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Gentz ; Ottenfels-Gschwind, Franz von
An Franz von Ottenfels-Gschwind, Wien, 2. Juni 1827, HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Faszikel 1827.g., Bl. 100-102 1827

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id37
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Ottenfels-Gschwind, Franz von
LocationWien
Date2. Juni 1827
Handwritten recordHDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Faszikel 1827.g., Bl. 100-102
Size/Extent of item5 eighd. beschr. Seiten
IncipitIhre Expedition vom 17ten v. M.
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Franz von Ottenfels-Gschwind Wien, 2. Juni 1827 Wien den 2ten Juny 1827. Ihre Expedition vom 17ten v. M. Mein Vortreflicher Freund, hat einen großen Succeß gehabt. Der Fürst kam am Mittwoch früh um 9 Uhr zu mir nach Weinhaus um mich damit zu erfreuen. Wir lasen mit dem höchsten Interesse, und erschöpften uns im verdienten Lobe derselben. Ich vermuthe, der Fürst wird Ihnen selbst schreiben, wie unendlich zufrieden er damit war. Sie haben in Ihren Communicationen mit dem Reis-Effendi die wahre Linie getroffen, und Ihr Projekt einer schriftlichen Antwort ist ein vollkommnes Meisterstück, worin Europäische Gewandheit und Kunst, mit der Einfachheit und Derbheit Türkischer Diplomatie so glücklich verschmolzen ist, daß wohl nie etwas Aehnliches geliefert ward. Ich kan Ihnen kaum beschreiben, welche Freude ich haben würde, wenn die Pforte klug genug wäre, diese trefliche Redaction, ohne Abänderung eines einzigen Wortes, in die Welt zu schicken. Noch wage ich es kaum dies zu hoffen, und erwarte daher Ihre nächsten Berichte mit einer Art von Angst. Wäre Stratford Canning // nicht mit zehnfacher Blindheit geschlagen, so würde er nicht mit so thörigtem Empressement auf eine Antwort dringen, die, wenn sie auch nur mittelmäßig ausfällt, ihm nicht geringen Schaden thun wird, die aber vollends, wenn man sich an I h r Schema hält, dergestalt wirken muß, daß die Englische Regierung sich mit 100,000 Pfund Sterling nicht zu theuer davon l o s k a u f e n würde. Ihre Mittheilungen über die Vorfälle bey Athen haben ebenfalls nicht geringen Werth. Der Artikel im [heutigen] <gestrigen> Beobachter, der damit prangt, hat ein fast dramatisches Interesse. Der glückliche Ausgang dieses Kampfes wäre besonders deshalb äußerst erwünscht, weil Cochrane an den Operationen Theil genommen hat, und er folglich dadurch in der Meynung einen ersten Stoß erhielte. Die Conferenzen zu London scheinen gänzlich in die Brüche gefallen zu seyn. Am 18ten May sollte zwar Lord Grenville mit dem Projekt eines Traktates zwischen England, Rußland, und Frankreich, nach Paris abgehen, auf dessen Unterzeichnung man, wie Lieven versicherte, rechnen konnte. Noch haben wir // nichts weiter davon gehört. Der Stillstand der Unterhandlungen in Constantinopel ist daher auch vollkommen begreiflich. Was aber auf diesen Stillstand zuletzt folgen wird, ist nur Gott bekannt; menschliche Berechnungen reichen nicht mehr aus. Es ist heute klar, wie der Tag, daß die Griechen von den Bedingungen des Petersburger Protokolls nichts mehr hören wollen; und endlich fängt man auch in London an, dies inne zu werden. Welche crasse Unwissenheit aber im Ganzen sowohl zu London, als zu Petersburg über den wahren Stand der Dinge in der Türkey herrscht, übersteigt allen Glauben. Schul-Knaben können nicht erbärmlicher im Finstern tappen. Hierin liegt jedoch keine wahre Beruhigung. Aus dieser Finsterniß können heillose Wetterschläge fahren; denn Fools rush on, where angels fear to tread. Bey dem allen ist mein Gemüth, ohne daß ich recht angeben könnte, warum, weit weniger trübe und bewegt, als vor sechs Wochen. Etwas mag dazu wohl meine individuelle Stimmung beytragen. // Wir haben seit 4 Wochen den schönsten Frühling den man seit Menschen-Gedenken in Wien erlebt hat, und meine Gesundheit hat sich in diesen 4 Wochen um Vieles gebessert. Was gäbe ich, wenn ich Ihnen nur einen Morgen oder Abend meinen kleinen Garten präsentiren könnte, der noch nie so festlich geschmückt war, als in diesem Jahre ! Ich schicke Ihnen ein Schreiben an Prokesch, worin ich ihn mit freundschaftlicher Strenge zurecht gewiesen habe, welches er aber hoffentlich gut aufnehmen wird. Noch konnte ich ihm, leider, nichts bestimmtes über seine künftige Stellung melden; ich arbeite aber mit Kavanagh unabläßig daran, ihn zufrieden zu stellen. Erklären Sie mir gelegentlich, wie dieser verständige Mensch auf den thörigten Gedanken kommen konnte, einen D i p l o m a t i s c h e n Posten zu erhalten. Wo ließe sich denn j e t z t ein solcher für ihn auftreiben ? Sagen Sie Huszar, ich hätte mich sehr gefreut zu vernehmen, daß er so ehrenvoll bey Ihnen debütirt habe; und schreiben Sie mir, wie es mit Ihrer Gesundheit steht. Von ganzem Herzen der Ihrige Gentz // N.S. Ich weiß nicht, ob der Fürst dazu kommen wird, Ihnen heute zu schreiben, übernehme es daher, Sie zu benachrichtigen, daß der Kayser Ihm ausdrücklich aufgetragen hat, Ihnen für Ihren letzten Bericht g a n z b e s o n d e r s z u d a n k e n. Es versteht sich von selbst, daß Sie, um davon Notiz zu nehmen, das eigne Schreiben des Fürsten abwarten müßen; ich konnte mir aber unmöglich das Vergnügen versagen, Ihnen vielleicht 14 Tagen früher davon Meldung zu machen. P o s t s c r i p t N r. 2. So eben, um 5 Uhr Abends hatte ich einen Besuch von Ihrer Frau Schwester aus Gratz, in Gesellschaft eines Grafen Aichelberg (vielleicht des Ex-Präsidenten ?) die meinen Garten so bewunderten, wie er lange nicht bewundert worden ist. H: HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Faszikel 1827.g., Bl. 100-102. x Bl., F: ; 5 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.