayser dadurch gewaltig in den Schatten zu stehen kömmt. Empfehlen Sie mich, Mein Theurer Fürst, der Baronin aufs verbindlichste; bleiben Sie stets mein gnädiger Gönner, und laßen Sie mich oft Ihre mir immer willkommnen Schriftzüge sehen. Gentz Haben Sie die Gnade, mir besonders, so oft irgend etwas erhebliches in Finanz- und Curs-Angelegenheiten sich zuträgt, Nachricht davon zu geben. H: Mährisches Landesarchiv, Brünn. FA Dietrichstein, G 140, Karton 580, Inv.-Nr. 2446/52, Bl. 182-184v. x Bl., F: ; 6 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.