Die Materialgrundlage von "Gentz digital": Die "Sammlung Herterich" der USB Köln

 

Montage Gentz digital

Die eindrucksvolle Korrespondenz des Friedrich von Gentz steht der Nachwelt heutzutage in einem "virtuellen Archiv" zur Verfügung, das in der Forschungsstelle "Universitätssammlung Friedrich von Gentz" in Köln aufbewahrt wird. Es handelt sich dabei um die sogenannte "Sammlung Herterich" der USB Köln. Sie geht auf den studierten Historiker und ehemaligen Kölner Politiker Günter Herterich (1939-2014) zurück, der nach Beendigung seiner aktiven Politikerzeit seit 1987 in unermüdlicher Weise rund anderthalb Jahrzehnte in aller Welt Material zu Gentz zusammengetragen hat. Herterich selbst hatte mit seiner Forschungstätigkeit ursprünglich den Plan einer Edition der Gentz-Korrespondenz verbunden. Aufgrund einer schweren Erkrankung konnte er dieses Vorhaben allerdings nicht mehr realisieren. Seine Materialsammlung hat er daher der USB Köln übereignet. Das Gentz-Material aus dieser Sammlung ist ‒ bis auf die Brieforiginale, die auch weiterhin im Historischen Lesesaal der USB einsehbar sind ‒ als Dauerleihgabe der USB in den Räumen der im Oktober 2014 gegründeten Forschungsstelle "Universitätssammlung Friedrich von Gentz", einem Kooperationsprojekt des Lehrstuhls für die Geschichte der Frühen Neuzeit der Universität zu Köln und der USB Köln, nach Anmeldung einsehbar.

Der Umfang des von Herterich gesammelten Gentz-Materials ist beeindruckend: Es umfasst, neben gut 40 Originalbriefen, rund 550 (Papier-)Ordner bzw. Kartons, etwa 120 Mikrofilme mit Material zu Gentz und knapp 2.700 von Herterich selbst transkribierte Briefe von und an Gentz in Dateiform, von denen über fünfzig Prozent bisher noch nicht gedruckt worden sind! Daneben hat Herterich auch Material gesammelt, das über Gentz hinausgeht, insbesondere zum 1. Weltkrieg. Diese Quellen sind allerdings nicht Bestandteil von "Gentz digital".

Das Gentz-Material der "Sammlung Herterich" wurde bislang noch nicht vollständig geordnet und erschlossen. Erste Ansätze dazu und vorläufige perspektivische Überlegungen zur Bedeutung und Auswertung der Sammlung erfolgten im Rahmen der Forschungen des französischen Rechtshistorikers Raphaël Cahen an der USB Köln. Andere Gentz-Forscher ‒ wie Günther Kronenbitter oder Harro Zimmermann ‒ haben in der Vergangenheit ebenfalls mit den Gentz-Materialien gearbeitet, die in der USB Köln vorhanden sind (z.B. in der "Sammlung Otto Wolff"). Die "Sammlung Herterich" teilte dennoch lange Zeit das Schicksal vieler universitärer Sammlungen, die bislang nicht hinreichend erschlossen worden sind und daher auch noch nicht systematisch ausgewertet werden konnten.

Für die Erforschung der Transformationsprozesse um 1800 im Allgemeinen und die Gentz-Forschung im Besonderen ist die "Sammlung Herterich" ein echter Glücksfall. Denn sie enthält Material, das es nicht nur erlaubt, Gentz' Leben und Wirken auf neuer, erheblich veränderter Quellengrundlage neu zu beleuchten, sondern sie umfasst Bestände, die weit über die enge Person Gentz' hinausgehen und somit für größere Forschungskontexte von großem Interesse sind. Sammlungsschwerpunkte sind die Werke Gentz', seine Tagebücher, Sekundärliteratur zu Gentz und seiner Zeit, die umfangreiche Korrespondenz Herterichs mit Archiven, Bibliotheken und Privatpersonen zur Ermittlung von Gentz-Material und insbesondere, als eigentlichen Kern der Sammlung, die Briefe von und an Gentz.

Die mit dem Ziel einer Edition von Herterich zusammengetragene umfangreiche Gentz-Korrespondenz liegt in der Sammlung in unterschiedlichen Überlieferungsformen vor. Neben den erwähnten rund 40 Brief-Originalen enthält die Sammlung bereits vorliegende ältere Brief-Drucke und als Xerokopien oder auf Mikrofilm umfangreiches, bislang ungedrucktes Brief-Material aus zahlreichen Archiven, Bibliotheken und sonstigen Institutionen weltweit, die Gentz-Korrespondenzen verwahren. Auf Grundlage dieser Mikrofilme und Xerokopien hat Herterich selbst Transkriptionen der Gentz-Briefe angefertigt, die in unterschiedlichen Überlieferungsformen vorliegen (handschriftlich, mit Schreibmaschine getippt und/oder elektronisch in Dateiform). Seine Transkriptionen hat er anschließend, wenn es ihm zeitlich und finanziell möglich war, vor Ort am Original überprüft. Diese Transkriptionsentwürfe Herterichs bilden das Fundament von "Gentz digital".

Empfohlene Zitierweise:

Gudrun Gersmann / Michael Rohrschneider (2015): Die Materialgrundlage von "Gentz digital": Die "Sammlung Herterich" der USB Köln, URL: http://gentz-digital.ub.uni-koeln.de/portal/info/sammlung.html?l=de (Datum des letzten Besuchs).

 
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