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Gentz ; Leiden, Carl
An Carl Leiden, Salzburg, 4. Oktober 1822, Wienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. [?] 1822

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id2773
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Leiden, Carl
LocationSalzburg
Date4. Oktober 1822
Handwritten recordWienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. [?]
Size/Extent of item1 Bl., 2 eighd. beschr. Seiten
IncipitIch kan nicht umhin, lieber Carl
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Carl Leiden Salzburg, 4. Oktober 1822 Salzburg den 4 Oktober. Ich kan nicht umhin, lieber Carl, Dir von hier ein Paar Worte zu schreiben, weil ich weiß, daß es Dir Freude machen wird. Ich bin Mittwoch den 2ten gegen Mittag hier angekommen, nach einer Reise, die ich wie eine schöne Spatzierfahrt betrachte. Das Wetter unbeschreiblich schön, die Straßen im vollkommensten Stande, und mein r e s t a u r i r t e r Englischer Wagen, das Non plus ultra aller Votreflichkeit. Die 1100 Gulden Wiener Währung die diese Operation mich gekostet hat, halte ich für eine der klügsten, nützlichsten Ausgaben, die ich je gemacht. Mein Körper und mein Geist haben dabey nicht wenig gewonnen; die Reise war vielmehr eine Cur, als eine Anstrengung. Von dem Genuß, der uns in Salzburg erwartete, hatte Niemand vorher eine Idee. Daß wir hier zu Anfang des Oktobers den Monat August wieder finden würden, das ließen wir uns nicht träumen. Der Anblick der Natur, die Ueppigkeit der Vegetation, die Milde oder vielmehr Wärme der Luft, die stets gleichförmige Heiterkeit des Himmels - es ist alles kaum zu beschreiben. Du weißt, wie sehr ich dies Salzburg liebe; aber in einem größern Reitz als diesmal habe ich es noch nie gesehen. Selbst die Spuren des Herbstes, die veränderten Farben einiger Bäume, tragen zur Verschönerung des Ganzen bey, während Wiesen und Felder im ganzen Schmuck des hohen Sommers prangen. Die Herren, welche die Reise mit uns gemacht haben (der größre Theil des Congreß-Personals geht auf dem Wege // über Klagenfurt nach Verona) Graf Bernstorff, Nesselrode, Lebzeltern pp sind alle vor Entzücken so außer sich, daß wir da hier ohnehin nur vorläufige Betrachtungen Statt finden konnten, einen sehr großen Theil des Tages auf Spatzierfahrten verwenden. Gestern waren wir alle in Aige. Heute habe ich Nesselrode, Lieven, Woronzoff, Lebzeltern nach dem Paß Lueg geschickt, von da sie eben im höchsten Enthusiasmus zurückkehren. Morgen um 12 Uhr gehe ich von hier nach Reichenhall, und bleibe über Nacht in Unken. Den folgenden Tag fahre ich so weit als ich kommen kan, und denke Montag gegen Mittag in Inspruck zu seyn. Dort halten wir uns abermals 2 oder 3 Tage auf. Dies ist freylich eine ganz andre Reise, als die im [Winter] Januar 1821 nach Laybach.Ich habe unterwegens sehr oft an Dich gedacht. Deine Gegenwart wäre mir in mancher Stunde sehr willkommen. Das Leben ist nun aber einmal eine Kette von Schicksalen, und von Pflichten, denen man sich unterwerfen muß; und Deine Reise war eine nothwendige Bedingung Deines künftigen Wohls. Alle Sehnsucht muß hier schweigen. Seit gestern ist der Kayser hier, und morgen kömmt der Kayser von Rußland. Wellington, dem ich in St. Pölten begegnete, ist kaum zwölf Stunden vor der Abreise des Fürsten in Wien eingetroffen. Er geht nun, wie auch Lord Strangford, der in weniger als 14 Tagen die Reise von Constantinopel nach Wien gemacht hat, über Klagenfurt nach Verona, wo halb Europa versammelt seyn wird. Adieu, Mein liebes und geliebtes Kind ! Von Verona aus meine fernern Schicksale. Gentz. H: Wiener Stadt- und Landesbibliothek, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 1 Bl., F.: ; 2 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.