These titles were already interesting to you:

Gentz ; Ompteda, Ludwig Karl Georg von
An Ludwig Karl Georg von Ompteda, Prag, 11. Februar 1808, 1808

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id2225
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Ompteda, Ludwig Karl Georg von
LocationPrag
Date11. Februar 1808
Places of printOmpteda-Nachlass, II, Nr. 220, 247-350
IncipitGraf Westphalen reiset diese Nacht
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Ludwig Karl Georg von Ompteda Prag, 11. Februar 1808 Graf Westphalen reiset diese Nacht von hier nach Dreßden. Ich gebe ihm zwey Packete mit. Das eine ist das gegenwärtige. Das andere, viel größere, enthält meine Bemerkungen über die Russische Declaration und Englische Gegen-Declaration. Da ich aber Buol einmal bestimmt versprochen habe, ihm diese Piece mitzutheilen, so wird Westphalen sie fürs erste mit nach Dresden nehmen, von dort aber in 3 oder 4 Tagen zurückbringen und Ihnen überliefern. Er geht zwar in 3 oder 4 Tagen zurückbringen und Ihnen überliefern. Er geht zwar nicht unmittelbar über Teplitz, sondern nur über Culm, wird aber dafür sorgen, daß alles durch sichere Leute an Sie gelange. Von den Oberservations etc. habe ich nur diese eine correcte Abschrift: Seyn Sie also so gütig, mir dieselbe durch die erste sichere Gelegenheit, und sollte sich eine solche Gelegenheit nicht darbieten, bloß unter der Adresse des Grafen Kollowrat (des Stadthauptmanns) zurück zu senden. Was Sie hier unterdessen erhalten sind die Briefe, die mir Adair seit 4 Wochen geschrieben hat. Ich schicke sie Ihnen in doppelter Rücksicht; theils weil sie verschiedene sehr merkwürdige Data enthalten, theils auch, weil sie wesentlich zur Berichtigung unsers Urtheils über Adair gehören. Daß ich für diesen keine Liebe, kein Parteylichkeit haben kann, ergiebt sich von selbst aus der fundamentalen Verschiedenheit unsrer Ansichten der größten Welt-Probleme, aus s e i n e m Enthusiasmus für Fox, aus m e i n e r Ihnen bekannten tiefen Ueberzeugung von dem Unglück, welches dieser Oppositions-Chef und die seinigen über Europa gebracht haben. - Indessen kann nichts uns davon dispensiren, gerecht zu seyn; und ich glaube, wir haben Beide, Sie jedoch noch mehr als ich, diesen Adair in manchen Augenblicken zu strenge beurtheilt. Seine Briefe werden es Ihnen darthun. Was er sagt, ist Wahrheit; denn die Personen, die ihn am genausten gekannt und am sorgfältigsten beobachtet haben, erklären ihn für durchaus unfähig, zu lügen, oder zu dissimuliren. In langen und wichtigen Discussionen, die er zuweilen mit der Gräfin Wrbna und Pozzo di Borgo (den Sie gewiß dem Namen nach kennen) gehabt, und worin man ihn über verschiedene Artikel seiner Politik, hauptsächlich aber über den politischen Charakter seines Helden mehr als einmal aufs äußerste getrieben hat, gestand er oft, "daß Fox und seine Partey in vielen Stücken g a n z a n d e r s gehandelt haben würden, wenn sie die Continental-Verhältnisse so gekannt hätten, wie E r die jetzt kenne." - Dies Geständniß halte ich für eben so lehrreich als entscheidend. Seine h e u t i g e Ansicht der Dinge hat sich übrigens keinen Augenblick verleugnet. Bei jeder Gelegenheit erklärt er: "Si mes amis en agissent d'après des principes differens - j e m e s é p a r e d' e u x" -. Und wenn Sie ihn näher kennten - setzen die, die mir dies meldeten, hinzu - so würden Sie fühlen, was die Worte: "je me sépare d'eux, bei ihm sagen wollen. Was übrigens sein m i n i s t e r i e l l e s Betragen in Wien, von Seiten der G e s c h i c k l i c h k e i t betrifft, selbst von Seiten der Gesichtspunkte, die er in Ansehung der Behandlung des österreichischen Cabinets angenommen haben mag, - so will ich darüber mein Urteil suspendiren, bis ich einst noch vollständigen unterrichtet bin. - Mit verdruß und Erstaunen werden Sie aber sehen, wie so ganz er auch von seinem Ministerium verlassen war. Uebrigens wissen Sie nun schon, daß alle Friedens-Unterhandlungen rein zu Ende sind, und daß also der Krieg von neuem auf Tod und Leben fortgesetzt wird. Nach den glaubwürdigsten und zuverlässigsten Nachrichten, die ich darüber von Wien erhielt, m u ß ich es für gewiß halten (obgleich geheime Zweifel und Gegen-Ahndungen immer noch in mir kämpfen), daß die großen Projekte wider die Türken mit dem ersten Frühjahr zur Vollziehung gebracht werden sollen, u n d d a ß O e s t e r r e i c h d i r e k t e n T h e i l d a r a n n i m m t. - Die Türken sind nun auch schon ganz von ihrer tiefen Verblendung erwacht, machen ungeheure Anstalten zur Verteidigung, und suchen die Engländer - nachdem sie kaum vor 2 Monaten ihre Anträge von sich zu stoßen g e s c h i e n e n - in allen Meeren auf, um ihnen Aegypten, Morea, und Gott weiß was, als Preis ihres Beystandes anzubieten. Meine eigne, geheime V e r m u t h u n g ist jedoch, daß Paget in seiner Unterhandlung n i c h t scheiterte, daß e r dem Divan eigentlich die Augen geöffnet hat, und daß man ihn nur z u m S c h e i n abreisen ließ, unter der Hand aber schon durch ihn eine Negoziation mit England einleitete. Die Richtigkeit oder Unrichtigkeit dieser Conjektur wird sich bald ergeben, denn wenn sie gegründet ist, wird Bonaparte nicht ermangeln, die Türken öffentlich der Treulosigkeit anzuklagen; zu glücklich, doch wenigstens e i n e n Vorwand zu finden, unter welchen er sie angreifen kann. Welche fürchterliche Aussichten sich hier für Oesterreich aufthun, brauche ich Ihnen nicht anzudeuten. Der Auszug muß in jedem Falle schrecklich seyn. Leisten die Türken - wie ich es nicht bezweifle - einen desperaten Widerstand, so werden die österreichischen Provinzen, und namentlich Ungarn, die Zeche bezahlen. Siegen die andern zuletzt, so steckt die österreichische Monarchie in dem neuen Russisch-Französischen, oder vielmehr Rein-Französischen Reiche - wie ehemals A v i g n o n im französischen Gebiet. -Was helfen aber alle politischen Calcüls bei Leuten, die nun einmal ihre Partei genommen haben, und, da sie zu Grunde gehen m ü s s e n, lieber langsam und schmählich einen gewissen Tod, als kraftvoll und rühmlich einen ungewissen suchen wollen ! Nostitz hat mir viel von Ihnen erzählt. Er wird Sonntag nach Wien reisen; sehr zur rechten Zeit für mich, weil mir das ein sicheres Mittel giebt, meine - wohl für lange Zeit letzten - Briefe nach England zu befördern. W i e übrigens Adair von Wien fortkommen wird, begreife ich heute noch nicht, und er vermuthlich eben so wenig, weil kein englisches bewaffnetes Schiff für jetzt im Adriatischen Meer seyn soll. Gott verleihe nur Muth und Stärke, um das, was uns nun bevorsteht, zu ertragen. H a l b hat England schon gesiegt, durch die Größe und Ruhe, mit der es so viel drohende Schläge aufgenommen hat. Waren meine Hoffnungen nicht gegründet, wenn ich mir vondem gegenwärtigen Ministerium Gutes versprach ? - Freylich ist noch weithin bis zum Ende; aber das ist doch gewiß, daß, wenn sie nur so fortgehen, und das Land einig bleibt, der Ausgang ruhmvoll und glücklich seyn muß. Ich freue mich schon darauf. Sie, wenn das Wetter fortfährt so günstig zu seyn, nächstens in Teplitz zu überraschen. Ich erwartete jetzt nur mit großer Ungeduld die ersten sicheren Nachrichten von Kraus, der in der Mitte des Dezembers, wie ein in Wien angekommener Brief lehrt, von London abgegangen ist, ohne daß wir bisher erfahrenkonnten, welchen Weg er genommen, und welche Schicksale er gehabt hat. Wenn Frau von Ompteda, wie ich aus Nostitzischen Aeußerungen schließe, daß Prag doch wieder ein b e s o n d e r e s Interesse für mich hat, so versichere und betheure ich, daß sie sich irrt. Meine Seele ist von nichts als von ernsten und großen Dingen erfüllt. - Ich arbeite fast den ganzen Tag. Noch habe ich keinenBall, keineAssemblee, keine Redoute, kein Conzert, nur 2- oder 3mal das Theater besucht; nicht anders als spät Abends gehe ich aus, und bescränke mich auf das Curländische Haus, Clams und Sternbergs; die letzteren sind mir die wichtigsten. - Empfehlen Sie mich allen den Ihrigen aufs zärtlichste. Meine Achtung und Ergebenheit für Sie ist ganz dieselbe und wird es ewig bleiben. N.S. Halten Sie die B e y l a g e n und einen B r i e f bereit, um sie mir durch Westphalen, wenn er Ihnen bei seiner Rückkehr von Dresden, das Manuscript zusenden wird, zurück zu schicken. H: nicht ermittelt. D: Ompteda-Nachlaß, II, Nr. 220, 247-350.