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Gentz ; Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
An Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha, Wien, 18. März 1830, Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?] 1830

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4151
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
LocationWien
Date18. März 1830
Handwritten recordUngarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?]
Size/Extent of item6 ½ eighd. beschr. Seiten
IncipitSeit einigen Wochen, Mein Theuerster Fürst
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha Wien, 18. März 1830 Wien den 18 März 1830. Seit einigen Wochen, Mein Theuerster Fürst, wird Dietrichstein's Abreise von drey zu drey Tagen als nahe bevorstehend angekündigt; er selbst erwartet, nicht ohne Angst, das Todes-Urteil, welches ihn von Wien trennen soll; eine andre Person scheint seinen Trübsinn zu theilen; und ich vermuthe, daß Schonung für beyde die Haupt-Ursach der bisherigen Zögerungen war. So eben erfahre ich, daß sich eine andre sichre Gelegenheit darbietet, Ihnen zu schreiben, Mein Fürst; ich kan solche freylich nicht benutzen, um <Ihnen> einige der Gedanken mitzutheilen, die bey Lesung Ihrer letzten Depeschen, der Parlaments-Debatten, und der Englischen Journale in mir erwacht sind; ich habe nur die Zeit, von meinen persönlichen Angelegenheiten zu sprechen, und bitte Sie zum Voraus recht herzlich um Verzeihung, wenn ich Sie abermals mit einem Briefe ermüde, den nur das höchste Wohlwollen von Ihrer Seite entschuldigen und ertragen kan. Die Besorgnisse, die ich Ihnen neulich geäußert, haben sich, wie mich dünkt, nur zu sehr bestätiget. Ich hatte das Vorgefühl, daß das, was ich // seit anderthalb Jahren nicht erreichen konnte, während der Parlaments-Sitzung noch ungleich schwieriger und unerreichbarer seyn würde. Jeder Tag bringt aus England Klagen über die allgemeine Noth, ungestümes, oft unvernünftiges Geschrey nach Ersparnissen und Reductionen, und Verheißungen der Minister, selbst den überspanntesten Wünschen der Reformatoren entgegen zu kommen. Ich begreife, daß unter solchen Umständen kein Minister sich geneigt finden kan, einem fremden, längst vergessnen treuen Diener Englands und dessen, was man e h m a l s das gemeinschaftliche Interesse Europas nannte, in seiner Noth beyzustehen, und die Verantwortung für eine Ausgabe zu übernehmen, die nach den h e u t i g e n Begriffen unter die unnötigen, wo nicht unter die verwerflichen gehört. Dies alles sage ich mir selbst; und ich versichre Sie, Mein Fürst, daß ich die ganze Sache längst aufgegeben hätte, wenn ich nur noch irgend einen Ausweg wüßte, mich aus meinen dringenden Verlegenheiten zu ziehen. Denken Sie Sich, wie einem Menschen zu Muthe seyn muß, der durch 16 Jahre, neben einem erbärmlichen Gehalt von 4000 Gulden, eine außerordentliche Ressource von 4000 Ducaten jährlicher Einnahme besaß, - denn // das war der reine Ertrag meiner von Unsrer Regierung förmlich autorisirten Correspondenz mit dem Fürsten der Wallachey) und der auf einmal - vom Monat April 1828 an, wo die Russen die Fürstenthümer besetzten - dieser Ressource, ohne alle Hoffnung, sie wieder zu finden, beraubt wird ! Nachdem ich in den beyden letzten Jahren von meinem eignen Mark gezehrt, und dabey einige Schulden contrahirt habe, sieht man endlich wohl ein, daß ich in dieser Lage unmöglich bleiben kan, ohne meine ganze bisherige Existenz aufzulösen, dem Dienst zu entsagen, und den Ueberrest meiner Tage mit einer Pension in irgend einem verborgnen Winkel der Erde zu verleben. Daß man diesen gewaltsamen Schritt gern vermeiden mögte, ist gewiß; und sowohl Fürst Metternich als Graf Kollowrat arbeiten gemeinschaftlich daran, den Kayser zu einem Entschlusse zu bestimmen, der mir wenigstens 10000 Gulden jährlicher Einnahme (immer noch nicht die Hälfte dessen was ich in den Jahren von 1812 bis 1828 genoß) sicherte. Nun wissen Sie aber, daß dies heute ebenfalls keine geringe Aufgabe, daß die Geld-Knickerey bey uns noch weit ärger als in England ist, und daß im günstigsten Falle viele Monate verfließen werden, bevor mir auch nur // einigermaßen geholfen werden kan. Dies alles sah ich voraus, und darum machte ich jenen Versuch in England, der vielleicht gelungen wäre, wenn mir mein guter Genius eingegeben hätte, mich gleich, und unmittelbar an S i e zu wenden, anstatt mich auf Lord Stanhope und Nugent zu verlaßen, die zwar den besten Willen, aber keinesweges Gewicht und Einfluß genug hatten, um mir zu dienen. Wenn dies ein Fehler war, so büße ich ihn schwer. Ihr langes Stillschweigen, Mein Fürst, und die Furcht, von Ihnen ganz vergessen <zu> seyn, ist die einzige (schwache und schlechte) Entschuldigung die ich dafür anzuführen weiß. In häufiger Ueberlegung des jetzigen Standes der Dinge, und bey täglich zunehmender Bedrängniß, bin ich auf allerley, zum Theil verzweifelte Mittel verfallen, um Ihnen die Schritte zu erleichtern, die Sie allenfalls unter den dermaligen unglücklichen Auspicien noch versuchen könnten. Das Projekt, an den Herzog von Wellington selbst zu schreiben, ließ ich bald wieder fahren, weil ich mir nicht schmeicheln konnte, auf Ihn durch die Art und Weise, wie i c h ein dergleichen Gesuch zu motiviren // vermögte, Eindruck zu machen. Mehr Muth hätte ich gehabt, an den König in Person zu schreiben, Ihm meine Lage vorzustellen, und das Andenken bessrer Zeiten, und seine alte Gnade und Huld für mich aufzurufen. Einmal kam ich sogar (erschrecken Sie nicht !) auf den Gedanken, mich an die Herzogin von Cumberland, die mich gewiß nicht ganz aus ihrem Herzen verstoßen hat, zu wenden, und durch sie auf den König zu wirken. - Alle diese unreifen Plane habe ich vor der Hand auf die Seite gelegt, und mir gesagt, daß es thörigt wäre, irgend einen außerordentlichen Weg eher einzuschlagen, als bis S i e mir erklärt haben würden, daß Sie Ihren freundschaftlichen und großmüthigen Bemühungen entsagen müßten. Ich will mich daher ausschließend Ihrer Protection anvertrauen, und abwarten, wohin sie mich führen wird. In Augenblicken der Hoffnung und des guten Glaubens, denke ich mir zuweilen, daß die Schwierigkeiten v i e l l e i c h t nicht ganz so groß sind, als sie mir scheinen, und daß I h n e n am Ende gelingen kan, was Andre als unmöglich betrachtet hätten. // Da aber halbe Confidencen nichts taugen, so will und muß ich Ihnen eröfnen, daß die Hilfe wirklich zu spät kommen würde, wenn sie mir nicht [bis] vor dem 1ten May zu Theil werden sollte. Könnte ich bis dahin auch nur d i e H ä l f t e der anfänglich erbetnen Summe erhalten, so gewänne ich die Zeit, den Erfolg der Maßregeln, die man hier ergreifen mögte, abzuwarten. In jedem Falle bitte ich Sie recht inständigst, mir nicht später als acht Tage nach Empfang des gegenwärtigen Schreibens, welches vor Ende des Monats in Ihren Händen seyn muß, sey es auch nur in wenig Worten (allenfalls durch die Post unter Adresse eines Banquiers) zu melden, was mir bevorsteht. Sollte ich auch in der Zwischenzeit ein Schreiben von Ihnen erhalten, so haben Sie die Gnade, nichts desto weniger auf Gegenwärtiges Rücksicht zu nehmen, und mich nicht ohne Antwort zu laßen. Ich werde nie vergessen, was Sie in dieser Crisis für mich thun, und, der Ausgang sey welcher er wolle, gewiß bleibt Ihnen der innige und hochverdiente Dank Ihres treuen Dieners Gentz // N.S. Durch Dietrichstein, der übrigens von meiner persönlichen Angelegenheit nichts weiß, werde ich Ihnen einige meiner Ideen - meiner schweren Sorgen - meiner bösen Ahndungen über England, Kund geben. Die Lectüre der Englischen Zeitungen greift mich mehr an, als die der Französischen; in diesen war ich längst auf das Aergste vorbereitet; jene erregen mir das Gefühl der schwülen, drückenden Luft, die heraufziehenden Donnerwettern vorangeht. H: Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, x Bl., F: ; 6 ½ eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.