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Gentz ; Leiden, Carl
An Carl Leiden, Wien, 30. Mai 1832, Wienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. [?] 1832

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3515
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Leiden, Carl
LocationWien
Date30. Mai 1832
Handwritten recordWienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. [?]
Size/Extent of item2 Bl., 3 ¼ eighd, beschr. Seiten
IncipitIch befinde mich seit länger
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Carl Leiden Wien, 30. Mai 1832 Wien den 30 May 1832. Ich befinde mich seit länger als Zwey Monaten in einem höchst traurigen Zustand, wovon, wie mir scheint, Niemand, auch nicht einmal Deine Frau Dich benachrichtiget hat. Ein altes, und nicht sehr bedeutendes Uebel - die Dir bekannte Brust-Beklemmung - wurde von dem leichtsinnigen Türkheim mit einem übel-gewählten und äußerst heftigen Arzneymittel (Blausäure) angegriffen, welches in acht oder zehn Tagen eine allgemeine Desorganisation meines ganzen Nerven-Systems zur Folge gehabt, und mir einen solchen Grad von Entkräftung zugezogen hat, daß ich nur wenige Stunden des Tages außer dem Bette zubringen kan, zu allen Bewegungen, zu allen körperlichen Functionen unfähig bin, und, was das schlimmste ist, einen unüberwindlichen Widerwillen gegen alle Nahrung habe, so, daß ich nicht weiß, wie und wann ich wieder zu Kräften kommen soll. Ich bin in den Händen von 3 Aerzten (von denen nur Einer mein Vertrauen besitzt); aber // alle an mir versuchte Mittel sind bisher fruchtlos geblieben. Ungeachtet dieser höchst fatalen Lage, habe ich Deinem Briefe, Mein lieber Leiden, den ich vor ungefähr 14 Tagen erhielt, alle Aufmerksamkeit gewidmet, und Deine gegründete Klagen ernstlich beherziget. Da der Fürst zufällig mich an demselben Tage besuchte, habe ich ihm den Brief mitgetheilt, und ihn dringend gebeten, durch den ersten nach Petersburg abzusendenden Courier den bestimmten Befehl zu geben, daß man Dich baldmöglichst <aus> Deiner dortigen Haft entlaße. Der Fürst hat es mir auch unbedingt versprochen. Gleichzeitig habe ich durch Pilat die Herren vom Bureau, Graf Senfft, Lebzeltern, Raymond täglich sollizitiren laßen, und von allen Seiten die Versicherung erhalten, daß Deinem Wunsche Genüge geleistet werden solle. Seit 14 Tagen hieß es, Rohman, der nächste an der Tour, würde unverzüglich befördert werden; und ich glaubte daran um // so mehr, weil man die Frau von Hauenschild, die Rohmann mitnehmen wird, angewiesen hatte, sich jede Stunde bereit zu halten. Gleichwohl war nichts geschehen, als ich vor einer Stunde (5 Uhr Abends) von der Staatskanzlei die Nachricht erhalte, der Fürst schicke h e u t e A b e n d einen Courier über Berlin nach Petersburg.Ob dieser Courier nun Rohmann oder ein Andrer ist, kan ich unmöglich mehr erforschen; und schicke daher a u f g u t G l ü c k gegenwärtigen Brief aufs Bureau. Solltest Du ihn durch einen Andern als Rohmann erhalten, und ohne daß Deinetwegen eine Verfügung getroffen wäre, so hast Du wenigstens die Hoffnung, durch Rohmann erlöset zu werden. Mehr, Mein lieber Carl, kan ich heute nicht prästiren; und wenn Du wüßtest, wie sauer mir dieses Schreiben geworden ist, Du würdest nur für das Opfer welches ich Dir bringe, Dank wissen. - Der Himmel gebe, daß Du Deine Rückkehr // früh genug antreten kanst, um hier eine gründliche Cur zu beginnen; denn krank seyn, ist doch von allen Uebeln das Größte. Gott sey mit Dir ! Gentz H: Stadt- und Landesbibliothek, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 2 Bl., F: ; 3 ¼ eighd, beschr. Seiten. spätere Bemerkung: 10 Tage vor seinem Tode geschrieben. D: nicht gedruckt.