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Gentz ; Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
An Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha, Wien, 25. Februar 1823, Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?] 1823

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id2615
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
LocationWien
Date25. Februar 1823
Handwritten recordUngarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?]
Size/Extent of item4 ½ eighd. beschr. Seiten
IncipitIch danke Ihnen, Mein Theurer Fürst
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha Wien, 25. Februar 1823 Wien den 25 Februar 1823 Ich danke Ihnen, Mein Theurer Fürst, daß Sie Sich meiner huld- und liebreich erinnert haben. Der diesjährige State of the nation ist, nach meinem Urteil, b e s s e r abgefaßt als der erste. Freylich ist auch in dem neusten manches schwach, selbst die Lobreden auf die Finanz-Verwaltung nicht ohne Blößen, und die Darstellung der auswärtigen Politik lahm und verlegen. Diesem letzten Abschnitt aber fehlte es im vorjährigen Pamphlet fast am gesunden Menschen-Verstande. Wer frägt aber noch nach such stuff wenn er die Debatten am 4ten und Ihre Depeschen vom 7ten d. M. gelesen hat ! - Ich war durch eine unbedeutende Unpäßlichkeit ein Paar Tage genötiget, nicht auszugehen. Die Debatten las ich zuerst in Gagliani's Messenger, dann im Courier. Den folgenden Tag kam der Fürst Abends zu mir, und brachte Ihr Paket mit. Er bereitete mich auf eine betrübte Lectüre vor, und nach ein Paar Stunden ließ er mich mit Ihnen - und meinen schwarzen Gedanken allein. // Sie werden Sich gewiß erinnern, Mein Fürst, [ob] in welchem Tone ich Ihnen seit dem Herbst 1820 über England, und seine Stellung gegen Europa schrieb. Vielleicht haben Sie meine damaligen Aeußerungen übertrieben, vielleicht phantastisch gescholten. Als mit der Circular-Note vom 19 Januar 1821 der erste Donnerschlag aus diesen lange zusammen gezognen Wetterwolken fuhr, und ich einen Schrey des Entsetzens erhob, meynten Viele, fast alle noch, so arg sey es wohl nicht, es wären ja nur Worte, insgeheim wäre es anders gemeynt. Die Parlaments-Sitzung von 1821 lieferte Tag vor Tag den nachdrücklichsten Commentar zu jener Note; Niemand achtete darauf. Was habe ich nicht selbst in Verona noch hören, bekämpfen, und verschlucken müßen ? Nicht die Invectiven von Brougham bringen mich aus der Fassung; dieser brutale Kanzleystyl ist nicht neu. Aber die fürchterliche E i n s t i m m i g k e i t d e r G e s i n u n g e n in beyden Häusern ! Der Beytritt oder die Unterwerfung der Minister ! Die Erbärmlichkeit ihrer halben Apologien ! Und hinter dem allen ein Mann, der auf diesen bösen Stand der Dinge seine Herrschaft zu gründen // hofft, und der nur in dem Verhältnisse mächtiger seyn wird, in welchem er allen verderblichen Grundsätzen und Leidenschaften fröhnt ! Mein sehnlichster Wunsch wäre, die Französische Expedition gegen Spanien hintertreiben zu können, theils weil dadurch eine P a u s e in der Entwicklung der giftigen Stoffe, womit die Luft in England geschwängert ist, herbeygeführt würde, theils weil die Französischen Minister einer so halsbrechenden Unternehmung offenbar nicht gewachsen sind. Aber, wenn es auch dazu noch Mittel gäbe, würde der Kayser Alexander es gut heißen ? Würde er die Frage auch nur mit Ruhe überlegen, so lange ein Teufel, wie Pozzo, der nach dem Ausgange nicht frägt, wenn er im Getümmel nur eine Hauptfigur bleibt, sein Organ und sein Berichts-Erstatter in Paris ist ? Das politische System von Europa m u ß und w i r d eine neue Gestalt annehmen. D i e N o t h wird uns zum Bessern führen. Meine größte Furcht ist, daß wir uns noch lange, viel zu lange an einem oder dem andern Brett aus dem Schiffbruch des alten festhalten werden. // Ich hatte meine Gedanken über die B r a s i l i a n i s c h e Frage in einem sehr bestimmten Gutachten abgegeben. Dies wird man Ihnen, aber nicht in seiner Integrität, und in Begleitung einer Depesche mittheilen, in welcher Mercy (ohne bösen Willen) durch übel-verstandne, auf ein g a n z n e u e s P r o b l e m gar nicht anwendbare alte Skrupel, die Kraft meines Raisonnements halb zerstört. Meine arrière-pensée in der Sache war, daß wir uns höchstens pro forma mit England in Erörterungen darüber einlaßen, in der Wirklichkeit aber allein, und aus freyer Faust, eine Partey ergreifen sollten, für welche wir Rußland und Preußen sehr leicht gewinnen würden. Was haben wir, ich bitte Sie, in der Brasilianischen Frage mit den E n g l ä n d e r n gemein ? Für uns ist es eine Frage der D y n a s t i e, und dann des M o n a r c h i s c h e n P r i n z i p s gegen das demokratische. Für England ist es eine Frage der verwickeltsten P o l i t i k, des Handels-Interesse, des Colonial-Systems. W i r sind zwischen Portugal und Brasilien f r e y; die Engländer g e b u n d e n durch eine Menge von Traktaten, Garantien, ältere und neuere Engagements. W i r sehen in Portugal nichts als eine Usurpatoren-Rotte gegen welche Brasilien vollkommen zum Abfall befugt war; die E n g l ä n d e r eine rechtmäßige Regierung. - // Ich bitte Sie, mein Fürst, dieser Sache Ihre besondre Aufmerksamkeit zu schenken. - Ich werde, leider, gezwungen, hier abzubrechen, und muß, da ich zu spät erfahren, daß Hauptmann Bauer heute noch abgeht, schließen. Mit welcher Ungeduld ich aber Ihren nächsten Berichten entgegen sehe - denn an mich zu schreiben muthe ich Ihnen nicht einmal zu - das mögen Sie Selbst ermessen, und [mir] übrigens fortdauernd geneigt bleiben !Ihrem stets treu-ergebnen Diener Gentz. H: Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, x Bl., F: ; 4 ½ eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.