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Ottenfels-Gschwind, Franz von ; Gentz
Von Franz von Ottenfels-Gschwind, Konstantinopel, 20./25. Januar 1823, HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 30a, Konvolut 1822.g., Bl. 4-6v 1823

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3431
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Ottenfels-Gschwind, Franz von
Addressee of letter
Gentz
LocationKonstantinopel
Date20./25. Januar 1823
Handwritten recordHDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 30a, Konvolut 1822.g., Bl. 4-6v
Size/Extent of item6 eighd. beschr. Seiten
IncipitIch gestehe daß ich mich
Type of letterBriefe an Gentz
Digital item: TextVon Franz von Ottenfels-Gschwind Konstantinopel, 20./25. Januar 1823 Constantinopel den 20ten Januar 1823. Hochverehrter theurer Freund ! Ich gestehe daß ich mich schon mit einiger Ungeduld nach einigen Zeilen von Ihrer Hand gesehnt habe: Daß aber dieser Verzug mir so reichhaltig vergütet mit einem so langen, so gehaltvollen Schreiben belohnt werden sollte, wie jenes 4 volle Bogen füllende, das Sie mir aus Verona unter dem 15 December zusandten, das hätte ich nie erwartet. Ich weiß wie es bey Kongresses zugeht; noch mehr, ich weiß was Alles bey einer solchen Gelegenheit auf Ihnen lieber Hofrath lastet; und Sie können darnach die Dankbarkeit bemessen die ich Ihnen für diesen Beweis Ihrer Freundschaft, und ich darf wohl hinzusetzen Ihrer Achtung zolle. So viel über das Materielle Ihres werthen Briefes. Nun zu dem Inhalte selbst zu kommen, so will ich gar nicht versuchen Ihnen mit Worten meine Gefühle der Freude und Dankbarkeit zu schildern. Was könnte ich auch einem Meister des Worts, wie ich Sie mit einer Orientalischen Redensart, nennen darf, sagen ? Aber das glauben Sie mir, mein Herz fühlt weit mehr als mein Mund auszusprechen vermag. Nächst Allem Lieben und Freundschaftlichen was Sie mir aus eigenem Gemüthe sagten, hat nichts für mich // höheren Werth als dasjenige was Sie mir über die Zufriedenheit unseres theuren Fürsten mit dem Anfange meiner Gestion zu melden beliebten. Das war der glücklichste Augenblick den ich noch in Constantinopel erlebte. Werde ich Ihm auch in Zukunft Genüge leisten ? Das ist eine Frage die mich besonders itz wo die Probe erst angeht, mit einiger Bangigkeit erfüllt. Einem Neuling wie mir, ist diese Schüchternheit wohl erlaubt. Sie wird mich vor Eigendünkel bewahren und mich vorsichtig handeln machen. Versagen Sie mir eine Bitte nicht, die ich an Sie nicht bloß als an meinen Freund, sondern auch als oesterreichischen Staatsmann stelle. Sagen Sie mir eben so offenherzig, wenn ich irre, wenn ich falsch oder voreilig gehandelt, kurz wenn irgend etwas an meinem Benehmen mißfallen sollte, als Sie mir bis itz Lob gespendet haben. Aus einem Munde wie der Ihrige kann Wahrheit nie verletzen, wohl aber heilsam wirken.Es ziemt mir nicht ein Wort über das große Werk das in Verona vollbracht worden, und das unseres Fürsten hohem Ruhme die Krone aufgesetzt hat, auszusprechen. Ich kann nur bewundern nicht begreifen. Daß aber die so verwickelte, so furchtbar drohende orientalische Komplikation auf so einfache, so über aller Erwartung mäßige Bedingungen herabgesetzt worden, das konnte nur ein // Zauberer wie Fürst Metternich bewirken. Dieser Theil der Arbeit - und wie viele andere gab es nicht - liegt mir am nächsten. Darum will ich auch nur allein dieses Resultates erwähnen. Alle anderen sind noch über meine Fassung. Daß meine Stellung gegenüber der Pforte, vielleicht weniger als jene neben Strangford ist, wird Ihnen durch den bekannten Charakter dieses genievollen Mannes erklärbar seyn. An meiner Eigenliebe soll er gewiß keinen Anstoß finden; in diesem Punkte will ich stets auf meiner Hut seyn, nur den großen Zweck vor Augen haben und an diesem mit ihm oder hinter ihm, redlich arbeiten. Ich kann nur in hohem Grade mit seinem Benehmen gegen mich zufrieden seyn; er war so gut sich zu äussern daß wenn er mich früher an der Seite gehabt hätte, die Sachen itz wohl anders stehen dürften. Wenn das vom Herzen ging so wird er es auch schreiben. Von Ihnen Theuerster spricht er mit Bewunderung und L i e b e, denn Freundschaft ist zu wenig gesagt. Ich habe ihm mehrere Stellen Ihres Briefes übersetzt, aber nie habe ich ihn in solches Lachen ausbrechen sehen, was doch oft geschieht, als bey Erwähnung der Belohnung die Ihnen von Kayser Alexander zu Theil geworden. Ich nehme die Sache bloß als Freund des Ritters von Gentz und wünsche Ihnen vom Grunde des Herzens Glück dazu. Eben so aufrichtich wünsche ich Ihnen Glück zur Wiederanknüpfung Ihrer Correspondenz mit dem Fürsten Ghica // weil damit solide Vortheile verbunden sind. Aber auch mir wünsche ich Glück dazu. Denn ich glaube die Wirkung Ihrer Mittheilungen an dem Benehmen der Pforte gegen mich zu verspüren. Wenn Ghica Sie wirklich als seinen Rathgeber ansieht so rathen Sie ihm doch daß er nicht stärker sinke als dieß leider seit Fleischhackls letzten Berichten schon der Fall zu seyn anfängt. So wenig mich auch Hammers Kritiken in meinem Gange irre machen werden, so wünschte ich doch zu wissen welche Art Ohrfeige er erhalten haben soll. Noch gibt er keine Ruhe, ich kann nach dem was er hieher schreibt, auf das schließen was er in Wien spricht. Lord Strangford sagt von ihm er habe ihn von Wien verjagt, und wünsche sich nie mehr an einem Orte mit ihm zu finden. Hammer kann also sicher seyn nicht hieher zu kommen, auch wenn ich nicht taugen sollte. Ich sende Ihnen heute wieder einen kleinen Rest des Mocca derselben Gattung die Ihren Beyfall gefunden hat. Ich werde Sorge tragen daß größere Quantitaeten nachfolgen. Hinzu füge ich Saamen von der Capia oder Gazi die Sie <von> mir verlangten; aber gegen <das> Versprechen daß Sie Seiner Durchlaucht einen Theil davon abgeben. Ich hoffe Ihnen selbst kleine Zweige des Strauchs zu verschaffen. Von Saamen gezogen trägt er erst im 3ten Jahre Blüthen. Nun empfangen Sie nochmals meinen innigsten Dank und die Versicherung der wahrhaften Ergebenheit und Hochachtung Ihres aufrichtigen Freundes Ottenfels // P. S. den 25 Januar 1823. Noch ein Wort im Vertrauen, theuerster Freund ! Stellen Sie Sich vor, daß derselbe Kourier der mir von Seiten des Fürsten so schmeichelhafte Beweise seiner Zufriedenheit, seines hohen Vertrauens überbrachte, zugleich von Seiten der Kanzley eine Weisung mitbrachte, wodurch wir nicht weniger als die Hälfte meines rechtmässigen Einkommens entzogen wird, indem die dem Internunzius als Theil seines Gehalts angewiesenen Consular Gebühren aufgehoben werden, und man mich dafür auf eine höchst ungewisse vielleicht noch Jahre zögernde Entschädigung vertröstet. Ja ich soll selbst herausgeben was ich während meines Hierseyns an diesen Gebühren die stets dem Internunzius gehörten, bezogen habe. In einem Augenblicke wo die wichtigsten Verhandlungen Ruhe des Gemüths und Unbefangenheit des Geistes erheischen, war mir dieser Schlag sehr empfindlich; aber besorgen Sie nichts; versichern Sie seine Durchlaucht wenn etwa die Rede darauf fallen sollte, daß ich in einem Augenblicke wie der gegenwärtige nicht wanken, meine Pflicht treulich erfüllen und ruhig meinen Gang fortgehen werde. Der Fürst ist gerecht und gütig. Es wird genug seyn daß er wisse wie hart mir geschieht, um mir Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ich würde gar nicht davon gesprochen haben wenn ich nicht besorgte durch Entgang eines so bedeutenden Theils meiner Revenuen zur Reduzirung meines // Hauswesens gezwungen zu werden. Doch in diesem Augenblicke dem Ansehen des Hofs befiehlt, mich nicht zurückzusetzen, und den Geschäften selbst schaden könnte. Wollen Sie den Aufschluß hiezu haben ? Hier ist er. Die Staatskanzley hatte schon vor 6 Monaten <die> Entschädigung welche dem Internunzius für den Entgang der Consulats Gebühren zukommen sollte auf 18 bis 20 tausend Fr. angeschlagen, und das ist auch vor Gott und der Welt jenes was die reine Wahrheit ist. Hammer, der mir nie verzeihen kann daß ich diesen Platz erhalten habe, und der auch Allem was dem Baron Stürmer angehört von jeher Feind ist, sagt laut in Wien und hat auch hieher geschrieben daß Baron Stürmer die Entschädigung nur deßwegen so hoch angesetzt habe, weil er hoffte sein Sohn werde Internunzius werden. Das muß dem Kaiser zu Ohren gekommen seyn, und darum will derselbe nichts von dieser Summe hören. Ich soll Uiberschläge und Ausweise einsenden die nicht mehr existiren oder nur schwer wieder aus dem ganzen Orient zusammengebracht werden können. Der sicherste Beweis für die Richtigkeit der Angabe ist, daß weder Baron Stürmer nach Graf Lützow welche diese Einkünfte genossen Schätze gesammelt haben. Auch ich verlange keine, aber ich möchte nicht darben. So ist die reine Wahrheit; finden Sie Gelegenheit sie dem Fürsten darzustellen, so bitte ich es nicht zu unterlassen. Aber lassen Sie einige Tage nach Ankunft dieses Couriers vorüber gehen, um ihn nicht von der Hauptsache, dem Gang der Negotiation zu distrahiren. Verzeihen Sie meine Zudringlichkeit und entschuldigen sie solche durch den Grad meines Vertrauens in Ihre Freundschaft Ihr Ottenfels. H: ZDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 30a, Konvolut 1822.g., Bl. 4-6v. x Bl., F: ; 6 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.