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Gentz ; Gentz, Elisabeth und Florentine
An Elisabeth und Florentine Gentz, Wien, 19. Dezember 1830, Wienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftenabteilung, Inv.-Nr. 39598 1830

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id405
Issuer of letter
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Gentz
Addressee of letter
Gentz, Elisabeth und Florentine
LocationWien
Date19. Dezember 1830
Handwritten recordWienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftenabteilung, Inv.-Nr. 39598
Size/Extent of item6 eighd. beschr. Seiten
Places of printEckardt, Staatsschriften und Briefe, II, 290-292
IncipitIch werde dringend aufgefordert Meine liebe Lisette
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Elisabeth und Florentine Gentz Wien, 19. Dezember 1830 Wien den 19 December. Ich werde dringend aufgefordert Meine liebe Lisette, Dir zu schreiben. Meine Freundin, die Ihr durch Eure freundliche und zärtliche Aufnahme so sehr zu der Eurigen gemacht habt, erinnert mich jeden Tag an dies angenehme Geschäft, welches ich nur aufgeschoben habe, weil meine Zeit zwischen den Geschäften und Sorgen, die mich umringen, und einer so lange entbehrten Erholung getheilt, und, leider, ungleich genug für meine Wünsche, getheilt war. Fanny hat mir nicht allein alles bestätiget, was Deine liebenswürdigen Briefe mir ankündigten, sondern mir noch eine Menge von // Details erzählt, die meinem Herzen sehr wohl gethan haben. Ich wußte von jeher, wie sehr ich auf Eure Liebe, Meine Gute Schwestern, rechnen konnte; bey dieser Gelegenheit aber habt Ihr Euch Selbst, und meine schönsten Erwartungen übertroffen; und d i e s e n Beweis der zwischen uns herrschenden Seelen-Harmonie werde ich nie vergessen. Fanny, die, gegen meinen Willen, die Reise von Berlin bis Wien in 6 Tagen gemacht hatte, ohne jedoch davon im Geringsten affizirt zu seyn, kam in der Nacht vom 13ten zum 14ten hier an. Da man // ihr nicht zumuthen konnte, gleich wieder in Thätigkeit zu treten, so hat sie die seitdem verflossnen fünf Abende mir ganz widmen können. Ihre außerordentlichen Successe in Berlin, wiewohl sie mir großentheils schon bekannt waren, gaben Stoff zu mancherley Gesprächen; bey weitem das wichtigste und erfreulichste war aber, daß ich sie in jeder Rücksicht, und besonders in ihren Gesinungen und ihrer Anhänglichkeit für mich, durchaus so wieder fand, wie ich sie verlaßen hatte. Ein Mädchen ihres Standes, die von dreymonatlichem Beyfall und Huldigungen unberauscht, den stillen Umgang mit mir allen Herrlichkeiten und Lockungen // die ihre Eitelkeit in Anspruch nehmen konnten, vorzieht, ist gewiß eine seltne Erscheinung; und nie habe ich lebhafter gefühlt, als seit ihrer Rückkehr, welchen Schatz ich an ihr besitze. Sie allein weiß mir die traurigsten Tage meines Lebens (denn das sind in jeder Hinsicht die jetzigen) zu versüßen; jedes andre gesellschaftliche Verhältniß cultivire ich nur noch aus Pflicht oder Convenienz; nur [xxx] neben ihr genieße ich noch meine Existenz, und freue mich der jugendlichen Kraft, die, nach einer so langen, thätigen, und stürmischen Laufbahn, in meinem Gemüth zurück geblieben ist, und die nur sie wieder erwecken und beleben konnte - // Meine w a h r e n Freunde gönnen mir dieses Glück; um die Meynung der Uebrigen kümmre ich mich nicht. Was ich gethan und geleistet habe, ist aller Welt bekannt; und sollten sich, so unwahrscheinlich dies auch seyn mag, die Schicksale der Staaten noch einmal günstig für die Sache wenden, der ich durch so viele Jahre redlich gedient habe, so würde man mich immer wieder auf meinem Platz finden. Unter der heutigen betrübten, wo nicht verzweifelten Constellation, kan Niemand mir verdenken, daß ich im Schiffbruch aller andern Güter, die Genüsse des Herzens, die einzigen die mir geblieben sind, zu retten suche. // Wenn es irgend einen Gegenstand giebt, der in der bevorstehenden Neujahrs-Zeit Euch, Meine Gute Schwestern, Freude machen könnte, so bitte ich Dich, mir davon Anzeige zu thun; so weit nur meine Kräfte reichen, mögte ich gern dazu beytragen, auch Euch angenehme Momente zu verschaffen. Ich fühle mich durch ein neues Band an Euch gezogen, und weiß die neuen Proben der rührendsten Zärtlichkeit, wodurch Ihr mich so wesentlich beglückt habt, in ihrem wahren und vollen Werthe zu schätzen. Mit dieser Versicherung bleibe ich, wie immer, Euer getreuer Gentz H: Stadt- und Landesbibliothek, Wien. Handschriftenabteilung, Inv.-Nr. 39598. x Bl., F: ; 6 eighd. beschr. Seiten. Adresse auf Umschlag: A Madémoiselle / Mademoiselle Gentz / à / B e r l i n. D: Eckardt, Staatsschriften und Briefe, II, 290-292.