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Gentz ; Graun, Elisabeth
An Elisabeth Graun, Königsberg, 12. Februar 1785, Jagellonische Bibliothek, Krakau. Sammlung Varnhagen, Karton 66 1785

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id2205
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Graun, Elisabeth
LocationKönigsberg
Date12. Februar 1785
Handwritten recordJagellonische Bibliothek, Krakau. Sammlung Varnhagen, Karton 66
Size/Extent of item2 Bl., F: 186mm x 195mm (Blatt 1) u. 184mm x 218mm (Blatt 2); 2 eighd. beschr. Seiten
Places of printSchlesier, Schriften, I, Nr. 1, 24-25 (tlw.); Wittichen/Salzer, Briefe, I, Nr. 1, 14-15 (tlw.)
IncipitWollten Sie wol die Gütigkeit haben
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Elisabeth Graun Königsberg, 12. Februar 1785 Wollten Sie wol die Gütigkeit haben, beste Frau Regierungs-Räthin, mir den ganzen Vorrath von A u g e n - G l ä s e r n, den Ihr Herr Gemahl hier gelaßen hat, zu schicken ? Ich werde mir mit Ihrer Erlaubniß nur Eine davon aussuchen und Ihnen die übrigen sogleich zurücksenden. Ich kan diese Welt nicht länger mit bloßen Augen ansehen. Sie wird gar zu bizarr, gar zu fürchterlich-sonderbar. Vielleicht wird sie sich durch ein Glas beßer ausnehmen. Ich wünschte vor einiger Zeit, noch blinder zu werden, als ich war. Was wünscht man nicht Alles, wenn man noch ein Herz hat. Jetzt ist dieses Herz so voll, so beklommen, so unruhig, daß ich es nun endlich dahin gebracht habe, gar nicht mehr auf sein Toben zu hören, sondern blos der sanftern Stimme der Vernunft folge, die mir heute das zuruft, was gestern Ihr Mund so oft wiederholte: "E s w i r d s i c h A l l e s f i n d e n". Ich bin jetzt so glüklich, und was noch mehr ist, a u c h S i e s i n d e s, wie der Schiffer, deßen Schiff im heftigsten Sturm still und ruhig steht, blos darum weil die Winde aus allen Himmels-Gegenden z u g l e i c h darauf loswüthen, so daß kein einziger es nach einer Seite schmeißen kan. Aber Weh uns, wenn Einer dieser Winde aufhört, und dann der gegenüberstehende uns nicht vorbereitet findet, und mit aller Macht unsre Seegel zerreißt, und unsre Masten zerbricht ! Ich denke, Sie verstehen das ganze Gleichniß ? - O ! laßt uns den Hafen suchen, oder wenigstens unser Schiff so befestigen, daß es über den Orkan selbst lachen kan ! Morgen nach der Kirche sehen Sie mich bey sich. Ich bringe le Noble mit, wenn er Muth genung hatte Ihre Gegenwart und die Gegenwart der Schwinken zugleich aus zu halten. Ich hätte ihn nicht. Morgen wenigstens noch nicht. Dafür bin ich mir aber auch recht gut bewußt, daß ich einer der schwächsten Sterblichen bin. Mich Ihrer gütigen Freundschaft empfehlend wünsche ich Ihnen viel Vergnügen im Gerlachschen Concert. Ich werde es auf dem Ball suchen - und nicht finden. den 12t. Febr. 1785. Gentze.Drukfehler einer Schrift, die keine Druckfehler verdient. In ihr e n Arm e n sich wünschten - lege - in ih r e Arm e. - Sonst müßte s e y n oder z u s a g e n dabey stehen. Weg ! Unterm Tisch i m staubicht et. lege - Unter n Tisch, i n etc. - Bewegung nach Etwas regiert o h n e A u s n a h m e den Accusativ. Laße Mich erzählen - lege - laße M i r erzählen - cui narratur ? Von dem Gedanken an I h r lege - an S i e. - ebenfalls der Accusativ der Bewegung, obgleich einer metaphorischer. Auf Ihnen (oder auf Sie ?) Antwort; auf Sie - Ach ! Aber die herrliche Verbindung, in welcher diese Frage vorkömmt - Sie hätte so schwer seyn können daß ich bis Brandenburg hätte fahren oder laufen müßen, um sie aufzulösen, und doch würde ich mit derselben herzlichen Freude, das Wort a u f S i e geschrieben haben, mit der ich es eben jetzt vorhersetzte. Ich kenne m i r keine - lege: Ich kenne oder finde keine a n m i r. - Das erste wäre ein unerlaubter Gallicisme. Wen ich m i c h verschaffen soll lege. Wenn ich m i r verschaffen soll. Und ist ebenfalls, nach einer Regel ohne Ausnahme; es ist der bekannte Dativus Commodi. Wer bürgt i h n, bürgt m i c h lege, i h m und m i r. Die Frage ist hier cui bono ? es ist gl. wieder der Dativus commodi. Glüklicher Sterblicher ! wenn deine guten und liebenswürdigen Eigenschaften, die Fehler die du in deinem Leben begehen wirst, immer eben so bedecken, als das Edle und Vortrefliche deiner Gesinnungen, und der Reitz deiner seelenvollen Ausdrücke, selbst vor meinem, in diesem Fache, so scharfen und critischen Auge, [nach] diese Sprachfehler verhüllte. Erst als ich den ganzen Brief zum dritten Mahle las, sah ich, dem sonst die Flecken dieser Art auf den ersten flüchtigen Blick nicht entwischen können, daß dieser meisterhafte Brief 8 Sprachfehler enthalte. Zweymal hatte ich ihn verschlungen ehe ich einen Andern, als den 4ten bemerkte, weil der - ich weis nicht recht woher - mir der auffallendste ist. G. H: Jagellonische Bibliothek, Krakau. Sammlung Varnhagen, Karton 66. 2 Bl., F: 186mm x 195mm (Blatt 1) u. 184mm x 218mm (Blatt 2) ; 2 eighd. beschr. Seiten.D: Schlesier, Schriften, I, Nr. 1, 24-25 (tlw.). Wittichen/Salzer, Briefe, Nr. 1, 14-15 (tlw.).