These titles were already interesting to you:

Gentz ; Ompteda, Ludwig Karl Georg von
An Ludwig Karl Georg von Ompteda, Prag, 13. November 1807, Österreichische Nationalbibliothek, Wien. Handschriftenabteilung, Autographensammlung, Nr. 11 / 118-19 1807

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3643
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Ompteda, Ludwig Karl Georg von
LocationPrag
Date13. November 1807
Handwritten recordÖsterreichische Nationalbibliothek, Wien. Handschriftenabteilung, Autographensammlung, Nr. 11 / 118-19
Size/Extent of item3 Bl., 5 eighd. beschr. Seiten
Places of printOmpteda-Nachlass, II, 325-326 (tlw.)
IncipitNicht eher als heute bekam
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Ludwig Karl Georg von Ompteda Prag, 13. November 1807 Prag den 13 November. 1807. Nicht eher als heute bekam ich Ihren Brief vom 9ten. Ob Krüdener so lange unterwegens, oder so lange hier war, ohne ihn zu befördern, weiß ich nicht. So viel weiß ich aber, daß Ihr freundschaftliches Interesse, und Ihre vielfältigen gütigen Aeußerungen für mich, mir die lebhafteste Freude gemacht haben. Gestern ist General Waquant von hier abgereiset, um Braunau zu übernehmen, welches uns, wie es scheint, gegen die einzige Bedingung der Abtretung des (in facto längst verlornen) vom Isonzo westlich liegenden Theils der Grafschaft Görz (mit Gradisca, Aquileja pp) zurückgegeben wird ! Und hiermit sind vor der Hand, so unerwartet, so außerordentlich und dies auch scheinen mag, unsre Verhandlungen mit Frankreich geschlossen; man verlangt weiter nichts von Oesterreich, wenigstens keine weitre // Länder-Cession. Dies Phänomen ist vielleicht merkwürdiger als viele andre, die großen Lärm in der Welt [xxx] <machten>; ich glaube, die Schlüssel dazu - denn natürlich giebt es mehr als einen - so ziemlich aufgefunden zu haben; zum Theil liegen sie wohl in Dingen, die oft der Gegenstand unsers Gesprächs waren; eine ausführliche Erörterung der Sache erforderte aber neue Gespräche. Was man von Truppen-Dislocation in Böhmen gesagt hatte, ist alles falsch. Ich bedaure dies nur aus einem einzigen Grunde: weil es mir nehmlich die Hoffnung vorspiegelte, den Prinz Victor diesen Winter nicht in Prag zu sehen. So aber wird er nächstens erscheinen, es sey denn, daß die Kayserliche Hochzeit, zu der in Wien ungeheure Anstalten gemacht werden, ihn dort zurückhielte. Nach einem Briefe von Eichler von gestern, müßte die Prinzessin heute früh abgereiset seyn. // Es findet sich in Ihrem Briefe ein Ausdruck, der mich einigermaßen beunruhigen muß. Sie schreiben mir: "die Prinzessin habe auch nicht den mindesten Groll gegen mich im Herzen behalten." Wie ist das zu verstehen ? Habe ich denn irgend etwas gethan, was ihr Groll gegen mich einflößen konnte ? Ich glaubte das Gegentheil, und ahndete also nichts von einem solchen Unglück. Hierüber sollten Sie Sich wohl etwas näher erklären. Seit etwa drey Tagen fühle ich mich ganz wieder hergestellt. Mein Gemüth aber will nicht zu seiner alten Heiterkeit zurückkehren. Ohne daß ich eine bestimmte Ursach zu Gram oder Sorgen hätte, hat sich eine Art von gloom über meine ganze Existenz gelagert. Es schmeckt mir nichts. Ich sehne mich nicht nach Wien, und gefalle mir doch auch nicht in Prag. Ich habe hier ungefähr alles wieder gefunden, was mir im vorigen Winter den Aufenthalt so angenehm machte; aber nichts will mir Interesse gewähren. Es ist mir, als hätte sich // in meiner Seele ein dunkler Hintergrund eröfnet, auf dem sich alles mit finstern Farben reflectirt ! Vielleicht hat das melancholische Wetter einige Schuld daran; denn seitdem ich in Prag bin, lebe ich eigentlich in einer beständigen Nacht. Doch müßen auch andre Ursachen concurriren. So viel weiß ich, daß ich nur einen einzigen, bestimmten, und lebendigen Wunsch in mir nähre; und das ist der, daß es bald wieder Sommer werden mögte. Vor dem Winter graut mir unaussprechlich. Ich werde noch immer täglich befragt, ob, und wie, und warum Sie denn nicht endlich nach Prag zurückkehren wollen. Ihre Abwesenheit betrübt in der That viele Menschen. Ich sage es Ihnen nicht, um Sie in Ihren Planen zu stören; aber weil es mir doch Pflicht scheint, Sie von dem zu unterrichten, was Ihnen gewiß nicht ganz gleichgültig seyn kan. Canicoff und Schladen danken sehr für Ihr gütiges Andenken. Letzteren werden Sie wohl // schwerlich sehen, weil er über Wien nach Rußland geht. Canicoff erwartet, um von hier abzureisen, Befehle und Instructionen, die jetzt, da der König von Sachsen nach Warschau gegangen ist, wohl sobald noch nicht eintreffen mögten. - Möglich ist es daß [xxx] die Prinzessinnen von Curland in einiger Zeit durch Teplitz wandern, weil sie die Idee haben, ihre Mutter, die man täglich in Berlin erwartet, auf einige Tage in Dresden zu besuchen. - Kecco ist gestern hier über Breßlau angekommen, geht aber in einigen Tagen nach Wien. Frau von Ompteda, meinen lieben Freunden Theodor und Carl, und Ihrem guten Fritz meine innigsten und besten Empfehlungen. Möge Ihnen die Einsamkeit in Teplitz gut anschlagen ! G. H: Österreichische Nationalbibliothek, Wien. Handschriftenabteilung, Autographensammlung, Nr. 11 / 118-19. 3 Bl., F: ; 5 eighd. beschr. Seiten. D: Ompteda-Nachlaß, II, 325-326 (tlw.).