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Gentz ; Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
An Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha, Wien, 12. Februar 1830, Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?] 1830

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id2723
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
LocationWien
Date12. Februar 1830
Handwritten recordUngarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?]
Size/Extent of item7 ½ eighd. beschr. Seiten
IncipitDer Aufsatz im Quarterly Review
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha Wien, 12. Februar 1830 Wien den 12 Februar 1830 Mein Theuerster Fürst ! Der Aufsatz im Quarterly Review, den ich mit Ihrem huldreichen Schreiben vom 23ten v. M. erhielt, hat einen tiefen Eindruck auf mich gemacht. Ich bin gegen die Declamationen der Zeit-Schriftsteller so abgehärtet, daß ihre täglichen Klagen, Drohungen, und Invectiven mich wenig affiziren; und ich war bisher vielleicht zu geneigt, zu glauben, daß die fürchterlichen Schilderungen der allgemeinen Noth, von welchen seit einigen Monaten alle Englische Blätter, mit alleiniger Ausnahme des (not very respectable) Couriers voll waren, theils aus fabelhaften Uebertreibungen, theils aus persönlichem Haß gegen die Minister herrührten. Aber die gemäßigte und anständige Sprache die in jenem Aufsatze herrscht, die gänzliche Abwesenheit jeder liberalen Tendenz, und die allenthalben sichtbaren Spuren, einer gegen das jetzige Ministerium, und nahmentlich gegen den Herzog von Wellington nichts weniger als feindseligen Gesinung, haben mich wirklich erschreckt. Die häufigen Zusammenkünfte in einzelnen Grafschaften, und die daraus hervorgehenden Petitionen scheinen mir ebenfalls // starke Symptome einer weit verbreiteten Unzufriedenheit; und ich gestehe Ihnen, daß ich der nächsten Parlaments-Sitzung nicht ohne geheime Bangigkeit entgegen sehe. Zwey Umstände beruhigen mich. E i n m a l, daß der Credit des Herzogs von Wellington, ungeachtet der wütenden Angriffe in den Journalen der Tory-Opposition, und ungeachtet meiner eignen Zweifel an der Zulänglichkeit seiner ministeriellen Talente in einer so schweren Crisis, noch unerschüttert scheint, und daß folglich, was auch geschehen mag, eine Ministerial-Revoluzion, an die ich ohne Furcht und Zittern nicht denken kan, nicht zu besorgen ist. Z w e y t e n s, daß bey dem Uebergewicht, welches in dieser Sitzung, die i n n e r n Angelegenheiten unausbleiblich behaupten werden, die Verwaltung der a u s w ä r t i g e n, das heißt, die schwächste und verwundbarste Partie der jetzigen Administration wenig oder gar nicht zur Sprache kommen wird. Lord Cowley war noch neuerlich nicht ohne Besorgnisse über diesen Punkt. Diese theile ich aber nicht; und sollte auch etwa ein Lord Holland, // oder ein Mackintosh Lust haben, die Minister auf dieser Stelle anzugreifen, so erwarte ich davon keine weitre schlimme Folgen.Da das Parlament am 4ten eröfnet werden sollte, so werden allem Vermuthen nach, in 4 oder 5 Tagen Berichte von Ihnen eingehen, auf welche ich mich besonders freue, weil Sie in Ihrer letzten Expedition Ihre Ansichten von dem innern Zustande Englands angekündiget haben, die über diese mehr als jemals wichtige Frage gewiß viel Licht verbreiten werden. Meine persönlichen Wünsche und Sorgen konnten wohl nicht leicht in einen ungünstigern Zeitpunkt fallen. Hätte man mich so behandelt, wie ich durch eine lange Reihe früherer Jahre in England behandelt zu werden gewohnt war, so würde ich nicht anderthalb Jahre lang ohne eine entscheidende Antwort geblieben seyn. Jetzt sind die Minister, wie ich nur zu sehr fürchte, in ihre eignen Geschäfte so sehr vergraben, daß sie kaum Zeit finden werden, an einen alten, verlaßnen Clienten zu denken; und vielleicht werden selbst die Finanz-Bedrängnisse einen Grund oder Vorwand hergeben müßen, um mein // Anliegen zu beseitigen. Ich weiß wohl, daß das, was ich begehre, ein höchst unbedeutendes Gewicht in die große Wagschale werfen kan; und ich kan mir auch kaum denken, daß Arbuthnot's frühere Verheißungen ganz unerfüllt bleiben sollten. Nichts desto weniger, Mein Fürst, würde ich es nicht nur als einen unvergeßlichen Beweis Ihres Wohlwollens, sondern auch als einen wahren Coup de maitre betrachten, wenn Sie unter den gegenwärtigen Conjunkturen, das, was Sie so großmüthig und rühmlich begonnen haben, durchsetzen könnten. In meinem Schreiben vom 16ten v. M. welches Sie am 23ten noch nicht haben konnten, habe ich Ihnen meine Lage umständlich aus einander gesetzt; und ich schmeichle mir noch immer, daß der Versuch in Windsor nicht ganz erfolglos ausgefallen seyn wird. Vergeben Sie mir daher, wenn ich Ihnen das bis dat qui cito dat, und die Idus Martii von neuem ins Gedächtniß zurück rufe; und erlauben Sie mir, selbst in dem Fall, daß Ihre Antwort auf jenes Schreiben meinen Wünschen // und dringenden Bedürfnissen nicht entsprechen sollte, an einem endlichen Succeß nicht zu verzweifeln. Sie haben vermuthlich schon gehört, was mit Moritz Dietrichstein vorgeht. Er hat um Leontinen angehalten; und in so fern ihre eigne Neigung und ihr eigner Entschluß hiebey concurrirt, stehen seine Actien so erwünscht als möglich. Der Fürst will ihm ungemein wohl; die Verdienste, die er sich um den armen Victor, besonders in den letzten Monaten seines Lebens erworben hat, waren von der Art, daß sie auf das Vaterherz mächtig wirken mußten. Auch ist sein Antrag, trotz der großen Schwierigkeiten, die seine geringen Vermögens-Umstände nothwendig der Sache in den Weg legen mußten, mit vieler Güte und Milde aufgenommen worden. Indessen hat der Fürst den in jeder Rücksicht weisen Entschluß gefaßt, diese geliebte, und sehr liebenswürdige Tochter nicht vor ihrem zurückgelegten 20ten Jahre zu verheyrathen; und Dietrichstein muß daher noch anderthalb Jahre vergehen laßen, ehe irgend ein ernsthafter Schritt zur Erfüllung seines Wunsches geschehen kan. Ob er, und Leontine, diese lange und schwere Probe-//Zeit mit unveränderten Gesinungen überstehen werden, ist die erste, immer etwas kritische Frage. Dann wird es ferner darauf ankommen, was in der Zwischenzeit, oder nach Ablauf des Termins wird geschehen können, um ihm ein hinreichendes Etablissement zu verschaffen. Er ist ein Mensch voll guter Eigenschaften und für den ich mich lebhaft interessire. Ich weiß, daß er auch bey Ihnen in Gnaden steht, und er ist mit Recht stolz darauf. Ich hoffe also, Sie werden ihm in seiner jetzigen Lage, Ihren fernern Schutz nicht versagen. Ich glaube, er wird in den letzten Tagen dieses Monats nach London zurückkehren. Neumann's Mißmuth wird durch die ihm verliehne Decoration hoffentlich e i n i g e r m a ß e n gemildert werden. Was Sie in einem Ihrer letzten Berichte über die Bereitwilligkeit des Prinzen Leopold, nach Griechenland zu gehen, gesagt haben, erklärt mir noch immer nicht diesen seinen räthselhaften Entschluß; denn, so wie ich ihn sonst kannte, hätte ich schlechterdings nicht geglaubt, daß er einem reinen Hirngespinst übel verstandnen Ehrgeitzes, seine ganze glückliche Existenz aufopfern // sollte. Ich bitte Sie daher auch, Mein Fürst, mir gelegentlich über die wahren Triebfedern dieser unbegreiflichen Thorheit noch einigen Aufschluß zu geben. Wenn übrigens Prinz Leopold, wie ich vermuthe, seine herrlichen Gewächshäuser eingehen laßen sollte, so wünsche ich, daß er mir vorher noch einige hübsche exotische Pflanzen verehren mögte; und, wenn Sie allenfalls die Gnade hätten, ihm diesen Wunsch vorzutragen, so bin ich gewiß, daß Er demselben Gehör geben würde. Der d r e y f a c h e n Hof-Trauer ungeachtet, gehen die Bälle und Maskeraden des Carnevals ihren gewöhnlichen Gang; und da, nach einem der strengsten Winter, die wir je erlebt haben, seit drey Tagen Tauwetter eingetreten ist, so befinden sich wenigstens die Pferde etwas besser bey den nächtlichen Vergnügungen. - An Rayneval haben wir für die Geschäfte eine sehr gute Acquisition gemacht. In Rücksicht auf persönlichen Umgang war der Prince-Duc m i r lieber. Ich hatte mich mit seinen vielfältigen Bizarrerien ausgesöhnt, und so wenig dies auch mit dem allgemeinen Urteil // übereinstimmen mag, so können Sie mir doch glauben, daß man bey näherer Bekanntschaft auch manche sehr angenehme Seite in ihm findet. Der Fürst [hat] ist mit allem Recht froh, von ihm erlöset zu seyn; denn in den Geschäften war er durchaus unerträglich. Ich empfehle mich Ihrer fernern Güte und Protection, Mein Theuerster Fürst, und erwarte mit wahrem Verlangen Ihre nächsten Zuschriften anIhren treu-ergebnen Diener Gentz H: Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, x Bl., F: ; 7 ½ eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.