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Ottenfels-Gschwind, Franz von ; Gentz
Von Franz von Ottenfels-Gschwind, Konstantinopel, 24. März 1823, HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 30a, Konvolut 1922.g., Bl. 15-18v 1823

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id297
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Ottenfels-Gschwind, Franz von
Addressee of letter
Gentz
LocationKonstantinopel
Date24. März 1823
Handwritten recordHDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 30a, Konvolut 1922.g., Bl. 15-18v
Size/Extent of item8 eighd. beschr Seiten
IncipitDrey Briefe auf einmal von Ihnen
Type of letterBriefe an Gentz
Digital item: TextVon Franz von Ottenfels-Gschwind Konstantinopel, 24. März 1823 Constantinopel den 24ten März 1823. Hochschätzbarer Freund ! Drey Briefe auf einmal von Ihnen ! und welche Briefe, wie soll ich diesen Beweis Ihres freundschaftlichen Vertrauens, ich wage es hinzuzufügen, Ihrer Achtung, erkennen und vergelten ? Andere rechnen es sich zur Ehre wenn sie nur eine Zeile von Ihrer Hand aufzuweisen haben, ich darf mir also schon etwas darauf zu Gute halten, daß Sie mich würdig achten, mir manche Stunde zu schenken, und Worte des schmeichelhaftesten Vertrauens an mich zu richten. Aber wo soll ich beginnen, wo soll ich aufhören, denn Ihre Blätter enthalten so reichen Stoff daß ich wahrlich verlegen bin Alles gehörig zu ordnen um nichts zu übergehen ? Ich will daher den Faden dort wieder anknüpfen wo ich ihn in meinem letzten Schreiben vom 25ten Februar abgerissen habe. Daß Sie durch den ausserordentlichen Courier vom 28ten Februar nichts von mir erhielten, hatte eine ganz besondere Ursache, deren Rückkehr ich mir nicht wieder wünsche. Ich war schon mit meiner Expedition am 28ten fertig als mich Lord Strangford ersuchen ließ die Abfertigung des Couriers bis zum folgenden Mittag zu verschieben weil er unmöglich eher // mit allen seinen Schreibereyen zu Ende kommen könne. Ich wollte eben den Vormittag des 1ten Maerz dazu verwenden an Sie zu schreiben und mich mit Ihnen über unsern ersten Erfolg in der Negotiazion zu freuen als gegenüber von unserem Palais jene furchtbare Feuersbrunst ausbrach, deren Schilderung Sie bereits in meinen Berichten vom 10ten Maerz umständlich gelesen haben werden. Ich gestehe Ihnen daß es Augenblicke gab, wo es uns ziemlich heiß ward, und Rauch und Dampf bis in mein Cabinet herüber drangen. Da hieß es Hand ans Werk legen um nicht zu verbrennen, und meine erste Sorge war den Courier fortzuschaffen, denn wer wußte was nachkommen konnte da sich der Wind so oft änderte. Der Tag vergieng noch leidentlich, so zwar daß ich Lord Strangford mit seiner ganzen Mission zu Mittag bequem traktiren konnte; freylich hatte ich bey der Einladung nicht darauf gerechnet ihm ein so schrecklich erhabenes Schauspiel eines Feuerwerks das alle meine Zimmer wie am Tage erhellte zu geben. Abends näherte sich die Gefahr abermals und wir hatten bis gegen den hellen Morgen zu thun um solche hindanzuhalten. Sollten Sie es wohl glauben, kaum sind drey Wochen seit jenem Unglücksfalle verstrichen und schon erheben sich von allen Seiten aus der Brandstätte Häuser und Wohnungen wie ehedem, ebenso leichte Speise des unersättlichen // Elements wie die früheren. Dieß Volk läßt nun einmal nicht von seiner alten Art und Unart. Haben wir von dieser Seite keine Aenderung zu hoffen, so hat dagegen die politische Seite sich in mancher Hinsicht ins Bessere geändert. Ich glaube wir werden in der Negotiazion auf keine bedeutenden Hindernisse mehr stossen, wenn nicht etwa Russischer Seits neue Schwierigkeiten erhoben werden sollten. Das beste wäre wenn die demarche de courtoisie die Absendung des Herrn Antonie Fonton nach Constantinople beschleunigte, dann würde manches Hinderniß beseitigt, und den Insurgenten vollends die Augen geöfnet werden. Sie haben mir einen interessanten Auszug Ihrer Depesche an Fürsten Ghica vom 18ten Februar mitzutheilen die Güte gehabt. Daß die vortreflichen Bemerkungen über die Folgen welche die Widersetzlichkeit der Pforte gegen alle Vorschläge Rußlands nach sich ziehen würde nicht mehr an der Zeit waren, indem die demarche de courtoisie glücklicher Weise schon gemacht war, schadet nichts, es kann für die folgenden Propositionen frommen. Ich bin überzeugt daß Ghica Ihre Depeche bona fide und telle quelle anher mitgetheilt hat. Denn zwey Tage vor Ankunft der Post langte hier ein Courier des Fürsten an, nach dessen Ankunft der Agent des Fürsten sich sogleich zur Pforte begab, und ihr Depeschen Ghicas // überreichte die dem Pfortendollmetscher zur Uibersetzung gegeben wurden. Dieser vertraute bald darauf unserem Ersten Dollmetscher daß der Fürst der Wallachey stäts zu Gunsten Oestreichs schreibe, und daß seine Einberichtungen sehr viel zu der günstigen Stimmung der Pforte beygetragen haben. Sie sehen also werthester Freund daß wir Minister hier uns nicht gar zu viel auf unser Verdienst bey der Sache zu Guten thun dürfen. Aber daran liegt im Grund auch nicht so viel, wenn nur das Gute geschieht, es sey durch wen immer, so bin ichs zufrieden. Nun wenden Sie doch ja Ihre ganze Beredsamkeit an um die Pforte zu überzeugen daß wir nur ihren Vortheil suchen indem wir ihr rathen den fremden Flaggen die freye Schiffahrt auf dem Schwarzen Meere zu gestatten; Sie werden aus meinen bisherigen Berichten ersehen haben daß <wir> die Navigationsfrage gar nicht als eine Russische Forderung sondern als eine Art Conzession und Gelegenheit zu Vortheilen für die ottomanischen Finanzen vorgestellt haben. Wie viel Eingang Ihre Rethorik bey dem Türkischen Ministerium finde, werden Sie aus den Äusserungen des Reis Efendi gegen Herrn Testa über die sekondaire Rolle Oestreichs in diesen Verhandlungen, entnommen haben; denn so wenig ich den Türkischen Ministern auch gesunden Menschenverstand absprechen // kann so ist es doch klar daß eine solche Idee nicht in ihren Köpfen entspringen konnte. Wohl aber möchte ich in Abrede stellen, daß die herrlichen Briefe die Ihnen Fürst Ghica schreibt, nicht auf seinem Grund und Boden gewachsen sind, denn dazu halte ich ihn doch nicht fähig wenn ich auch nicht dem Vortheile Fleischhackls über ihn beystimme. Wer aber dieser Wundermann seyn könne ist mir noch ein Geheimniß. Uibrigens können Sie darauf zählen daß ich Ghica bey der Pforte so oft nur möglich das Wort rede; er weiß es auch und erkennt es. Indessen habe ich doch in einer Angelegenheit wo der oesterreichische Unterthan Constantin Popp beeinträchtiget zu werden fürchtet, beschwerde führen müssen. Dieß kommt aber nicht sowohl von dem Fürsten selbst, sondern von einem sichern Philippo Lentzo her, der nichts weiter als ein elender Bastard und habsüchtiger Ränkemacher ist, der großen Einfluß hat, und noch von Halet Efendis Zeit her sich erhält. Fleischhackl kann Ihnen mehr über ihn sagen. Zu rathen wäre aber dem Fürsten, und Sie können ihm als sein erster Minister ja wohl einen guthen Rath ertheilen, daß er diesem Menschen der hier und in Bucarest allgemein verachtet ist, nicht zu viel traue und einräume. Uibrigens erlaube ich mir aber auch Sie zu bitten sich so viel wie möglich der Zudringlichkeiten Ghicas in seinen Privatange//legenheiten zu erwehren weil Sie sonst in ein wahres Labyrinth verflochten werden. Die Herren schlagen gleich Lärm, oft ohne Grund was ich schon ein paarmal erprobt habe. Unter diese Rubrike gehört auch jene der Schaafeinkäufer wovon mir nichts bekannt war, und worüber ich mich jeder Einschreitung enthalten muß um meinem Grundsatze getreu zu bleiben keine Ingerence dans leurs affaires internes mir zu Last legen zu lassen. Auf Ihre Anfrage in Betref des Englischen Consuls Meyer in Prevesa kann ich Ihnen sagen, daß ich diesen Mann noch von der Zeit Mister Adair's her sehr wohl kenne; er war damals hier sein Secretair und ist mir als ein sehr geschickter, thätiger und tüchtiger Arbeiter wohl bekannt; seine Berichte, wovon ich erst neulich einen mittheilte, beweisen es hinlänglich, was auch unser großmauliger Herr Weiss von ihm sagen mag. Er scheint mir auch unserem braven Zen in Zante nicht geneigt zu seyn, und möchte sich gerne mit seinen Federn schmücken. Zen verdient wirklich daß bey der Organisation der Consulate in der Levante auf ihn Bedacht genommen werde; er hat sehr viel eingebüßt, ohne Klagen zu erheben.Eine andere Ihrer Anfragen betrift den Spectateur oriental und dessen Redaction. Daß der elende Rassenet // daran dermalen noch einen Antheil habe, bezweifle ich sehr. Meines Wissens ist ein sicherer Monsieur Tricon den ich ehedem auch hier kannte der Hauptredakteur der bessern Artikel. Ich werde nächstens bestimmte Auskünfte hierüber aus Smyrna erhalten. Ich habe unter Hand der Redaction des Spectateur antragen lassen, daß ich bereit wäre ein kleines Opfer nicht zu scheuen um dem Blatte ein besseres Aeussere und größere Correction zu verschaffen; durch diesen indirekten Antrag hoffe ich auf die Erhaltung des bisherigen guten Geistes dieses Blattes zu wirken, was itz wo die Sachen der Griechen besser gehen, um so nothwendiger ist. Die Aufklärung über den Renegaten Samuskasch hat Lord Strangford zwar einigermassen beschwichtiget aber nicht zum Stillschweigen gebracht, und ich stehe nicht dafür daß er Sie nicht noch öfters mit seiner satyrischen Laune über diesen Punkt aufzieht. Gar vieles hätte ich noch über Ihre werthen Schreiben zu sagen; tausend Dank für die Aufschlüsse zu entrichten die Sie mir über die allgemeine Lage der Dinge, über <die> Politik Englands und die Spanischen Angelegenheiten mitzutheilen die Güte haben; aber da müßten mir noch einige Stunden mehr zu Gebote stehen als dieß heute der Fall ist. Für dießmal beschränke ich mich darauf Ihnen zu gestehen, wie sehr ich mich [über] durch das // günstige Urtheil welches Sie über einige meiner Berichte und Ausarbeitungen fällen, geschmeichelt und ermuntert fühle. Wenn man versichert ist den wahren Gesichtspunkt gefunden und den Sinn des Ministers verstanden zu haben, wie der Fürst sich gnädigst gegen mich äussert, so arbeitet man mit Zufriedenheit und Freude. Uiber die Janitscharen sage ich Ihnen heute nichts; Sie müssen bereits überzeugt seyn daß das Schreckbild welches die Liberalen von ihnen zu entwerfen bemüht sind, ein leeres Trugbild ist. Ich baue große Hoffnungen auf den neuen Großvezier. Nun muß ich nur noch bemerken daß ich wieder eine Portion ächten Mocca dessen Körner alle ausgesucht sind, aufgetrieben habe. Sie erhalten heute davon eine Portion die nicht die Letzte seyn wird. Ich wage es kaum Sie zu bitten mir öfters durch Ihre so höchst interessanten Mittheilungen Muth und Leben zu geben; ich ordne diese Bitte den höhern Pflichten und Beschäftigungen unter, die auf Ihnen lasten. Ich verbleibe mit dankbarer Verehrung und Hochachtung Ihr aufrichtig ergebenerOttenfels Eighd. Präsenzvermerk von Gentz: acc: 16 April H: ZDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 30a, Konvolut 1922.g., Bl. 15-18v. x Bl., F: ; 8 eighd. beschr Seiten. D: bisher ungedruckt.