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Gentz ; Graun, Elisabeth
An Elisabeth Graun, Berlin, 3. Februar 1787, Jagellonische Bibliothek, Krakau. Sammlung Varnhagen, Karton 66 1787

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id1003
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Graun, Elisabeth
LocationBerlin
Date3. Februar 1787
Handwritten recordJagellonische Bibliothek, Krakau. Sammlung Varnhagen, Karton 66
Size/Extent of item2 Bl., F: 237mm x 181mm; 3 eighd. beschr. Seiten
Places of printWittichen/Salzer, Briefe, I, Nr. 23, 100-103
IncipitIch hoffe und glaube, beste Freundin
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Elisabeth Graun Berlin, 3. Februar 1787 Berlin den 3ten Februar. 1787. Ich hoffe und glaube, beste Freundinn, daß Sie bey Empfang dieser Zeilen meinen Brief vom 27ten vorigen Monats der in einen Brief von George eingelegt gewesen, und schon vor 8 Tagen abgegangen ist, erhalten haben werden. Sollte das unglücklicher Weise noch nicht seyn, so wenden Sie Sich doch sogleich an George; und sollte wider alles Vermuthen auch der meinen Brief noch nicht haben, so sagen Sie ihm, er soll sich sofort bei Kilmar & Bahn erkundigen, ob nicht ein Mensch, deßen Nahmen ich jetzt schon vergeßen habe, und der bey ihnen in Condition gehen wird, dieser Tage in Königsberg angekommen ist. Eben fällt es mir bey: Der Mensch heißt: Speidel. Dieser ist der Besteller meines Briefes an George gewesen. Vielleicht haben Sie, wenn Sie diesen Brief lasen und v e r s t a n d e n schon so viel daraus gewonnen, daß Sie mir Unrecht thaten, wenn Sie auch nur a h n d e t e n, daß ich Sie v e r g e ß e n hätte, oder daß ich nur, wie Sie schreiben, a u f d i e A r t an Sie dächte, als etwa an Gossows an Ihren Mann pp. Entsetzliche, fürchterliche Beleidigung ! - Es geht alles auf zwischen uns. Nein ! Sie sind in einem grausamen Rückstand. Was ist ein Stillschweigen von 6 Wochen gegen eine s o l c h e Idee, erzeugt und genährt von einer Frau, die ich verehre, anbete und liebe, über alles, was ich kenne, und liebe und verehre in dieser Welt ! Ich verzeihe Ihnen, wenn Sie fürchteten, daß Berlin auch m i c h nicht ungeneckt und unverändert laßen würde. Das verzeihe ich Ihnen gern: denn Sie haben Recht. Aber - dann müste von m i r Nichts mehr übrig seyn, dann gienge ich noch heute aus diesem abscheulichen Leben, wenn das so weit reichte, daß ich S i e, Sie darüber vergeßen könnte. O meine Graunin ! Für mich ist das Lebens-Glük dahin, wie für Sie: eine Wahrheit, unumstößlich wie ein Fels, obgleich schwarz wie die Nacht. - Schwarz wie die Nacht ? Warum ? - Mit Ihnen Ein Schicksal zu theilen, ist immer süß, und wenn es das abscheulichste // wäre. Ich wollte, ich könnte nur, ohne im gewöhnlichen Sinn des Worts, glücklich zu seyn, mit Ihnen mein Leben durchweinen, und ich würde mich nicht grämen, gelebt zu haben. Aber getrennt von Ihnen, mir selbst, meinen Schwachheiten, meinen Leidenschaften, den glühenden Phantomen meines unruhigen Kopfs, den Thorheiten meiner Gesellschafter, dem Drang, dem Geräusch der Welt überlaßen, schweift meine unglückliche Seele in tausend Labyrinthen falscher Freuden, betrügerischer Hoffnungen, elender Zeitvertreibe, chimärischer Plane umher, und sehnt sich, von Ihnen und von der Zufriedenheit gleich weit entfernt, nach der Glückseeligkeit, und - nach Ihnen. Das Bild, was Sie gemahlt haben, das muß ich besitzen. Es koste, was es wolle: aber bey Gott im Himmel, ich will, ich muß es besitzen. Bey unsrer Freundschaft - wenn Sie noch je eine Zeile von mir lesen wollen - wenn Sie mich nicht g a n z v e r d e r b e n wollen, schicken Sie mir dies Bild ! - Was gehn mich Ihres abscheulichen Mannes, kalte, närrische Grillen an ? Warum quälen Sie mich mit brennenden Hoffnungen, und schicken mir das Billet von der Dengeln, um mich rasend zu machen ? Sagen Sie Ihrem Mann, was Sie wollen. Er hat mir oft von dem Portrait geschrieben. Sagen Sie ihm, ich würde es erschrecklich übel nehmen, wenn ich hörte, daß ich es jetzt, da es gut gerathen ist, nicht bekommen sollte. Sagen Sie ihm, er soll es mir selbst schreiben, daß ich es nicht bekommen könnte: und dann will ich ihn mit Briefen b e s t ü r m e n, bis er von seiner Grille abgeht. Das sage ich Ihnen, liebe Graunin, ich will kein a n d r e s Bild von Ihnen. Auch sollen Sie mich, bey meiner Seele, nicht hintergehen. Ich werde es aufs Haar, beym ersten Blick werde ich wißen, ob es das rechte ist. Denken Sie, daß ich d i e s e M i e n e, wie die Dengeln sagt, nicht auch kenne ? Oder meynen Sie, daß ich auch die v e r g e ß e n hätte ? // Ich werde von jetzt an keine ruhige Stunde haben, bis dieses Bild in meiner Hand seyn wird. Um Gottes willen, laßen Sie mich nicht lange darauf warten, sobald Sie diesen Brief erhalten haben, schreiben Sie mir, woran ich bin. Hören Sie, liebe Graunin; ich glaube, Sie haben mir die Geschichte dieses Portraits blos geschrieben, um mich zu strafen, und zu peinigen. Nicht als ob ich an der Richtigkeit derselben einen Augenblick zweifelte: sie sieht Ihrem Mann viel zu ähnlich !! aber was dachten Sie denn, was ich dabey empfinden und denken würde: Nichts ? Ach ! ich erschrecke. Kurz, ich muß dies Bild haben: und bald. Je länger Sie zögern, desto mistrauischer werde ich, daß Sie mir das rechte nicht schicken. - Um des Himmels willen, wie konnten Sie Ihrem Mann das einräumen ? Gott ! ich möchte vor Verdruß weinen, daß Sie [ihm] es ihm nur g e z e i g t haben, daß es vielleicht meine Feinde in seiner Gegenwart g e l o b t haben, daß er es jetzt besitzen muß.Ich setze weiter Nichts zu diesem Artikel. Glauben Sie noch immer, daß Ihr Bild mir vielleicht gleichgültig seyn könnte ? - Aber ich behalte es mir vor, Sie ein andermal nur halb so zu quälen, wie Sie mich durch den Brief quälen, den ich so eben erhalte. Entweder das, oder ich will Sie mit meiner zudringlichen Freundschaft so e r m ü d e n, daß es Ihnen gewiß nicht mehr einfallen soll, a n m i r zu zweifeln. Der letzte Weg möchte wol meinem Herzen der leichtste seyn. Leben Sie wol; ich erwarte in 14 Tagen s p ä t s t e n s einen Brief von Ihnen. Aber Ihr Bild müßen Sie mir schicken, wenn Sie mich glauben laßen wollen, daß Sie mir zu Gefallen, auch wol was w a g e n können. Ich denke, ich habe alles gethan, wenn ich es zu einer Bedingung unsrer Freundschaft machte. Ihr ewiggetreuer Freund Gentze H: Jagellonische Bibliothek, Krakau. Sammlung Varnhagen, Karton 66. 2 Bl., F: 237mm x 181mm; 3 eighd. beschr. Seiten. D: Wittichen/Salzer, Briefe, I, Nr. 23, 100-103.