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Gentz ; Dietrichstein, Franz Joseph Fürst von
An Franz Joseph Fürst von Dietrichstein, Wien, 10. Januar 1817, Mährisches Landesarchiv, Brünn. FA Dietrichstein, G 140, Karton 580, Inv.-Nr. 2446/52, Bl. [?] 1817

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id2565
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Dietrichstein, Franz Joseph Fürst von
AusstellungsortWien
Datum10. Januar 1817
Handschriftl. ÜberlieferungMährisches Landesarchiv, Brünn. FA Dietrichstein, G 140, Karton 580, Inv.-Nr. 2446/52, Bl. [?]
Format/Umfang4 eighd. beschr. Seiten
IncipitPanin hatte sich bey mir zum Essen
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Franz Joseph Fürst von Dietrichstein Wien, 10. Januar 1817 Panin hatte sich bey mir zum Essen angemeldet, und wir hatten uns eben zu Tische gesetzt, als ich Ihr Billet erhielt. Da ich voraus sah, daß ich vor 7 Uhr nicht allein seyn würde, so brachte mich dieser Umstand um die Hoffnung, mich mit Ihnen eine Stunde lang zu unterhalten. Metternich mit welchem ich einige Tage gemault hatte, ließ mich diesen Morgen rufen, und gab mir ein vom Kayser mittelst Handschreibens ihm zum Gutachten übersendetes sogenanntes C o n f e r e n z - S t ü c k, bestehend in einem Vortrag von Stadion über die Anordnung eines neuen Tilgungs-Fonds für die gesammte verzinsliche Schuld, nebst einem durchaus zustimmenden Votum der Conferenz - die N B bloß aus Zichy, Stadion, Lederer, Kübeck und Pillersdorff bestanden hatte. Die Sache selbst ist keinem Bedenken unterworfen, und über die Mittel, dem Tilgungs-//Fonds zureichende Dotation zu verschaffen, werde ich Ihnen später das Weitre mittheilen. Der wichtige Punkt aber, den Metternich bey dieser Gelegenheit zur Sprache <bringen> will, betrift die Art, wie die Maßregel zur Kenntniß des Publicums gebracht werden soll. Denn Stadions Vortrage ist nehmlich ein ganz gemeiner Patents-Entwurf beygelegt, worin bloß von den Dispositionen in Bezug auf den Tilgungs-Fonds die Rede ist. Hiegegen verlangt Metternich - und zwar mit großem Recht - man solle die Veranlaßung benutzen, um dem Publicum bestimmt zu sagen, wie es heute mit der g e s a m m t e n V e r z i n s l i c h e n u n d u n v e r z i n s l i c h e n S c h u l d steht, wie hoch sich eine und die andre am 1ten Juny année courante <belief> wie hoch heute, und wie der Tilgungs-Fond darauf wirken würde. Sie können Sich leicht vorstellen, daß ich dieser Idee sogleich, // auch ehe ich noch die Vorträge gelesen hatte, meinen vollen Beyfall gab; und Metternich s c h i e n fest entschlossen, sie bey dem Kayser durchzusetzen. Er besorgt aber den größten Widerstand von Seiten Stadions, der ihm übrigens, nach seiner gewohnten Manier, von der ganzen Sache kein Wort gesagt hat. Vorläufig ich nun verabredet, daß ich ihm Morgen früh meine Meynung [xxx] summarisch [xxx] mittheilen, und sodann ein schriftliches Gutachten, nebst einem Entwurf pp abgeben soll. Metternich ist nun völlig überzeugt, 1, daß auch die besten Maßregeln für die Zukunft völlig unwirksam sind, wenn man nicht s o g l e i c h, auf welchem Wege es auch seyn mag, den Credit und das Vertrauen wieder gewinnen kan. 2. Daß Stadions Kleinlichkeit und Eitelkeit ein unheilbares Uebel, und Nichts Wahrhaft Gutes von ihm zu erwarten ist. - Gleichwohl will er Nichts gegen ihn unternehmen, weil ihm jeder Schritt zu gewagt scheint, vermuthlich auch - weil er Stadion bisher beym Kayser zu sehr die Stange gehalten hat, um auf einmal // den Ton ändern zu können. Dies ist also das Neuste. Ich bitte Sie, Mein Fürst, wenn Sie zufällig Metternich sehen sollten, dieser Sache mit keinem Worte zu erwähnen. Sein Plan ist, mit Stadion der bis jetzt noch nicht weiß, daß Metternich die Geschäfte in Händen hat, einen Versuch zu machen, ob er ihn für seine Idee gewinnen kan, im Fall des Mißlingens aber, dem Kayser nichts desto weniger die Vorschläge zu thun, die Er für zweckmäßig hält. Es soll künftig jeden Samstag die gewöhnliche Soirée bey Metternich in einen Ball verwandelt werden; und Morgen ist der erste. Da ich das Vergnügen habe, Morgen bey Ihnen zu speisen, so werden wir uns wohl einige Augenblicke unterhalten können. Gentz. den 10ten Januar 1817. H: Mährisches Landesarchiv, Brünn. FA Dietrichstein, G 140, Karton 580, Inv.-Nr. 2446/52, Bl. [?] x Bl., F: ; 4 eighd. beschr. Seiten. Empfangsvermerk von Dietrichstein: 10' Jan. D: bisher ungedruckt.