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Gentz ; Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
An Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha, Wien, 28. Dezember 1824, Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?] 1824

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id1801
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
LocationWien
Date28. Dezember 1824
Handwritten recordUngarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?]
Size/Extent of item5 ¾ eighd. halbbrüchig beschr. Seiten
IncipitIch habe 8 Tage lang
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha Wien, 28. Dezember 1824 Wien den 28 December 1824 Ich habe 8 Tage lang zu Bette gelegen, Mein Fürst, weil für einen starken Anfall von Gichtschmerzen in den Waden keine bessre Cur zu finden war, als vollkommne körperliche Ruhe. Hiemit hatte jedoch der Kopf, Gottlob, nichts zu thun; wenigstens hoffe ich, daß die polemische Depesche die Sie, als Antwort auf eine confidentielle an Wellesley erhalten, nicht nach Krankheit riechen wird. Indessen bin ich von der Arbeit des Tages so ermüdet, daß ich Ihnen nur wenige Zeilen zu Füßen legen kan. Ich habe mit Stratford Canning 4 ziemlich lange Gespräche gehabt, da er immer um den andern Tag zu mir gekommen ist. Daß keine // freye, keine erschöpfende Gedanken-Mittheilung zwischen uns Statt finden konnte, werden Sie wohl begreifen, oder selbst vorausgesetzt haben. Er ist ein Engländer vom heutigen Gepräge, und vom heutigen régime; folglich liegt, sobald es auf hohe politische Fragen und Ansichten ankömmt, ein Ozean von Glaubens- und Meynungs-Verschiedenheit zwischen ihm und mir. Er scheint mir der vollkommne a l t e r e g o Canning's des 1ten zu seyn; dieser Bemerkung stimmt auch Wellesley (der nie genug zu preisende !) ganz bey. Er ist kalt, klug, umsichtig - dabey immer voll Begierde, zu erforschen was der andre denkt, und zuweilen ziemlich geschickt, seinen Zweck zu erreichen. Dabey hat er artige und gefällige Formen, flößt mir weder Neigung noch Ab//neigung ein, ist aber nicht ein Mensch, dessen Umgang ich vorzugsweise suchen würde. Er scheint mit allerley eiteln Hoffnungen hieher gekommen zu seyn, die nun nach und nach in Dunst zerfließen. Wie hätten w i r jemals gegen die Conferenzen auftreten können, was wir auch von ihren muthmaßlichen Resultaten halten mögen ? Die Gründe, aus welchen die Englische Regierung sich zurück zieht, sind schwach und erbärmlich. S o g e s u n d auch ihre Meynung von dem Schicksal, den Folgen, und der Wirksamkeit dieser Conferenzen seyn mag, - so forderte doch alles, alles - selbst ihr Interesse, selbst ihre Ehre sie auf, daran Theil zu nehmen, und auf dem Kriegsschauplatz selbst mit Muth und Kunst das geltend zu machen, was sie heute als // wahre poltrons hinter der Mauer predigen.Der Fürst hat noch einige schwache Hoffnung, daß man vielleicht sich eines bessern besinnen, und neue Instructionen nach Petersburg senden werde. Ich glaube es nicht. Mein höchster Wunsch ist übrigens heute, daß der Kayser Alexander, sey es nun aus Muthlosigkeit oder aus Verdruß, den Conferenzen ebenfalls entsage. Geschähe d i e s (womit ich mir aber nicht schmeichle) so würde ich im Innersten meiner Seele Canning dem Ersten die Hand küßen, als z u f ä l l i g e n Urheber eines so großen Vorteils, ohne ihn deshalb weniger als heute für einen sehr mittelmäßigen Minister zu halten. Es ist übrigens merkwürdig wie sehr Canning der Zweyte dem Zauber, welchen der Fürst // über alle, die ihm in den Weg kommen, zu verbreiten weiß, unterlegen hat. Gelernt hat er nichts in seinen Gesprächen; keine einzige der Ideen, die er mitgebracht, hat er aufgegeben; und er fühlt sich in dieser anticonstitutionellen Hölle gewiß höchst unwohl. Und dennoch wirkt die Geistes-Gewandheit und Liebenswürdigkeit des Fürsten so auf ihn, daß er gestern Abend mit unverstellter Bewunderung und sogar Begeisterung von ihm sprach, ob schon immer in einem gewissen Tone des Befremdens, als wollte er sagen: Wie kommen denn so große und so schöne Eigenschaften in das Gemüth des ersten F r e y h e i t s - H a s s e r s seiner Zeit ? - M i c h wird er viel // besser begriffen haben. Ich habe ihn durch Liebenswürdigkeit gewiß nicht desorientirt. Meine Sprache war (nicht unfreundlich, aber) abgemessen, ernst, und strenge. Von mir wird er denken: Wie der Kern, so die Schale; in dies versteinerte Herz ist nie ein Lichtstrahl der neuen Zeit, unsrer großen Zeit, gedrungen. Pardon de ce radotage ! Ich schließe meinen Brief, weil man behauptet, der Courier ginge heute Abend ab. Behalten Sie mich in wohlwollendem Andenken. Gentz H: Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. P 136: FA Esterhazy, x Bl., F: ; 5 ¾ eighd. halbbr. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.