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Gentz ; Graun, Elisabeth
An Elisabeth Graun, Königsberg, 10. März 1785, Jagellonische Bibliothek, Krakau. Sammlung Varnhagen, Karton 66 1785

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id2431
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Graun, Elisabeth
LocationKönigsberg
Date10. März 1785
Handwritten recordJagellonische Bibliothek, Krakau. Sammlung Varnhagen, Karton 66
Size/Extent of item2 Bl., F: 239mm x 186mm; 1 ½ eighd. beschr. Seiten
Places of printWittichen/Salzer, Briefe, I, Nr. 4, 16-18
IncipitMeinem Vorsatz und Versprechen gemäß
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Elisabeth Graun Königsberg, 10. März 1785 Meinem Vorsatz und Versprechen gemäß ist mein erster Gedanke beym heutigen Erwachen, an Sie, liebe, beste Frau Regierungs Räthinn, gerichtet gewesen; und daher will ich mir auch gleich das Vergnügen machen, Ihnen nach herzlicher Anerwünschung eines guten Morgens, das Resultat meiner gestrigen Advocatur zu übersenden. Ich hoffe, daß ich Madame Dengel völlig von dem überzeugt habe, was sie meiner Absicht und Ihrem Wunsche zufolge glauben sollte. Ueber eine Stunde habe ich von der unglüklichen Geschichte gesprochen. Dengel, der aber gestern ganz besonders eigensinnig war, hat noch einige Skrupel, die ich darum nicht widerlegen konnte, weil er für Gut fand, sie für sich zu behalten. Alle die Gründe, von Ihrer ersten Abneigung, von Ihrer jetzigen Unzufriedenheit, von Fahrenheits Besuch, vom Porzellain, alles das habe ich angeführt, und ob ich Ihre Parthie gut und tapfer verfochten habe, das wird Ihnen Madame Dengel am besten sagen können. Die angenehmste Nachricht, die ich Ihnen jetzt auftischen kan, ist die, daß Sie heute Vormittage, um welche Zeit Sie wollen, zu Dengels gehen und die Dengeln sprechen können. Sie ist bis Mittag zu Hause, und wird Sie erwarten. Gestern kam unter Andern zwischen mir und Dengel eine sonderbare Betrachtung aufs Tapet; es ward erzählt, daß heute <bey Fahrenheit> ein großes Diné wäre; und da entstand denn - aber blos unter uns beyden - die Frage, wie es denn wol käme, daß Fahrenheit, der um Sie nur auf dem Ball zu sehen, sich soviel Mühe gäbe, Sie nicht zu sich bitten ließe, und Sie überhaupt während der ganzen Abwesenheit Ihres Mannes nicht gebeten hätte ? Die Erklärung fiel denn ziemlich dahin aus, daß dem Kriegs Rath vermuthlich an Ihrer Gesellschaft noch unendlich viel mehr gelegen seyn müße, als der Frau Kriegs Räthinn. Neuer Wink allenfalls in der dornichten Untersuchung, die Ihnen heute noch das Herz beklemmen wird: Gehst du, wo M et P et S et K et G et et deiner warten ? Oder sitzest du in der ruhigen Hinterstube, wo du statt der // Angloisen und Quadrillen nur die Musik von Ferdinand und Georgchen hörst, statt der adlichen Damen nur die liebe, vortrefliche Dengeln siehst, und statt aller jener e t s mit Dengel, le Noble und Gentze zufrieden seyn mußt ? - Doch - diesmal wird denn wol die Höflichkeit Alles andre unterdrücken müßen.Wenn Sie Zeit, Ruhe, Gelegenheit, und vor allen Dingen L u s t haben, mir nur einige Zeilen zu antworten, so melden Sie mir doch gütigst, um welche Zeit Sie zu Dengels gehen wollten, und ob ich heute das Vergnügen Sie zu sprechen, oder Ihnen meinen Besuch abzustatten, erwarten darf. Münzmeisters haben für heute absagen laßen. Auch von diesem Gange sind Sie also auf heute dispensirt, und ich stehe nunmehr den ganzen Tag zu Ihren Befehlen - Befehlen Sie nicht bald Etwas ? O befehlen Sie doch ! Wenn ich eine Frau hätte wollte ich sagen, sie legte sich Ihnen zu Füßen, (das soll sie gewiß einst, und wäre sie des Mogols Tochter) so aber kan ich weiter keine Empfehlung machen als von Ihrem gehorsamsten Diener und aufrichtigstem Freunde den 10t. Märtz. 1785. Gentze. Seite 4: A n d i e F r a u R e g i e r u n g s - R ä t h i n n / G r a u n. Seite 3: Siegelrest. Blatt 2: Siegelausriß. H: Jagellonische Bibliothek, Krakau. Sammlung Varnhagen, Karton 66. 2 Bl., F: 239mm x 186mm; 1 ½ eighd. beschr. Seiten. D: Wittichen/Salzer, Briefe, I, Nr. 4, 16-18.