These titles were already interesting to you:

Gentz ; Ottenfels-Gschwind, Franz von
An Franz von Ottenfels-Gschwind, Wien, 4. November 1826, HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1826.g., Bl. 160-161v 1826

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id15
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Ottenfels-Gschwind, Franz von
LocationWien
Date4. November 1826
Handwritten recordHDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1826.g., Bl. 160-161v
Size/Extent of item4 eighd. beschr. Seiten
IncipitIch setze voraus, Mein Vortreflicher Freund
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Franz von Ottenfels-Gschwind Wien, 4. November 1826 Wien den 4 November 1826. Ich setze voraus, Mein Vortreflicher Freund, daß Huszar Ihnen, meinem Auftrag gemäß, gemeldet hat, was mich verhinderte, Ihnen durch den letzten Courier zu schreiben. Die incidentelle Unpäßlichkeit die mich befiel, hatte mit meinen chronischen Uebeln gar nichts gemein; sie war bloß die Folge eines zu sehr vernachläßigten, an sich unbedeutenden Catharrs, welcher mir ein leichtes Fieber von ein Paar Tagen zuzog. Seit 8 Tagen ist die ganze Geschichte beendigt, hat mir aber eine Schwäche zurückgelaßen, die oft nach ernsthaftern Krankheiten nicht so fühlbar ist, und wodurch denn auch das Verbote meine Stube zu verlaßen, noch auf geraume Zeit verlängert werden wird. Bey meiner bekannten Unbeweglichkeit ist mir das Verbot nun eben nicht unwillkommen; und da der Fürst die Güte hat, mich fast täglich zu besuchen, ich auch überhaupt alles erfahre, was ich irgend zu wissen wünsche (und oft n i c h t wünsche) so ließe ich mir diese Sequestration gern den halben Winter // hindurch gefallen. Dabey muß ich bemerken, daß die wohlthätigen Früchte meines diesjährigen Aufenthaltes in Gastein keinesweges [xxx] verloren gegangen sind. In meinen a t h r i t i s c h e n Beschwerden ist ein so glücklicher Stillstand eingetreten, daß ich seit mehrern Monaten auch nicht eine Spur von Gliederschmerzen fühle. Dies ist das Wichtigste. Auf solche Thaten, wie S i e nach einer Bade-Cur verrichten - den Olymp besteigen - bis an den Hellespont zurück r e i t e n etc. - mache ich freylich keinen Anspruch mehr. Der Unterschied unsrer Lebensjahre erklärt das hinreichend. Indessen habe ich mich sehr gefreut, aus dieser Ihrer Expedition den Schluß zu ziehen, daß es, ungeachtet mancher Sie betroffnen Leiden, mit Ihren K r ä f t e n doch noch sehr gut stehen muß. Gott erhalte Sie dabey noch lange ! Was soll ich Ihnen über die öffentlichen Angelegenheiten sagen ? Was ich im Allgemeinen darüber denke, ist nichts als der treue Abdruck dessen, was alle Ihre Berichte enthalten. Einen Theil - freylich nur einen Theil - meiner Ansichten, Gefühle, Besorgnisse, // und Hoffnungen habe ich in dem beyliegenden Französischen Briefe ausgesprochen, [xxx] welchen ich, wenn Sie es rathsam finden, zur Kenntniß des würdigen, Seyda-Effendi gebracht wünschte. - Der Schlag, welcher der Pforte durch dies unselige und treulose Ultimatum versetzt wird, ist von der Art, daß sie sich nicht so leicht davon erholen mögte. Aber für t ö d t l i c h halte ich ihn doch keinesweges. Vorausgesetzt: 1, daß nichts geschehe, was der weitern Ausbildung des neuen Militär-Systems Einhalt thue. 2, daß die Griechische Frage nicht eine neue Crisis herbeyführe. - Das erste wird großentheils von der Energie der Türkischen Regierung abhängen. Das zweyte fürchte ich n i c h t. Hier, Mein Theuerster Freund, war ich nun im Begriff, Ihnen meine Gründe auseinander zu setzen, und mehr als jemals gut gestimmt, mit Ihnen rechtschaffen zu raisonniren und zu politisiren. Sed Diis aliter placuit ! Es war 12 Uhr als ich an dieser Stelle stehen blieb. Jetzt ist es gleich 5 Uhr, und ich m u ß meinen Courier abfertigen. In der Zwischenzeit war ich n i c h t e i n e M i n u t e allein; // der gestern zurückgekehrte Hatzfeld - Fürst Metternich z w e y S t u n d e n ! - Caraman - Lebzeltern - Münch - in immerwährender Succession - ich bin so erschöpft vom Reden, daß ich Mühe haben würde den Faden wieder aufzunehmen, wenn auch die Zeit nicht abgelaufen wäre. Ich muß also alles auf die künftige Post ajourniren. Bis dahin wird sich vielleicht noch das ganze Räthsel des neuen Russisch-Englischen Complotts, welches wir nur noch durch einen Schleyer sehen, enthüllen. Vor der Hand sind Sie ja durch die Depesche des Fürsten vom 18ten v. M. zwar nur negativ und limitirend, doch bestimmt und vollständig instruirt. Je p a s s i v e r Ihre einstweilige Stellung, desto besser für unsern Zweck. Wenn England und Rußland sich gegen uns deutlich ausgesprochen haben werden, welches bisher noch d u r c h a u s n i c h t geschehen ist, so wird der Fürst dann Ihnen die von I h m ergriffne Partey bekannt machen, und ich hoffe - Sie werden damit zufrieden seyn ! Adieu ! Laßen Sie uns ferner gemeinschaftlich arbeiten, so lange noch eine Aussicht auf Wirksamkeit bleibt. Non ante revellar ! sey unser Wahlspruch ! Gentz H: HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1826.g., Bl. 160-161v. x Bl., F: ; 4 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.