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Gentz ; Pelser, Bernard von
An Bernard von Pelser, Wien, 14. März 1803, Wienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 6581 1803

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id2103
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Pelser, Bernard von
LocationWien
Date14. März 1803
Handwritten recordWienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 6581
Size/Extent of itemF: 230mm x 192mm; 4 eighd. beschr. Seiten
IncipitIch hoffe, mein theurer Freund
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Bernard von Pelser Wien, 14. März 1803 Ich hoffe, mein theurer Freund, Sie erhielten meinen Brief vom 23ten v. M. durch Morrier. Wie grausam ist es von Ihnen, daß Sie mir noch keine Zeile schrieben, da S i e doch wißen, wie einem nach Wien verbannten zu Muthe ist. Sie glauben nicht, lieber Pelser, wie gewaltig ich hier schon heruntergekommen bin, und wie sehr ich mich von Tage zu Tage verschlechtre. Die Atmosphäre dieser Stadt hat etwas ermattendes, entnervendes, erdrückendes, das einem die innerste Kraft im Busen tödtet. Ich war nie so leer, und nie so lahm, als ich es seit einigen Wochen bin. Keine Begebenheiten, die einen interessiren könnten, kein Gespräch das den Geist aufrüttelte, keine Zeitungen, kein Cobbet, nichts als Menschen die sich zur einzigen Pflicht zu machen scheinen, den Tag so leidlich als möglich hinzuschlendern, und das Leben zu verbrauchen, weil es doch nun einmal da ist. Wenn ich nicht Panins - deren Abreise ich aber mit Zittern vor mir sehe - und Armfeldt, und meinen Freund Montjoye hier hätte, so müßte mich s c h o n j e t z t - und was wird es in der Folge werden ! - der Teufel holen. Aus England sehe und höre ich nichts als ein Paar einzelne Blätter von uralten Morning- Chronicles, die ich dem trägen und zerstreuten Paget mühsam abjagen muß. Cobbet hat mir nichts geschickt !! Auch Pelser nichts ! - Erbarmen Sie // Sich über mich, und schreiben Sie mir wenigstens doch Briefe. - Von meinen Kisten - kein Wort, kein leises Wort; Metternich, den ich dringend gebeten habe, deshalb nach Hamburg zu schreiben, antwortet mir nicht. Es ist zum Verzweifeln: O wie Recht hatten Sie, als Sie alle Uebel dieser Monarchie von ihrer mittelländischen Lage herleiteten; sie stammen alle, alle, alle aus diesem Umstande ab. Wie könnte in der Nähe des Meeres eine Stupidität, gleich der von Colloredo, existiren ! Wo gäbe es sonst wohl solche mehr als viehische Indolenz, solche Erstarrung gegen alles Gute, und Große, und Schöne, solchen niederträchtigen Kleinmuth. - Wenn Sie mich etwa um Neuigkeiten fragten ? Am Donnerstag war ich in einer französischen Comödie bei der Fürstin Lubomirska - Am Freitag gab [xxx] Fürst Lichnowski ein Concert und Souper - Dann gab wieder der Lobkowitz ein Concert - Dann gab die Eichelburgeins - Dann war ein kleines Souper bei der Rombeck - Dann spielte man Questions et réponses beim Prinz Lingne --- D a s sind unsre Begebenheiten, und das sind unsre Helden ! - Das einzige politische Gespräch, das ich hier noch i n G e s e l l s c h a f t gehört habe, war // eins, worin einige loise-acres den u n s c h u l d i g e n Despard beklagten. - Doch ich breche lieber ab, weil ich heute gar zu verdrießlich bin. Ach ! Wenn ich mit diesem Stuart, der Ihnen diesen Brief bringt, in den Wagen steigen könnte ! - Hätte ich doch den Muth gehabt, den Winter über in England zu bleiben. Ich w e i ß jetzt, daß nichts weiter daraus geworden wäre, als aus meiner Reise geworden ist. Und was hätte ich in drei, vier Monaten noch vor mich gebracht ! Trautmanndorff, mit dem ich vor einigen Tagen eine ziemlich-interessante Unterredung hatte, versicherte mich, daß Cobentzl in allem Ernste glaubte, ungefähr in 6 Wochen, wenn die Regensburger Cochonerien abgethan seyn werden, würden alle auswärtige Geschäfte hier ein Ende haben ! Warum nicht ? Glaubt doch der Graf Zichy wohl, er hätte die Finanzen in Ordnung gebracht; die Bankzettel verlieren ja nur 28 Prozent, und die Theurung ist seit dem September höchstens um 130 Prozent gestiegen. - Das sind mir financeering politicians ! Gott ehre mir Beeke und Sir Frederick Eden, und Chalmers, und Addington ! - Der Erzherzog ist wieder gesund, aber schwach an Körper und Geist: nach meiner Ansicht ist es, in jedem Sinne des Wortes, aus mit ihm. Von fortdaurender Reduction der Armee ist noch immer, und sehr ernsthaft, die Rede. // Stadionp treibt sich hier herum, gerade wie ich. Auch hat er gewiß keine Prise Taback Instructionen mehr als ich. Metternich soll, wenn Regensburg geschlossen ist, ebenfalls herkommen. Es ist nichts als eine förmliche mockery, daß sie noch diplomatische Geschäfte vorgeben. - Auch General Mack ist hier, ein ausgezeichneter Mann, was man auch sagen mag; Sie glauben vielleicht, er arbeitet. Nein, noch hat er keine Feder angesetzt; und, wenn Fasbender nicht täglich das äußerste <für ihn> wagte, so duldete man ihn nicht einmal mehr in den Mauern der Stadt - Kurz, es geht über allen Glauben. Ich hoffe, mein treflicher Freund, Sie werden doch Madame Smith nicht ohne Briefe und Pakete für mich haben abgehen laßen; mit Sehnsucht sehe ich ihr entgegen, wenn sie wirklich schon am 1ten d. M. London verließ. - In sofern Sie dem Grafen Stahremberg sagen, daß ich Ihnen schrieb, so empfehlen Sie mich ihm. Grüßen Sie auch Zichy von mir, dessen Vater, und Familie überhaupt mir viel Güte erweisen; wenigstens i ß t man doch vortreflich bei diesen Leuten; - und das ist ein Großes in der Wüste. Adieu ! Daß in meinen Gesinungen gegen Sie kein Wandel möglich ist, das, hoffe ich, werde ich Ihnen nicht erst versichern dürfen. Gz. Wien d 14 März 1803 H: Wiener Stadt- und Landesbibliothek, Wien Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 6581. x Bl., F: 230mm x 192mm; 4 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.