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Gentz ; Dietrichstein, Franz Joseph Fürst von
An Franz Joseph Fürst von Dietrichstein, Wien, 11. Dezember 1816, Mährisches Landesarchiv, Brünn. FA Dietrichstein, G 140, Karton 580, Inv.-Nr. 2446/52, Bl. [?] 1816

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3807
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Dietrichstein, Franz Joseph Fürst von
AusstellungsortWien
Datum11. Dezember 1816
Handschriftl. ÜberlieferungMährisches Landesarchiv, Brünn. FA Dietrichstein, G 140, Karton 580, Inv.-Nr. 2446/52, Bl. [?]
Format/Umfang3 eighd. beschr. Seiten
IncipitDie Mittheilung Ihres heutigen Schreibens
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Franz Joseph Fürst von Dietrichstein Wien, 11. Dezember 1816 Die Mittheilung Ihres heutigen Schreibens an Metternich hat mir einen frohen Augenblick gewährt. Ich weiß es kaum nach Verdienst zu loben; der erste Theil ist mit einer Geschicklichkeit gestellt, die alles, was ich selbst hätte an die Hand geben können, weit übertrift, und zugleich meinen innigsten Dank fordert, den ich Ihnen aus vollem Herzen, für diesen und so viele andre Beweise Ihres mir über alles schätzbaren Wohlwollens hier abstatte. Der zweyte Theil hat mir indessen nicht weniger Freude gemacht. Mit dieser Kraft und Fülle müßen die schlaffen Seelen von Zeit zu Zeit aus dem Schlummer gerüttelt werden. Wenn sie auch wieder in ihr Nichts zurück sinken, e t w a s bleibt doch immer hängen. Solche, wie wir, müßen sich - wenn // die u n v e r m e i d l i c h e n Momente des Unmuths und der Verzweiflung überstanden sind, immer wieder zurufen, wie Cato von der [Freiheit] sterbenden Freiheit seines Vaterlandes sagte: Non ante revellar E x a n i m e m quam te complectar, Roma, tuumque N o m e n, libertas, et i n a n e m p r o s e q u a r u m b r a m. In solchen Gesinungen ging ich heute zu Steigentesch; grausam und zermalmend war es freylich, dort Stadion zwey Stunden lang von nichts, durchaus nichts - als Freudenmädchen sprechen zu hören. Ich schwöre Ihnen, daß das neuliche Diner bey mir in Vergleich mit diesem - eine Akademische Sitzung war. Das Einzige, wovor ich zittre, ist, daß Metternich vielleicht Ihren Brief nicht ganz gelesen hat ! Davon werde ich mich Morgen früh überzeugen; denn er spricht mir gewiß davon, w e n n er ihn gelesen hat. Daß Sie ihm persönlich schmeicheln, indem Sie ihm die härtsten Wahrheiten sagen, ist äußerst klug; denn // es giebt kein andres Mittel unter der Sonne, um seine Aufmerksamkeit rege zu machen. Auch läuft man nie Gefahr, ihn zu verführen, oder sich selbst zu compromittiren, indem man ihm schmeichelt; denn er hat eine so ausschweifende Idee von seinen Fähigkeiten daß er a l l e s für baar Geld nimmt, dagegen jeder, auch der leiseste Tadel von ihm abgleitet, wie Quecksilber von einer geschliffnen Fläche.Der Curs wird Morgen bis auf 370, und - wenn nichts dagegen geschieht - vor Ende des Jahres auf 400 kommen. Es liegt beynahe eine Art von Trost in dem Gedanken, daß es s o nicht mehr lange fortgehen kan, wenn <man> gleich nicht begreift, w i e es sich ändern soll. Gentz. den 11 December 1816 So eben erhalte ich das beyliegende Billet von Pilat, woraus Sie ersehen werden, daß Metternich sich heute den Artikel quaest: hat vorlesen laßen; vermuthlich Wirkung Ihres Schreibens ! H: Mährisches Landesarchiv, Brünn. FA Dietrichstein, G 140, Karton 580, Inv.-Nr. 2446/52, Bl. [?] x Bl., F: ; 3 eighd. beschr. Seiten. Empfangsvermerk von Dietrichstein: 11 Xb 16. D: bisher ungedruckt.