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Gentz ; Leiden, Carl
An Carl Leiden, Wien, 1. April 1824, Wienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftenabteilung, Inv.-Nr. [?] 1824

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id1227
Issuer of letter
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Gentz
Addressee of letter
Leiden, Carl
LocationWien
Date1. April 1824
Handwritten recordWienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftenabteilung, Inv.-Nr. [?]
Size/Extent of item3 Bl., 5 eighd. beschr. Seiten
IncipitDein Brief, halb aus Calais
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Carl Leiden Wien, 1. April 1824 Wien den 1 April 1824. Dein Brief, halb aus Calais, halb aus London, Mein lieber Carl, hat mir eine nicht geringe Freude gemacht. Wenn der Verfolg Deiner Reise so glänzend gewesen ist, als der damals zurückgelegte Theil derselben, so kanst Du Dir Glück wünschen, bey dem schlechtesten Wetter und den schlechtesten Wegen, und nach 36stündigem Aufenthalt in Calais , am 9ten Tage in London anzukommen, ist alles, was man in der Welt erwarten kan. Auch las ich schon ein Paar Stunden vor Empfang Deines Briefes in einem Französischen Journal (so wie später in mehrern Englischen) von Deiner ganz außerordentlichen d i l i g e n c e und von dem M u t h, womit Du in Calais auf die Ueberfahrt insistirt hattest. Der Fürst, dem ich übrigens nachher // mehreres aus Deinem Briefe vorlas, war ebenfalls äußerst zufrieden; und ich denke, es wird wohl keiner Deiner Collegen verkennen, was Du geleistet hast. Deine Besorgnisse wegen der bewusten Depeche hat Dir, wie ich aus dem P.S. sehe, Neumann bereits gehoben; sie haben mir bloß Lächeln erregt. Ich wußte wohl, was es mit d i e s e r Depesche auf sich haben konnte ! Der Fürst bemerkte, daß, wenn hiebey irgend Jemanden ein Vorwurf treffen sollte, er demjenigen gebührte, der von Brasilien abreisen konnte, ohne auf diesen Fall Vorkehrungen zu treffen. Der Fall ist indeß so selten, daß er auch diesem verziehen <werden> kan. Der Fürst fand übrigens, daß Du ganz richtig gehandelt hattest. Aus einem Briefe von Neumann ersehe ich, daß Du auch zu Falmouth zur rechten Zeit angekommen, und von dort am 12ten abgesegelt bist. Gott // möge Dich vor allen Unfällen bewahrt haben, und ferner bewahren ! Das Wetter war bey uns den ganzen Monat März hindurch so stürmisch und böse, daß ich hundertmal an Dich gedacht habe. Und den ersten fernern Nachrichten von Dir sehe ich mit unbeschreiblicher Sehnsucht entgegen. Die Reise nach Mayland ist bis auf den Herbst verschoben. Du wirst mich also in jedem Fall hier wieder finden. Ich bin mit diesem Entschluß äußerst zufrieden. Ich hoffe, er bereitet mir einen ruhigen Sommer. Mit meiner Gesundheit ging es bisher so gut, daß Türkheim noch von keiner Bade-Cur Notiz nehmen will. Ich hoffe, recht früh - wenn das Wetter es gestattet - mich in Weinhaus zu etabliren, woselbst ich, außer einigen andern kleinen Veränderungen, und einer, leider sehr kostspieligen aber unumgänglichen Reparatur // des B r u n n e n s i m G a r t e n - aus einer gewissen <Holz>-Kammer neben der Wagen-Remise, einen K u h s t a l l geschaffen habe, in welchem ich zwey Kühe zu placiren gedenke !! Da ich über Deine [Rückkehr] Ankunft in London, und Rückkehr nach Wien, auf nichts als leere Vermuthungen reduzirt bin, so weiß ich nicht, ob dieser Brief, der morgen oder übermorgen durch einen Courier abgehen soll, nicht vielleicht der erste und zugleich letzte seyn wird, der Dich in London trift. In diesem Fall bitte ich Dich, folgende 3 Objekte nicht zu vergessen. 1. Ein Dutzend oder halbes der glasirten Handschuhe, die Du mir so sehr empfohlen hast, und die ich jetzt wirklich a l l e n a n d e r n vorziehe, weil sie ungleich dauerhafter sind. 2, Das erste (vielleicht auch bereits 2 ?) Stück eines neuen Monatlichen Journals welches unter dem Titel: W e s t M i n i s t e r r e v i e w erscheint. H i e r a n i s t m i r v i e l g e l e g e n. 3, Herrn von Neumann zu bitten, // daß er Dir die neuern Nummern von Cobbet, die dem Fürsten Esterhazy gehören, und welche dieser bereits verlangt zu haben - v o r g i e b t, wahrscheinlich aber vergessen hat, für mich mitgeben. Sollte sich irgend etwas zutragen, das der Mühe verlohnt, so schreibe ich Dir noch einmal auf gut Glück durch Rothschild. [xxx] Schwer aber wird es wohl seyn, Dich zu erreichen, es sey denn, daß der unglückliche Baron zu einer nahmhaften Verlängerung seines Aufenthaltes in Lissabon gezwungen worden wäre. Frau v. W. habe ich gleich schriftlich von Deiner bis dahin glücklichen Fahrt benachrichtigt, hatte aber zu viel zu thun, um, wie es mein Vorsatz war, sie zu besuchen. Es soll aber noch geschehen. Deinen Brief aus London erhielt ich am 25ten v. M. Mögte der Himmel mir recht bald einen zweyten zuführen ! Gentz H: Wiener Stadt- und Landesbibliothek, Wien. Handschriftenabteilung, Inv.-Nr. 3 Bl., F: ; 5 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.