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Gentz ; Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
An Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha, Wien, 27. Februar 1825, Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?] 1825

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3903
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
LocationWien
Date27. Februar 1825
Handwritten recordUngarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?]
Size/Extent of item14 eighd. halbbrüchig beschr. Seiten
IncipitIhr gütiges Schreiben (ohne datum
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha Wien, 27. Februar 1825 Wien den 27 Februar 1825. Mein Verehrter Fürst ! Ihr gütiges Schreiben (ohne datum, vermuthlich aber vom 10 d.) in Gefolge einer so reichhaltigen Expedition, ist mir, als Beweis Ihres thätigen Andenkens sehr willkommen, und durch seinen Inhalt besonders interessant gewesen. Es wird mir stets unbegreiflicher, wie Canning nach einer so bestimmten Protestation gegen die Conferenzen in Petersburg, als die in der Note an Lieven vom 8ten November, [noch] seinen Cousin, nicht bloß nach Wien - denn d a s konnte noch einen // Zweck haben - sondern nach Petersburg senden konnte. Was in aller Welt sollte er dort, im Angesicht der wirklich s t a r k e n Argumente mit welchen Canning die Zweckmäßigkeit der Conferenzen bestritten hatte ? Die Russische Antwort auf die gedachte Note hat mir, ich kan es Ihnen nicht leugnen, wahre Freude gemacht. <Der Fürst Metternich wird Ihnen das Nehmliche sagen. Ihre Ansicht dieser pièce ist d a s e i n z i g e, was er an Ihrer letzten, sehr verdienstlichen Expedition zu tadeln findet.> Festigkeit, Würde, und Energie, zeigen sich in den heutigen diplomatischen Verhandlungen so selten, daß man Gott danken muß, // in einer wichtigen Sache diesen Fremdlingen zu begegnen. Leider werden Sie jetzt wohl schon wissen, daß der élan von kurzer Dauer gewesen ist, und daß man sich über die Anerkennung der Amerikanischen Staaten, in Petersburg so milde - so zahm - ausgesprochen hat, als man es nach dem Heldenwort vom 26 December: la discussion est férmée - nicht hätte erwarten sollen. Was mich in Ihren Berichten, Mein Fürst, einigermaßen befremdet, ist das Gewicht, welches Sie auf die durch die Russische // Antwort in der Griechischen Sache veranlaßte, augenblickliche Spannung legten. Mit einem Lächeln der Verwunderung (verzeihen Sie meiner Offenheit) las ich in einer Ihrer Depeschen "si l'irritation entre les deux gouvernemens peut être arrêtée a v a n t q u e l a c r i s e s e s o i t e n t i è r e m e n t d é c l a r é e" - Wie ? [xxx] Ahndete Ihnen im Ernst etwas von einer C r i s e ? Nein ! Damit hat es keine Noth. Die alte Welt geht freylich, Stück vor Stück, aber still und ruhig, zu Grunde. Mit schweren Batterien braucht man nicht auf morsche Ruinen zu // schießen. Nichts von Crisis. Der Friede zwischen den Mächten bleibt so lange unversehrt, bis in einem der größern Mittelstaaten, [die] von innen die Explosion erfolgen wird; und von diesem Punkte sind wir noch um eine Handvoll Jahre entfernt, ob wir uns gleich demselben täglich nähern, und ihn u n a u s b l e i b l i c h erreichen werden. Die brouillerie solcher Leute, wie Canning, Alexander, Nesselrode, et lupus generis alliis - hat überdies nicht viel zu bedeuten. Jeder fürchtet sich vor dem Andern. Ob es am Ende zu wünschen oder nicht zu // wünschen ist, daß England an den Petersburger Conferenzen Theil nehme ? - darüber weiß ich mir selbst nicht deutlich Rechenschaft zu geben. Die ganze Sache steht so ungeheuer schief, ist in so hohem Grade verdorben (und verloren ! - für diejenigen nehmlich die nicht nach der Unabhängigkeit der Griechen seufzen) daß jede Maßregel, je nachdem blinder Zufall wirkt, wohlthätig oder nachtheilig werden kan. Eben so wenig will ich mit Zuversicht entscheiden, ob Canning durch sein Zurückziehen von den Conferenzen auch nur in s e i n e m Interesse die gute Partie ergriffen hat. // Ich bin sehr geneigt, das Gegentheil zu glauben. Von der einen Seite hat ihn freylich nichts so sehr geschreckt als die Furcht vor einem zweyten Akt von Verona, und diese Furcht war, wie i c h glaube, aufrichtig gemeynt. Von der andern Seite aber wird, wenn ich mich nicht sehr irre, die Abhaltung so wichtiger Besprechungen ohne England, in England selbst keinen günstigen Eindruck machen. In Betreff der Amerikanischen Frage bleibt nichts mehr zu sagen. Tout est épuisé jusqu'au radotage. In der Hauptsache hätte jeder heutige Englische Minister eben so // gehandelt, als der Wauwau; das Uebel heißt E n g l a n d nicht C a n n i n g. - In der Form hätten zehn andre glücklicher und geschickter zu Werke gehen können. Er ist ein ausgezeichneter Redner, und, wo nicht ein tiefer, doch ein scharfsinniger <und Staatsgelehrter> Staatsmann, aber ein höchst mittelmäßiger Staats k ü n s t l e r, und gar ungeschickter Minister. Er hielte sich nicht 8 Tage, wenn er nicht mit einem s o l c h e n Herrn und s o l c h e n Collegen zu thun hätte ! So wie er steht wird er noch lange regieren; und die Prognostica, die unser vortreflicher Fürst ihm stellt, werden ihm nichts anhaben. // Was Sie über die Lage des Königs von Spanien sagen, verstehe ich nicht recht. Sie stellen in Frage ob Er bey seinen Grundsätzen beharren, oder den letzten Augenblick benutzen <soll>, [und] um Entschädigung für das Verlorne, Sicherheit für das Bedrohte zu erhalten ? - Aber wer in aller Welt wird ihm denn diese E n t s c h ä d i g u n g und diese S i c h e r h e i t gewähren, wenn er auch noch so schnöde seinen Grundsätzen entsagen wollte ? Gott behüte ! Der König von Spanien besitzt heute nichts mehr als seine alten Rechtstitel. Verschachern kan // er sie nicht; die Summe die er fordern müßte wäre weder Europa noch Amerika zu zahlen im Stande. Soll er sie gegen ein Paar elende Papier-Stipulationen aufgeben ? Das wäre reiner Bödsinn. Er protestirt fort und fort; früh oder spät findet Er doch wohl einmal einen Freund, der ihn mit bessrer Munition und Provision als dem zeitherigen diplomatischen Schnikschnack versieht, und ihm einige der Colonien rauben hilft. Vielleicht ergeben sie sich auch von selbst. Geschieht [dies] nichts von dem allen, so ist der König von Spanien immer // noch nicht schlechter dran als heute. Ich bitte gehorsamst, mir zu melden, ob das Exemplar der Schrift von Waddington welches Sie mir gesendet, und worin F r o m t h e a u t h o r steht, ein Geschenk für Sie, oder für mich war. In letzterm Falle würde ich mich direct bey ihm bedanken. Diese Schrift ist unbezweifelbar die verständigste und lehrreichste von a l l e n, die seit der Insurrection über Griechenland erschienen sind. Welch ein Contrast zwischen diesem besonnenen, hellsehenden und rechtlichen Griechenfreunde, und einem Tollhäusler wie Colonel Stanhope; oder einem // alten fanatischen Faquin wie Pouqueville ! - D a s hätte ich in diesem jungen Mann, den ich während seines ziemlich langen Aufenthaltes in Wien etwas spröde traktirte, nicht gesucht. Sie würden mich außerordentlich verbinden, Mein Fürst, wenn Sie ihm zu wissen thun könnten, wie sehr ich von seiner Arbeit eingenommen bin; und daß mein Lob um so unbefangner und reiner ist, als sein Gesichtspunkt von dem meinigen weit abweicht. Ich sage mit Fleiß - sein G e s i c h t s p u n k t - denn in den R e s u l t a t e n trift er, nolens volens mit mir zusammen. // Dennoch wünsche ich auch Gamba's Broschüre zu haben, ob ich mir gleich nicht viel davon verspreche. Zugleich wiederhole ich meine Bitte um Nr. 5 und etwa folgende des Westminster review - dagegen ich auf das Europen review gern Verzicht thue. <Nachstehende Pièce bin ich auch so frey und zu erbitten: Observations on the effect produced by the expenditure of Government by W. B l a k e. 1823.> Der Fürst tritt am 1ten oder 2ten seine Reise nach Paris an, und wird vermuthlich vor dem 15 April in Mayland eintreffen. Dahin denke auch ich mich zu begeben, und gleich nach den Osterfeyertagen abzureisen. Sie werden nun bald die große // Auswanderung beginnen, und England den Rücken kehren, Mein Geliebter Fürst, gewiß nicht, ohne es in mehr als einer Hinsicht zu regrettiren, denn wie sehr sich auch die Physionomie der Menschen und der Dinge dort geändert haben mag - immer werden Sie in England noch vieles zurücklaßen, wofür Frankreich keinen Ersatz leisten kan; und außer dem Sinnengenuß, werden Sie vielleicht in Paris nichts anziehendes finden. Hören Sie ja nicht auf, mir zu schreiben ! Gentz H: Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, x Bl., F: ; 14 eighd. halbbr. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.