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Gentz ; Gentz, Elisabeth
An Elisabeth Gentz, Wien, 21. Februar 1831, Wienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftenabteilung, Inv.-Nr. 39599 1831

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id1869
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Gentz, Elisabeth
LocationWien
Date21. Februar 1831
Handwritten recordWienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftenabteilung, Inv.-Nr. 39599
Size/Extent of item8 eighd. beschr. Seiten
Places of printEckardt, Staatsschriften und Briefe, II, 292-295
IncipitIn Deinem letzten Briefe warst
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Elisabeth Gentz Wien, 21. Februar 1831 Wien den 21 Februar Meine liebe Lisette ! In Deinem letzten Briefe warst Du so gütig, mein Stillschweigen gegen Dich aus dem so natürlichen und gerechten Grunde zu entschuldigen, daß eine andre Correspondenz jetzt einen, allerdings beträchtlichen Theil, meiner stets beschränkten Zeit in Anspruch nimmt. Neuerlich aber bist Du weniger großmüthig gewesen; und mit wahrer Betrübniß ersehe ich aus Fanny's Briefen, daß Du im Ernst böse auf mich bist. Ich eile daher, mein Unrecht zu bekennen, und Dich um Verzeihung zu bitten. Ich mögte besonders nicht in Deinen Augen wie ein // U n d a n k b a r e r erscheinen; und das wäre ich, wenn ich alles das Liebe und Gute, und Schmeichelnde, und Rührende, was Du mir während der Anwesenheit meiner Freundin in Berlin geschrieben, und die ausgezeichnete Güte und Zärtlichkeit womit Du, so wie unsre Schwester, sie behandelt hast, nicht in seinem vollen Umfange zu schätzen wüßte. Deine Briefe haben mich wahrhaft glücklich gemacht; und was mir Fanny in allen den ihrigen von den zahlreichen Beweisen Eurer Zuneigung, und Eures liebenswürdigen Benehmens gegen sie, mit dankerfülltem Herzen gemeldet hat, konnte wohl seinen Eindruck auf mich nicht verfehlen. // Wenn es bey dem Entschluß, den ihr vorgestern mir zugekommner Brief anzeigt, geblieben ist, wenn sie nicht, wie ich doch sehr vermuthe, in Verlängerung ihres Aufenthaltes bis zu Ende dieses Monats gewilliget hat, so müßte sie heute oder spätstens morgen Berlin verlaßen. Ich freue mich allerdings unendlich, sie wieder zu sehen; denn ihre Gegenwart ist die Lebensluft, deren ich zu meinem Wohlseyn, und selbst zu meiner Erhaltung bedarf. Gleichwohl wird sie Dir vielleicht selbst gesagt haben, daß die Sehnsucht nach ihrer Rückkehr mich nie zu einer unbescheidnen Klage, oder auch nur zu einer // ungestümen Bitte verleitet hat. Ich weiß nicht, was es heißt, auf sich selbst mehr Rücksicht zu nehmen, als auf die, welche man liebt. Ich habe alles, was Fanny in Berlin erfreuliches, und ruhmvolles erfahren hat, m i t i h r genossen. Ich habe ihr die vielen vergnügten Stunden, die ihr, ueber aller Mühe und Arbeit, dort zu Theil geworden sind, recht von Herzen gegönnt; ich habe ihr sogar nicht verhehlt, daß ich mit einer Art von Bangigkeit an den Contrast zwischen ihren dortigen frohen und glänzenden Tagen, und dem einförmigen Leben, das sie hier erwartet, und in welchem der Umgang mit // mir fast ihre einzige Ressource ist, denke. Uneigennütziger, und doch zugleich wärmer und tiefer, als ich, kan und wird sie Niemand mehr lieben. Ihrem Glück würde ich alles, selbst das meinige, und - was dabey leicht in den Kauf gehen könnte - mein Leben aufopfern. Davon muß sie mehr als jemals überzeugt seyn. Da ich nun die Bahn wieder gebrochen habe, so hoffe ich, von Dir recht bald mit [Dir] neuen Gaben erfreut zu werden. Denn alles, was Du mir von ihr noch schreiben kanst, betrachte ich wie ein wahres Geschenk; und ich weiß gewiß, daß Du noch mancherley in Vorrath hast, womit Du mich erquicken wirst. // Ich muß nunmehr, durch einen salto mortale [gewiß] von dem Schönsten und Liebsten auf etwas sehr gemeines übergehen; auf eine Commission, die zwar nur eine Kleinigkeit betrift, mir aber am Herzen liegt, weil sie von einer Frau herrührt, die mir viele Freundschaft erwiesen hat. Diese Frau wünscht, einen seit vielen Jahren entbehrten Jugend-Genuß erneuern zu können; sie wünscht einen Preußischen M a r z i p a n, aber einen ä c h t e n, so wie er in Königsberg fabrizirt wird, wieder einmal zu kosten. Ich glaube, es ist nicht [nicht] unmöglich, in Berlin zum Besitz dieses Kleinods zu gelangen // und ich bitte Dich, liebe Lisette, sogleich danach Erkundigung einzuziehen; und zwar muß es ein sogenannter M a r z i p a n - G a r t e n, ein aus mehreren Stücken zusammen-geschobnes Parterre seyn, den Du in einer flachen Kiste gut eingepakt, dem Eilwagen übergeben kanst, wenn sich nicht etwa ein zufälliger Courier vorfindet, der ihn mitnähme. Dabey muß ich aber noch folgendes bemerken. Sollte man, wie ich sehr geneigt [bin] bin zu vermuthen, in Berlin den Preußischen Marzipan nachmachen, vielleicht besser als den Preußischen produziren, so wäre mir ein solcher Berliner Marzipan, // schon deshalb, weil er schneller, und folglich auch frischer hier ankommen könnte, nicht nur eben so lieb, sondern noch lieber als der Preußische; und den frommen Betrug, ihn für diesen auszugeben, würde ich gern auf mein Gewissen nehmen. Die Auslage wird sich wohl nicht ungeheuer hoch belaufen. Ich schicke Dir indessen eine Anweisung, die Du nach eignem Belieben verwenden wirst. - Mit dem nächsten von hier abgehenden Courier sollst Du für Deine Bemühung auch Chocolat und was Du etwa sonst wünschest, erhalten. Für heute bleibt mir nur noch so viel Zeit, mich in Dein, und der lieben Flore schwesterliches Andenken bestens zu empfehlen. Gentz H: Stadt- und Landesbibliothek, Wien.Handschriftenabteilung, Inv.-Nr. 39599. x Bl., F: ; 8 eighd. beschr. Seiten. D: Eckardt, Staatsschriften und Briefe, II, 292-295.