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Gentz ; Leiden, Carl
An Carl Leiden, St. Oswald/Laibach, 11./12. Januar 1821, Wienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 223.812 1821

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3375
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Leiden, Carl
LocationSt. Oswald/Laibach
Date11./12. Januar 1821
Handwritten recordWienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 223.812
Size/Extent of item4 Bl., F: 174mm x 111mm; 7 ¼ eighd. beschr. Seiten
IncipitDie Reise die jetzt - bis auf 2 Posten
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Carl Leiden St. Oswald/Laibach, 11./12. Januar 1821 St. Oswald. 2 Posten vor Laybach. Donnerstag Abends. Die Reise die jetzt - bis auf 2 Posten - beendigt ist, war die beschwerlichste, deren ich mich je erinnern kan. Du wirst Dich wundern, Du wirst Dich vielleicht grämen, Mein lieber Carl, wenn ich Dir berichte, daß gerade eine von uns so gut und weißlich angelegte, und von Dir so rühmlich ausgeführte Maßregel, die Quelle meiner größten Qualen geworden ist. Es fand sich nehmlich, daß gleich diesseits Grätz alle Spuren von Schnee und Eis verschwunden waren, die Felder (bis auf die Bäume) alle grün, eine Temperatur von 5 bis 10 Grad über Null, ein unreifer, und widriger, // aber vollkommner Frühling. Hiemit waren nun schon alle Pelze, Fußsäcke etc. überflüßig geworden; nun aber brach eine ganz neue und unvorhergesehne Noth ein. Die Straßen waren in einen solchen Zustand von Degradation gerathen, daß ich auf 3 Stationen 14 Stunden fuhr. und wenn ich, bey der ohnehin schlechten Verfassung meiner Schultern und Arme nicht ganz gerädert oder contraktirt bin, so muß ich es als eine besondre Gnade des Himmels ansehen. Hier vermißte ich nun aufs schmerzlichste meine alte geliebte Calesche, die mir - ich bin fast davon überzeugt - wenigstens 4/5 der Leiden erspart hätte, die ich in den drey letzten // Tagen ausgestanden habe. Der neu-aquirirte Wagen verdient in allen übrigen Beziehungen das größte Lob; es ist kein Nagel daran entzwey gegangen; er hat eine Menge Bequemlichkeiten, die der Calesche fehlen; und so lange es auf ziemlich ebnen Straßen ging, war ich sehr damit zufrieden. Aber die Probe dieser schändlichen (aufs strafbarste vernachläßigten) Chausseen, dieser immerwährenden grausamen Stöße - die hielt er nicht aus; nehmlich für mein Gefühl, für meinen leidenden Körper nicht. In Wien fabrizirt, theilt er das Loos aller Wiener Wagen - harte, unelastische Federn, und folglich eine Bewegung bey welcher einem Rheumatiker // Hören und Sehen vergeht. Denke Dir daß ich unter andern während dieser 3 Tage keine Zeile lesen konnte; ein Unheil, welches mir in meiner Calesche nie, auch auf den schlechtesten Wegen nicht begegnet ist, und welches, wie Du Dir denken kanst, meine Ungeduld und meinen Unmuth noch in hohem Grade vermehrte. Ich kam gestern Abend halb todt auf einer Post vor Ciley an; ich glaubte, ich würde heute liegen bleiben müßen, und ließ nicht einmal Pferde bestellen. Indessen fand ich mich nach 6 oder 7 Stunden guten Schlafes diesen Morgen s o weit hergestellt, daß ich um 8 Uhr wieder den Marsch antrat, und bis hieher (9Meilen) // fortsetzte, und hoffe Morgen gegen Mittag meinen Einzug in die Congreß-Stadt zu halten. Diese Widerwärtigkeiten konnte keine menschliche Weisheit voraussehen. Wer hätte sich in den ersten Tagen des Jahres, wo ich, noch ganz geschreckt von der Kälte, die mich auf der Rückreise von Troppau so greulich gepackt hatte, und Schutz gegen diese suchte, träumen laßen, daß Calamitäten von ganz entgegen gesetzter Art auf mich wartete ? - Ob es gleich, p a r é v è n e m e n t, weit besser gewesen wäre, das Geld für den neuen Wagen zu einer gründlichen Befestigung und Verbesserung der Calesche zu verwenden, so haben wir uns doch dieserhalb ernstlich keinen Vorwurf zu machen. // Desto fester ist jedoch jetzt mein Vorsatz geworden, jene Calesche so lange [auf] die göttlichen Federn nur vorhalten, nie aus den Augen zu verlieren, und wenn ich noch 1000 und mehr Ducaten darauf verwenden sollte. Ich werde Dir wegen dieses Gegenstandes, sobald ich Zeit dazu finde, eine besondre Instruction zukommen laßen. Vorläufig sorge mit dafür, daß dieses Kleinod (dessen Werth ich noch nie so schätzte als jetzt) sehr gut untergebracht werde, und keinen Schaden leide. K e i n M e n s c h soll darin fahren. Wenn Madame Leopold (die einzige, der ich erlaubt habe, sich // zuweilen meiner Pferde zu bedienen) die Erlaubniß benutzen will, so soll sie allemal in dem neuen Wagen fahren. Das Uebrige, was ich etwa noch im Stande seyn werde, diesem Briefe hinzu zu fügen - morgen von Laybach aus. Laybach Freytag 12 Ich bin heute Mittag hier angekommen, finde die Stadt weit besser, als man sie mir beschrieben hatte, und meine Wohnung brillant - Nur das, da eben der // Courier abgeht - In ein Paar Tagen, mein lieber Carl, ein Mehreres. Gentz. H: Wiener Stadt- und Landesbibliothek, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 223.812. 4 Bl., F: 174mm x 111mm; 7 ¼ eighd. beschr. Seiten.D: bisher ungedruckt.