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Gentz ; Leiden, Carl
An Carl Leiden, Weinhaus, 2./6. Oktober 1825, Wienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. [?] 1825

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3843
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Leiden, Carl
LocationWeinhaus
Date2./6. Oktober 1825
Handwritten recordWienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. [?]
Size/Extent of item2 Bl., 4 eighd. beschr. Seiten
IncipitIch habe zu meiner großen Freude
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Carl Leiden Weinhaus, 2./6. Oktober 1825 Weinhaus den 2 October. Mein lieber Carl ! Ich habe zu meiner großen Freude Deinen ersten Brief aus Petersburg vom 5ten v. M. in Salzburg am 25ten, und den zweyten bald nach meiner Ankunft in Wien durch Johny erhalten. Meine Reise nach Gastein hat unter den glücklichsten Auspizien Statt gefunden. Ich habe vom Tage meiner Abreise von Wien (1te September) bis zu meiner Rückkehr (am 29) fortdauernd das herrlichste Wetter gehabt. Den Aufenthalt, den ich schöner fand als je zuvor, die Ruhe und Freiheit, die ich genoß, die Luft die ich einathmete, endlich selbst die restaurirende Kraft der Bücher, haben auf meinen Körper im Ganzen, und besonders auch auf meine Gemüthsstimmung so günstig gewirkt, daß ich meinen heutigen Zustand mit dem, in welchem du mich verlaßen hast, kaum vergleichen kan. Das Hauptübel selbst ist freylich zu veraltet, als daß 18 Bäder darauf entscheidend influiren konnten; dies hatte ich auch nie erwartet. Aber viel ist // schon gewonnen, daß die Schmerzen sehr abgenommen haben, daß ich mich freyer, leichter, und heitrer fühle, und daß ich dem Winter ohne große Furcht entgegen sehen kan. Es war mir eben so unerwartet als angenehm, zu lesen, daß Dir der Aufenthalt in Petersburg nicht mißfällt; und Deine Briefe, besonders der erste, haben mir in dieser, wie in andern Rücksichten wahres Vergnügen gemacht. Ich sehe auch aus den Aeußerungen des Grafen Lebzeltern daß er seiner Seits mit Dir sehr zufrieden ist. Folglich wird die Zeit, die Du einmal dort noch zubringen sollst, Dir in jedem Falle erträglich vergehen. Wie lange es dauern wird, läßt sich freylich noch nicht bestimmen; ich bin aber der festen Meynung, daß Du weit früher ausgespannt werden wirst, als Du zu glauben schienest. Ich habe den Fürsten nicht in Wien gefunden. Er kömmt erst Morgen von Preßburg zurück; und da er mir geschrieben hat, er wollte // gleich nachher einen Courier nach Petersburg expediren, so habe ich gegenwärtigen Brief auf alle Fälle in Bereitschaft halten wollen. Ob ich gleich in diesem Augenblick noch nicht gehörig au courant der Geschäfte bin, so glaube ich doch, daß gerade die Absendung dieses Couriers leicht zu einer ähnlichen von Petersburg aus Veranlaßung geben könnte; und so würdest Du vielleicht noch vor dem eigentlichen Winter wieder im Marsch seyn. Unterdessen habe ich den mir überschickten Brief an Deine Mutter, nebst 100 Gulden Conventions-Münze dem hier anwesenden General Langenau übergeben, der mir versprochen hat, ihn unverzüglich zu befördern. Ich schicke Dir dagegen einen von Deiner Mutter den Apel mir zustellte. An der Einrichtung Deines neuen Quartiers wird stark gearbeitet, und ich hoffe, daß Du alles im besten Stande finden wirst. Latour hat es uns in einem Zustande übergeben, wovon man sich kaum eine Idee machen kan. Mein Vorsatz ist, ungefähr bis zum 15ten d. noch in Weinhaus zu bleiben. Es hat sich zwar seit dem Tage meiner Rückkunft eine äußerst // strenge Kälte, bey Osaven und sehr heiterm Wetter eingestellt; und ich habe den Verdruß gehabt, in einer einzigen Nacht, alle meine prächtigen Georginen, die gerade diesen Herbst, in zuvor nie erhörter Schönheit glänzten, <durch den Frost> zu verlieren; so daß der Garten, der vor 4 Tagen, noch einen entzückenden Anblick gewährte, heute wie ausgestorben ist. Ich denke indessen, diese Kälte wird wieder mildern Tagen Platz machen; und schon wegen meiner guten Nachbarn mag ich nicht zu früh in die Stadt zurückkehren Ich wüßte Dir dort keinen eigentlichen Auftrag zu geben. An Thee bin ich überreich; sollte sich Dir indessen etwas ganz außerordentliches in dieser Art darbieten, so würde ich wohl Beschlag darauf legen. Uebrigens ist R u s s i s c h e r Thee hier immer sehr gesucht, und leicht abzusetzen. Gott erhalte Dich, Mein lieber Carl, und schütze Dich vor allen Unfällen und Gefahren ! Ich werde hoffentlich noch vor Deiner Rückkunft Nachricht von Dir erhalten, und Dich nach glücklich überstandenem Feldzuge von ganzem Herzen willkommen heißen. Gentz. den 6 Oktober. Der Courier soll diesen Abend abgehen. Morgen früh kehrt der Fürst nach Preßburg zurück. Es ist möglich, und fast wahrscheinlich, daß in 6 bis 8 Tagen abermals ein Courier nach St. Petersburg expedirt wird.H: Wiener Stadt- und Landesbibliothek, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 2 Bl., F: ; 4 eighd. beschr. Seiten. Empfangsbestätigung von der Hand Leidens: In Petersburg im October 1825 erhalten. D: bisher ungedruckt.