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Gentz ; Graun, Elisabeth
An Elisabeth Graun, Berlin, 8. März 1788, Jagellonische Bibliothek, Krakau. Sammlung Varnhagen, Karton 66 1788

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3083
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Graun, Elisabeth
LocationBerlin
Date8. März 1788
Handwritten recordJagellonische Bibliothek, Krakau. Sammlung Varnhagen, Karton 66
Size/Extent of item2 Bl., F: 229mm x 186mm; 4 eighd. beschr. Seiten
Places of printWittichen/Salzer, Briefe, I, Nr. 26, 108-110 (falsche Datierung)
IncipitMit einer unbeschreiblichen Bewegung, theure, liebe Freundin
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Elisabeth Graun Berlin, 8. März 1788 Mit einer unbeschreiblichen Bewegung, theure, liebe Freundinn ! o Sie ! meine Zuflucht und mein Trost in allen Situationen meines Lebens - mit einer unbeschreiblichen Bewegung lese ich in diesem Augenblick, die wenigen Zeilen, die Ihre Hand mir endlich einmal wieder schenkte, und bin außer mir vor Freude, daß Sie jetzt schon meinen Brief in Händen haben, der alle Ihre unglückliche Zweifel zerstreuen wird. Ich weis nicht, wie lange dieser kleine Brief von Ihnen schon in Berlin ist. Er ist vom 13ten Februar, und dies giebt mir den Verdacht, daß Ihr nachläßiger Bruder Carl, mich eine ganze Zeit lang schon darum gebracht hat. Gestern traf ich ihn bey Ihrem Mann; er gestand, daß er schon, s e i t e i n i g e n T a g e n, für mich einen Brief von Ihnen hätte, er hätte ihn aber vergeßen mitzubringen. Gott ! was ich zusammenfuhr ! ich hätte den kleinen Menschen gern zerknirschen mögen, über seine schändliche Gleichgültigkeit. Heute schicke ich denn in aller Frühe zu ihm, und eben jetzt erhalte ich Ihren Brief, der bey ihm zum allerwenigsten, über 8 Tage gelegen hat. Schreiben Sie mir doch, ums Himmels willen, nie mehr auf diesem langweiligen Wege ! Warum adressiren Sie nicht lieber Ihren Brief geradezu an mich ? // Ist es aber nicht sehr sonderbar, daß ich, ohne zu wißen daß ein Brief von Ihnen an mich unterwegens war, gerade zu derselben Zeit an Sie schreibe ? daß unsre Herzen, die so lange ganz todt für einander zu seyn schienen, sich auf einmal in e i n e r Zeit, gleich als wenn e i n e geheime Ahndung, e i n wohlthätiger Geist sie belebte, so mächtig, so reich, gegen einander öfnen. O Gott ! diese wenige Zeilen ziehe ich fast allen Ihren andern Briefen vor. Glücklich seyn, ist noch nichts: aber aus einer langen Reihe unglücklicher, wilder, fremder Begebenheiten, wie aus einem unruhigen Kranken-Schlafe zu erwachen, und sich dann wieder glücklich zu fühlen, das ist unendlich viel, und das empfinde ich jetzt. Nein ! Nein ! ich habe nichts, gar nichts verlohren, da ich Ihre Freundschaft noch besitze. - O ! meine Freundinn ! mit größrer Empfindung habe ich nie an Sie gedacht, nie an Sie geschrieben: die Thränen benehmen mir alle Gedanken: es ist mir, als wenn ich Sie nach dem Tode wieder fände. - Aber ich will leben, von neuem leben, da ich wieder mit Ihnen - o laßen Sie mich doch im Gefühl meiner Glückseeligkeit, was ich so lange entbehrt habe, hinzusetzen für Sie leben darf. Einzige Freundinn ! die Welt // hatte nur eine wahre Freude für mich. Sie haben sie mir wieder geschenkt; nur Einen Sonnenstrahl in aller dieser matten Dämmerung abgeschmackter Vergnügungen, und unbefriedigender Gefühle, nur einen Sonnenstrahl: o Himmel ! und der erleuchtet jetzt wieder meine Seele. Was sprechen Sie von Demüthigung: Reine, erhabne Frau ! glauben Sie, daß in meinen Augen, irgend ein böses Gerücht, was Sie angeht, die geringste Realität hat ? Was sprechen Sie von: P a r t h i e n e h m e n: meynen Sie denn, daß in der unbegränzten Verehrung, die jeder der es vor mir wagt, Ihren Nahmen zu nennen, in meiner Mien lesen, im Ton meiner Stimme hören, in jedem meiner Worte erkennen muß, nicht alles das liegt, was jeden Verläumder augenblicklich verstummen laßen muß ? In meiner Gegenwart, hat man es nur ein einziges Mal gewagt, Sie anzugreifen: zum Trost für Sie; daß Ihnen dieser Angriff unschädlich war, und h ö c h s t g l e i c h g ü l t i g seyn kan: Aber weh mir ! weh m i r, daß ich ihn anhören mußte, - und - daß ich Sie nicht vertheidigen durfte - Dies traurige Räthsel gehört nicht für die Entwicklung eines Briefes - am wenigsten für den gegenwärtigen. Vergeßen sey die Vergangenheit, wie sie verschwunden ist ! Laßen Sie uns für die Zukunft leben, und glücklich // leben. Ich kan nie ganz unglücklich werden, so lange ich Sie noch in der Welt weis: kan ich durch die Anspannung meiner letzten Kräfte zu Ihrer Glückseeligkeit beytragen, so wollte ich sie daran wagen. O laßen Sie mich hinzusetzen, was ich, selbst im heftigsten Rausch der Liebe nie gesagt habe, um den Schein übertriebner Leidenschaften zu vermeiden: Ich könnte sterben für Sie, wenn ich Sie glücklich zu machen wüste. Hier sey also aufs neue stärker, lebhafter als jemals, in aller frischen Schönheit ihrer ersten Entstehung, unsre unvergängliche Freundschaft beschworen. Aus den wenigen Zeilen Ihrer Hand die hier vor mir liegen, sehe ich schon, daß Sie dies neue Bündniß eingehen werden. Und nun - nun soll es auch, wenigstens in meiner Brust, blos dem Tode weichen. Den Schluß Ihres Briefes: "a u c h w e n n S i e e s n i c h t m e h r, w i e s o n s t, w ü n s c h t e n," - vergebe ich Ihnen. Ich selbst habe ihn durch mein Betragen diktirt: ich allein bin die Ursach, ich allein trage die ganze Schuld, der gewaltigen Trennung, die zwischen uns entstanden war. Ich will sie mein ganzes Leben hindurch auszubüßen suchen. Schreiben Sie mir bald, und laßen Sie die glücklichen Empfindungen, die Sie in mir aufs neue angezündet haben, nicht erkalten. O Gott ! wie wäre das aber möglich ? Gentze Berlin den 8ten Märtz. 1788.H: Jagellonische Bibliothek, Krakau. Sammlung Varnhagen, Karton 66. 2 Bl., F: 229mm x 186mm; 4 eighd. beschr. Seiten. D: Wittichen/Salzer, Briefe, I, Nr. 26, 108-110 (falsche Datierung).