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Gentz ; Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
An Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha, Preßburg, 20. Oktober 1830, Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?] 1830

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3315
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
LocationPreßburg
Date20. Oktober 1830
Handwritten recordUngarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?]
Size/Extent of item7 eighd. beschr. Seiten
IncipitVor 14 Tagen, Mein Fürst
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha Preßburg, 20. Oktober 1830 Preßburg den 20 Oktober Vor 14 Tagen, Mein Fürst, schrieb ich Ihnen den einliegenden Brief, der durch einen E n g l i s c h e n C o u r i e r abgehen sollte. Lord Cowley der den Courier von Wien aus expedirte, während ich in Preßburg war, hielt es für besser diesen Brief zurück zu halten; da Er nun einmal die Sache übernommen, und selbst einen Bericht darüber abgestattet hatte, so meynte Er, es sey rathsamer, diesen Bericht allein wirken zu laßen, und nicht g l e i c h z e i t i g Ihre Concurrenz aufzufordern, zumal in einem Briefe, der durch das Englische Bureau laufen müßte. Er gab mir daher, als ich ein Paar Tage später nach Wien kam, den Brief an Sie zurück, und ich behielt mir vor, selbigen durch einen u n s r e r Couriere an Sie gelangen zu laßen. // Sie erinnern Sich, liebster Fürst, daß man die Intervention des hiesigen Botschafters z u r e i n z i g e n B e d i n g u n g des Successes meiner Petition gemacht hatte, und daß Sie Selbst im vergangnen Winter dieserhalb an Lord Cowley geschrieben hatten. Sie erinnern Sich auch, aus welchen Gründen ich damals von Ihrem Briefe nicht Gebrauch machen wollte. Jetzt ist jene Bedingung nicht nur erfüllt, sondern Lord Cowley hat sogar die Initiative übernommen. In so fern Sie also nützlich finden sollten, Herrn A r b u t h n o t, der mir früher - aber immer unter jener Bedingung - seine beste Mitwirkung wiederholentlich versprochen hatte, beym Worte zu nehmen, so versäumen Sie ja nicht, ihn // von dem, was geschehen ist, zu unterrichten. Ich weiß nicht, ob Arbuthnot, und Aberdeen und Wellington selbst, heute noch viel Werth auf die gute Meynung Unsers Hofes und dessen politische und persönliche Gesinungen legen; w e n n dies der Fall seyn sollte, so werden sie aus Lord Cowley's Bericht ersehen haben, welchen treuen Alliirten sie an mir besitzen, und welche Dienste ich Ihnen heute noch zu leisten vermag. Uebrigens darf ich Ihnen, liebster Fürst, kaum bemerklich machen, was Ihrer Terrain-Kenntniß ohnehin nicht entgehen wird, daß, wenn die Sache gelingen soll, kein Augenblick mehr dabey verloren gehen muß. Denn sollte eine Ministerial-Veränderung eintreten, so ist meine letzte Hoffnung für jetzt und immer verschwunden. Die gegenwärtigen Minister wissen, wer ich // bin, kennen meine dreyßigjährigen Verhältnisse mit der Englischen Regierung, und wollen mir persönlich wohl; ihre Nachfolger, wer sie auch seyn mögen, würden entweder keine Notiz von mir nehmen, oder vielleicht in Hinsicht auf meine Antécédens, mich sogar mit feindlichen Augen betrachten. Ich b e s c h w ö r e Sie daher, jetzt, da die Sache so gut und regelmäßig eingeleitet ist, zur B e s c h l e u n i g u n g derselben alles aufzubieten. Die Krankheit des verstorbnen Königes verhinderte Sie, mit Ihm darüber zu sprechen. Wie Sie mit dem jetzigen Könige stehen, ob man diesem von einer Angelegenheit dieser Art sprechen dürfe, und ob das irgend eine Werbung haben könnte - ist mir gänzlich unbekannt. Auf jeden Fall halte ich es nicht für überflüßig Ihnen zu sagen, daß // der König mich kennt, daß er eine gute Meynung von mir hat, und daß ich Ihm zur Zeit meines Aufenthaltes in London verschiedne mahle bey dem damaligen Herzog von Orleans, in Twickenham, sogar in einer gewissen Vertraulichkeit gesehen und viel gesprochen habe. Ob Er Sich dessen erinnert, ist freylich eine andre Frage. Meine Furcht vor einer nahe bevorstehenden Ministerial-Umwälzung die ich, nicht bloß in meinem eignen Interesse, sondern auch, und weit mehr noch, in den höchsten politischen Beziehungen, für den letzten und furchtbarsten Schlag halten würde, der das organisirende Europa noch treffen könnte, werden S i e gewiß nicht ungegründet finden. Ich kenne die Lage der Dinge überhaupt, und kenne den heutigen Zustand Englands durch Ihre lehrreiche Depeschen, und aus // manchen andern Quellen, viel zu genau, um nicht vor dem nächsten Parlaments-Feldzuge z u z i t t e r n. Als ich gestern die von Ihnen eingesendete Brochure, Result of the General Election, las, sank mir vollends der Muth. Mir sind die Schwächen und Fehler des jetzigen Ministeriums vollkommen bekannt, und ich habe sie oft und lebhaft genug bedauert. Aber ich wiederhole, was Meister vor dreyßig Jahren schrieb: T h e y - or the J a c o b i n s ! Der Herzog ist durch seine Gesinungen, und durch den ganzen Gang und Charakter seines öffentlichen Lebens der letzte Noth-Anker, an welchen wir uns, in dem allgemeinen Schiffbruch noch halten können; après lui - le déluge. Eine Tory-Administration scheint mir so gut als unmöglich; ich weiß nicht ob es überhaupt, nach der Auflösung // und jämmerlichen Vermischung aller Parteyen, noch Torys in England giebt. Der geschickteste und zugleich traitableste aller Oppositions-Männer, Huskisson, ist nicht mehr; wenn England von Menschen, wie Palmerston, Grunt, Lord Holland, und B r o u g h a m (!!) regiert werden soll, so lege ich es, ohne Weitres, in die Wagschale der f e i n d l i c h e n Mächte, und kenne dann keine andre Politik mehr, als die Continental-Monarchien mit einer Chinesischen Mauer zu umschließen, und innerhalb derselben - den Tod zu erwarten.Schreiben Sie mir gelegentlich, liebster Fürst, ob Sie meine Besorgnisse für übertrieben halten ? Ein Paar confidentielle Worte von Ihnen wären mir in dieser abscheulichen Crisis äußerst willkommen. Vergessen Sie nicht, ohne Gnade und Barmherzigkeit, Ihren alten treuen Diener Gentz. H: Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, x Bl., F: ; 7 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.