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Gentz ; Hennings, August
An August Hennings, Berlin, 16. Februar 1799, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, Hamburg. Signatur [?] 1799

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id2479
Issuer of letter
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Gentz
Addressee of letter
Hennings, August
LocationBerlin
Date16. Februar 1799
Handwritten recordStaats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, Hamburg. Signatur [?]
Size/Extent of item4 abgeschr. Seiten
Places of printMendelssohn-Bartholdy, Karl: Friedrich Gentz. Vornehmlich in seinem Verhältniß zu Preußen, in: Zeitschrift für Preußische Geschichte und Landeskunde 5 (1868), 280-315, hier 290-292; Wittichen/Salzer, Briefe, I, Nr. 108, 317-319
IncipitIch erhielt vorgestern das Februar-Stück
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn August Hennings Berlin, 16. Februar 1799 Abschrift Hochwohlgeborener Herr ! Insonders Hochzuehrender Herr Kammerherr ! Ich erhielt vorgestern das Februar-Stück des G e n i u s d e r Z e i t und war über die unerwartete Art und Weise in welcher in diesem Stück über den ersten Aufsatz des ersten Hefts meines Historischen Journals gesprochen wird, so betroffen, daß ich mir vorgenommen hatte in dem nächsten Stücke dieses Journals eine kleine Rüge dieser seltsamen Rezension erscheinen zu laßen. Ich haße aber Schriftsteller-Streitigkeiten in so hohem Grade, und genau betrachtet, ist der Gegenstand, den ich hier angreifen müste, einer ernsthaften Behandlung so wenig werth, daß ich es zugleich zweckmäßiger und anständiger finde, mich gegen Erw. Hochwohlgebohren persönlich zu erklären. Daß unsere Grundsätze über Staatswißenschaftliche Gegenstände, und über die neuesten Weltbegebenheiten sehr von einander abweichen, wird Ihnen so bekannt seyn, als mir. Dieser Umstand kann aber, meines Erachtens, das Urtheil über den Werth schriftstellerischer Producte, oder über die Verdienste ihrer Verfaßer nicht alteriren. Vielleicht ist in der Geschichte der letzten zehn Jahre, die ich a u c h mit einigem Fleiß studirt zu haben // glaube, kein Faktum, welches ich aus eben dem Gesichtspuncte ansehe, als Sie: gleichwohl hat mich das nie gehindert, Ihrem Charakter und Ihren Schriften volle Gerechtigkeit widerfahren zu laßen: ich habe Sie stets als einen Mann von edler, freimüthiger, selbständiger Denkungsart, von großer Humanität, von warmem Eifer für das Beste der Menschheit und für das, was er als Wahrheit erkannte, von reiner Liebe zum Guten, und von einer Festigkeit der Grundsätze, die der Huldigung, jedes Denkenden würdig ist, geehrt. Der Gedanke, über irgend eine Ihrer Schriften, selbst über das, was ich absolut darin mißbilligte, in einem wegwerfenden Tone zu sprechen, wäre für mich ein empörender Gedanke gewesen, und ich würde mich geschämt haben, irgend Jemanden, der mit mir in einer und derselben Unternehmung arbeitete, über den flüchtigsten Ihrer Aufsätze so urtheilen zu laßen, wie in Ihrem Journal über mich geurtheilt worden ist. Sie werden leicht begreifen, daß mich eine Kritik, die sich lediglich darauf einschränkt, den ersten Paragraphen meiner Schrift mit einem faden Bonmot abzufertigen, nicht sonderlich kränken kann, und daß ich davon keine sehr furchtbare Folgen in der Meinung des Publikums besorge. Ich denke nicht einmal an das, was mich hiebei persönlich angeht. // Aber das Unternehmen selbst, einen Aufsatz, dem doch wenigstens jeder unterrichtete Leser ansehen mußte, daß er das Resultat eines reifen Nachdenkens war, einen Aufsatz, von dem nur erst die Einleitung erschien, den Sie ganz füglich unangezeigt laßen konnten, und über den ein nachdenkender Richter entweder geschwiegen, oder dissertirt haben würde, einen solchen Aufsatz, wie das Produkt des ersten besten unbedeutenden Tages-Skribenten mit drei Zeilen zu Boden schlagen zu wollen, scheint mir in solchem Grade illiberal, und der Achtung welche die Schriftsteller beßerer Art, zu welcher Parthei sie auch gehören mögen, einander schuldig sind, so wenig angemeßen, daß ich Ihnen wenigstens mein Erstaunen darüber nicht verbergen konnte. Sie werden diesen Schritt nicht misverstehen. Ich beabsichte dabey nichts, was mich intereßiren könnte. Ich verlange, und erwarte weder Ehrenerklärung noch Milderung, noch irgend eine weitere Erwähnung meines Nahmens. Ich vermeide sogar öffentlich über die Sache zu sprechen, damit nicht der entfernteste Verdacht einer beleidigten Eigenliebe auf mich falle. Bloß im Nahmen und zum Besten der algemeinen Sache der Schriftstellerei hielt ich es für Pflicht, Sie aufmerksam auf das, was mir ein Misbrauch der Kritik scheint, zu machen, laßen Sie meine Raisonnements widerlegen, zertrümmern, selbst - wenn Ihre Mitarbeiter die Lust dazu anwandelt - persifliren: nur gestatten Sie wenigstens, daß man sie zugleich lese und räumen Sie mir als einsichtsvoller und liebender Schriftsteller ein, daß ich den Grad der Verachtung nicht verdiene, mit welchem Ihr Rezensent mich, vielleicht ohne mich gelesen, g e w i ß ohne mich verstanden zu haben (wie schon das entschiedene Mißverständniß meiner sechs ersten Zeilen beweiset) zu Boden schlägt. Seyn Sie übrigens versichert, daß dieser Vorfall keinen weiteren Einfluß auf Gefühl und Ueberzeugung gegründeter Hochachtung haben wird, womit ich stets beharre Ew. Hochwohlgeboren Berlin den 16. Febr. ganz gehorsamster Diener 1799. Gentz H: Staats- und Universitätsbibliothek, Hamburg. Signatur x Bl., F: ; 4 abgeschr. Seiten.D: Mendelssohn-Bartholdy, Karl: Friedrich Gentz. Vornehmlich in seinem Verhältniß zu Preußen, In: Zeitschrift für Preußische Geschichte und Landeskunde 5 (1868), 280-315, hier 290-292. Wittichen/Salzer, Briefe, I., Nr. 108, 317-319.