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Gentz ; Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
An Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha, Troppau, 7. Dezember 1820, Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?] 1820

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id1595
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Esterházy von Galántha, Paul Anton Fürst
AusstellungsortTroppau
Datum7. Dezember 1820
Handschriftl. ÜberlieferungUngarisches Staatsarchiv, Budapest. FA Esterhazy, P 136, Bl. [?]
Format/Umfang6 eighd. beschr. Seiten
IncipitIch bitte gehorsamst, Mein Theuerster Fürst
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Paul Anton Fürst Esterházy von Galántha Troppau, 7. Dezember 1820 Troppau d: 7ten December. Ich bitte gehorsamst, Mein Theuerster Fürst, beyliegenden Brief sogleich an seine Adresse befördern zu laßen. Als ich zu Anfang des Jahres 18 in den Wiener Jahrbüchern schrieb, selbst E n g l a n d würde der Zügellosigkeit der Presse unterliegen, meynten viele einsichtsvolle Männer, d a s sey zu weit gegangen; ein Körper wie England, habe zu große innre Kräfte, um sich einer solchen Haut-Krankheit nicht erwehren zu können. Nun ! Die Würmer haben diesen starken Körper wirklich gefressen. Alles Uebel, alle Schmach, alle Convulsionen, die er erlitten, sind aus der Zügellosigkeit der Presse entsprungen. // Das alte England ist nun todt und begraben. Es frägt sich nur, w e l c h e giftige Gewächse zwischen hier und 6 Monaten aus seinem Leichnam hervor wachsen werden. Ich kan zuweilen ein Lächeln, auch wohl eine bittre Bemerkung nicht zurück halten, wenn ich unsern vortreflichen Fürsten so eifrig beschäftigt sehe, Ihnen viele Bogen Depeschen zu schreiben. Nicht, daß es mich nicht sehr freute, daß S i e dadurch zu allen möglichen interessanten Notizen gelangen; aber fortdauernd zu den Todten zu reden, ist doch ein arger Spuk. Die schändliche Aufführung des Lord Stewart vollendet nur noch das finstre Gemählde, welches das // gewesne England heute der Welt aufhellt. England zeigt sich in Troppau gerade in einer so jammervollen Gestalt als in London. Wie schnell sind die Mächtigen gefallen! - Und welches Elend wird ihr Todeskampf über die Welt verbreiten ! Sie werden vielleicht meine Ansicht übertrieben, ausschweifend finden. Es sollte mich von einer gewissen Seite freuen, wenn dies der Fall wäre. Ich sehe nicht ungern, wenn in Dingen, wo ich verzweifle, Andre (und besonders solche Andre wie Sie) noch einige Hoffnung nähren. Aber überzeugen werden Sie mich nie. Ein tiefes Gefühl, entsprungen aus langer und anhaltender Beobachtung, sagt mir, daß es mit England, mit unserm England nehmlich // rein aus ist, it is all over with her. - In das neue England, in das Ungeheuer das künftig diesen Nahmen führen wird, mag ich mich nicht vertiefen.Wenn ich die Sache aus dem großen historisch-moralisch-religiösen Standpunkte betrachte, so kan ich nicht umhin, mir zu sagen: Gott ist gerecht! England hat zuerst die Kirche, dann den Staat, dann seine Könige gemordet, und dafür (ich spreche mit Macbeth) wird England nicht mehr schlafen, Großbrittannien wird nicht mehr schlafen. - Die Strafe für alles Unglück welches Europa erlitten hat, fällt zuerst auf dies stolze, auf dies schuldige Haupt! Unterdessen treiben wir hier unsre Sachen, als wenn kein England mehr in der Welt wäre. Wie wir sie treiben, werden Sie aus // den Communicationen des Fürsten am besten ersehen. Es liegt immer schon etwas Imposantes in dem Gedanken, daß Rußland, Oesterreich und Preußen mit einander über die Hauptsache einig sind, wenigstens so weit einig, daß forthin die Welt glauben muß, sie seyen es g a n z. Es könnte manches freylich besser stehen; aber in einer so bösen Zeit muß man sich mit allem, was der Himmel noch Gutes giebt, begnügen. Es war nicht meine Absicht, Ihnen einen Brief zu schreiben; wie dieser entstanden ist, weiß ich selbst nicht recht. Aber Sie sehen, Mein Fürst, daß das Bedürfniß, mich mit Ihnen zu unterhalten, immer noch in mir schlummert. Ich verlange übrigens keine Antwort von Ihnen. Schicken Sie mir // gelegentlich ein Viertel-Ries gutes Velin-Papier. Ich muß aber bemerken, daß seit dem moralischen Verfall Englands auch das Papier viel schlechter geworden ist, als sonst. Selbst das, was am schönsten aussieht, enfin, selbst das was Sie mir vor einiger Zeit geschickt haben, hat den Fehler f e t t zu seyn, d. h. Feder und Dinte zu versagen. Nur in dem Falle, daß Ihnen ein Papier aufstößt, welches sicher diesen Fehler nicht hat, bitte ich Sie gehorsamst darum. Behalten Sie mich übrigens in freundlichem Andenken! Gentz H: Ungarisches Staatsarchiv, Budapest. P 136: FA Esterhazy, x Bl., F: ; 6 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.