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Gentz ; Stanhope, Philip Henry Earl of
An Philip Henry Earl of Stanhope, Wien, 24. März 1827, The Centre for Kentish Studies, Maidstone (England). Stanhope Papers, U 1590, Ref C 189, 1-2 1827

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4215
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Stanhope, Philip Henry Earl of
AusstellungsortWien
Datum24. März 1827
Handschriftl. ÜberlieferungThe Centre for Kentish Studies, Maidstone (England). Stanhope Papers, U 1590, Ref C 189, 1-2
Format/Umfang2 Bl., F: 233mm x 186mm; 4 eighd. beschr. Seiten
IncipitMit wahrer Scham würde ich
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Philip Henry Earl of Stanhope Wien, 24. März 1827 Wien den 24 März 1827. Hochgebohrner und Sehr verehrter Graf ! Mit wahrer Scham würde ich auf Ihre beyden vortreflichen Schreiben vom 25 November und 22ten Dezember v. J. blicken, wenn ich mir nicht bewußt wäre, daß ich ohne meine Schuld den Verdacht der Undankbarkeit gegen mich erregen mußte. Ihr wohlwollendes Andenken war an und für sich schmeichelhaft genug für mich; der Inhalt Ihrer Briefe vom höchsten Interesse; und die Geschenke, welche den letzten begleiteten von ganz besondrem Werthe. Sir Henry und Lady Wellesley sind Zeuge des überaus angenehmen Eindrucks gewesen, welchen [xxx] diese Ihre Sendungen auf mich gehabt haben. Daß ich Ihnen, Mein // edler Graf, nicht früher meinen Dank abstattete, kömmt auf die Rechnung der wenig erfreulichen Umstände, unter welchen ich diesen Winter verlebte. Meine athritischen Uebel, die mich in mannichfaltigen, und zum Theil neuen Gestalten verfolgten, ließen mir, ungeachtet der Eingezogenheit, welcher ich mich gewidmet hatte, doch selten so viel Geistes-Ruhe, daß ich mich neben den Dienst-Geschäften, die mir oft lästig genug wurden, mit Gegenständen die nicht unmittelbar in die Sphäre derselben eingriffen, hätte beschäftigen können; und so blieb denn auch jeder freye Gedankenwechsel mit entfernten Freunden ausgeschlossen. Nichts desto weniger habe ich mich mehr als einmal im Stillen mit Ihnen unterhalten; und Ihre Briefe gaben mir Stoff zu mancherley ernsthaften Betrachtungen. Das nehmliche Interesse, womit ich Ihre lehrreiche Schrift über die Getreyde-Gesetzgebung gelesen hatte, wurde // wieder lebendig in mir, als mir die Rede, die Sie am 2ten März im Oberhause gehalten, in die Hände fiel. Unabhängig von den großen Wahrheiten, welche diese Rede enthält, ist sie [be] insbesondre auch für einen Oesterreicher ein ehrenvolles Monument der Gerechtigkeit, welche seinem Vaterlande von einem höchst aufgeklärten Fremden, und wahrem Staatsmanne geleistet wird. Es war unser Vorteil, wie unsre Pflicht, Ihre edeln Aeußerungen in unserm Publicum möglichst zu verbreiten, und es wurden deshalb, wie Sie aus der Beylage ersehen werden, in dem Oesterreichischen Beobachter, der sey seinem beschränkten Raume ausführliche Auszüge leicht liefern kan, wenigstens einige der treffendsten Stellen Ihrer Rede abgedruckt. Der gegenwärtige Moment ist von großer, entscheidender Wichtigkeit für England und für Europa; und daß gerade in diesem Moment // und im Angesicht so vieler schwierigen Probleme, dem Brittischen Reiche auch noch eine Ministerial-Veränderung bevorstehen muß, gehört zu den merkwürdigsten Constellationen unsrer Zeit. Wenn Sie mir in einer freyen Stunde einige Ihrer Ansichten über das, was wir von dieser Constellation zu hoffen oder zu fürchten haben, vertraulich (und meiner Discretion vollkommen versichert) mittheilen wollten, so würden Sie mir einen köstlichen Genuß bereiten. Sie sind der Deutschen Sprache dergestalt mächtig daß ich es kaum mehr wage, Ihnen ein andres Communications-Mittel vorzuschlagen; wenn es Ihnen jedoch etwa schneller von der Hand ginge, mir Englisch zu schreiben, so würde ich Sie sehr bitten, Sich dieser Sprache zu bedienen. Welche Sie aber auch wählen mögen, alles, was von I h n e n kömmt, wird mir erwünscht, belehrend, und ermunternd seyn; und mit größtem Vergnügen werde ich jede Gelegenheit ergreifen, Ihnen die aufrichtige Verehrung, und herzliche Zuneigung auszudrücken, worin ich stets verharre Mein Edler Graf ! Ihr sehr ergebner treuer Diener Gentz H: The Centre for Kentish Studies, Maidstone (England). Stanhope Papers, U 1590, Ref C. 189, 1-2. 2 Bl., F: 233mm x 186mm; 4 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.