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Gentz ; Prokesch-Osten, Anton von
An Anton von Prokesch-Osten, Wien, 1. August 1828, HHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 34-36 1828

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id961
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Prokesch-Osten, Anton von
AusstellungsortWien
Datum1. August 1828
Handschriftl. ÜberlieferungHHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 34-36
Format/Umfang5 eighd. beschr. Seiten
DruckorteProkesch-Osten, Briefwechsel mit Gentz und Metternich, I, 159-162
IncipitDie guten Hoffnungen, die Sie
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Anton von Prokesch-Osten Wien, 1. August 1828 Wien den 1ten August 1828. Die guten Hoffnungen, die Sie, Mein Hochzuehrender Freund, noch in Ihrem Schreiben vom 3ten v. M. äußerten sind alle zu Wasser geworden. Die Pforte war in der letzten Zeit sehr geneigt, sich über die Griechische Sache mit England und Frankreich, ja mit England allein zu verstehen, wenn man <ihr> irgend die Hand geboten hätte. Das aber ist nicht geschehen. Und, wenn Sie die Instructionen, mit welchen die drey Minister versehen sind, kennten, wie i c h, leider, sie kenne, so würden Sie Sich bald überzeugen, daß Rußland allein sein Spiel versteht, und daß die beyden andern Höfe ganz nach seiner Pfeife tanzen. Das Englische Ministerium ist in seiner Art so schwach als das Französische. Weisheit und Kraft ist ganz aus den Cabinetten gewichen; und wir, die wir wenigstens, obschon wir uns mit unsrer Energie nicht sehr brüsten können, aufgeklärt und consequent genug sind, um nicht von einem großen Irrthum in den andern zu fallen - wir stehen recht eigentlich // allein, und können den Strom nicht aufhalten. Mit einem gewissen Lächeln des Mitleids - Sie müßen mir den Ausdruck schon verzeihen ! - lese ich in Ihren Briefen, wie Sie über die Stellung der Höfe, die Anstalten zu einer Coalition, und ähnliche Gegenstände phantasiren. Ich freue mich recht herzlich über Ihren gesunden Kopf, und Ihren hellen Blick; so, wie Sie meynen, s o l l t e allerdings die Sache stehen. Wie würde Ihnen aber zu Muthe werden, wenn Sie nur ein Paar Monate in der öden Sphäre der Wirklichkeiten lebten, und mit Ihrem combinatorischen Geiste den kläglichen Stoff, der unser einen von allen Seiten umgiebt, bearbeiten sollten ! Ich beneide Ihnen manchmal die glückliche Unschuld, in welcher Sie leben, denken, und schreiben, und das herrliche, verschönernde Fernrohr, durch welches Sie die Dinge dieser Welt, und die Menschen dieser Zeit noch betrachten. Unter andern gewähren mir auch Ihre treflichen Artikel im Courier de Smyrne, einen // wahren Genuß, zugleich aber gestehe ich Ihnen, daß ich sie nicht ohne große Besorgnisse lese. Sie scheinen nicht zu wissen, oder nicht wissen zu wollen, daß heute N i e m a n d so dreist, so verwegen schreibt, wie Sie und Ihre dortigen Freunde; und ich würde dem Himmel dafür danken, daß [es] bey dem Verstummen der Wahrheit in Europa, doch noch <in> Asien eine freye und kräftige Stimme sich für sie erhebt. Allein ich fürchte, man wird Ihnen nächstens den Hals brechen; und es ist ein wahres Problem für mich (worüber ich Sie sogar um einen Aufschluß bitte) wie sich diese Zeitung in der Nähe von Heyden, Rigny, und andern dieses Gelichters bis hieher hat behaupten können. Ich sage Ihnen nicht, Sie sollen aufhören; nein ! kämpfen Sie vielmehr so lange Sie können. Nur halte ich für meine Pflicht, Sie auf das, was Ihnen widerfahren kan, vorzubereiten; und vorzüglich bitte ich Sie, Sich persönlich so wenig als möglich zu compromittiren; Sie sind noch zu mehr denn einem großen Geschäft berufen; und, wie einst von England sagte: "Ich f ü r c h t e, daß man Uns z u s e h r f ü r c h t e n mögte". (I fear our being too much feared). Es ist übrigens kein geringer Ruhm, das von sich sagen zu können. // Sie werden hoffentlich mit der diesmaligen Post Ihre Instructionen wegen der Neutralitäts-Rechte, unsre Correspondenz mit Tatitscheff, und die darauf Bezug habenden Conventionen erhalten. Die Antwort, die Sie dem Admiral Heyden gegeben haben, verdient unsern vollkommensten Beyfall. Sie haben [den] gleich den richtigen Gesichtspunkt gefaßt, indem Sie <gegen> den Traktat von 1801, der allerdings für uns keinesweges verbindlich ist, protestirten. Ich wünschte ich könnte Ihnen alles zu lesen geben, was ich neuerlich über diesen Gegenstand geschrieben habe. - Uebrigens wird die Streitfrage vor der Hand r u h e n, weil Rußland (schlau genug) in der Londner Conferenz erklärt hat, daß es seinen Charakter als Kriegführende Macht, im Mittelländischen Meere s u s p e n d i r e n will. Es ist dies zwar eine Anomalie, und Abgeschmacktheit mehr, in einem von Ungereimtheiten strotzenden System, für uns aber in so fern bequem, als es vor manchen Collisionen schützt. Schiffe unter Convoy nicht visitiren zu laßen - das bleibt nun ein für allemal unser Grundsatz, den wir selbst gegen E n g l a n d nicht aufgeben würden, so lange nicht unwiderstehliche Gewalt uns dazu zwänge. Ich liebe den Contre-Admiral, ohne ihn zu kennen weil ich sehe, daß er klug genug ist, Ihnen Gerechtigkeit angedeihen zu laßen. Gott sey mit Ihnen ! Gentz NS. Da die Instructionen diesmal noch nicht abgehen können, so sende ich Ihnen zwey lose Bände von Martens recueil, in welchen Sie gerade die interessantesten Aktenstücke in Betreff der Neutralität in Seekriegen finden werden. Der Hofkrieges-Rath fragte neulich bey der Staatskanzley an, ob man Ihnen wohl die ganze Martenssche Sammlung mittheilen sollte ?!! - Also kan i c h Ihnen wohl zwey überzählige Bände verehren. Wie war es möglich, daß der Courier de Smyrne und seine einsichtsvollen Beschützer das Bulletin der Bareuter Zeitung für ächt halten konnten ? Die Erdichtung war ja auf den ersten Blick handgreiflich, die genannten Generale alle längst todt, die angeblichen Operationen unmöglich etc. etc. Aus den neusten Berichten von Zante und Corfu ersehe ich, daß Capodistrias starke Promenaden durch die Griechischen Meere macht. Vermuthlich wird Ibrahim unterhandeln wollen. Es wäre ihm sehr zu rathen; denn es ist so gut als gewiß, daß die längst meditirte, oft suspendirte, aber nie aufgegebne Expedition der Franzosen mit 10-12000 Mann nach Morea nun wirklich zu Stande kömmt, indem (höchst unerwartet) England seine Zustimmung dazu gegeben hat. H: HHStA, Wien. Nachlaß Prokesch-Osten, Karton 27, , Bl. 34-36. x Bl., F: ; 5 eighd. beschr. Seiten. D: Prokesch-Osten: Briefwechsel mit Gentz und Metternich, I, 159-162.